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    Vaterland

    Vaterland

    Land/Jahr:
    PL / D / I / F 2026
    Genre:
    Drama / Biografie
    Regie:
    Paweł Pawlikowski
    Darsteller:
    Hanns Zischler
    Sandra Hüller
    August Diehl
    Devid Striesow
    Anna Madeley
    FSK:
    ab 0 Jahren
    Dauer:
    82 Minuten
    Kinostart:
    3. September 2026
    Label:
    Neue Visionen

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann und seine Tochter Erika eigentlich geschworen, niemals je wieder nach Deutschland zurückzukehren. Doch während die Alliierten sich noch über die Aufteilung des Landes den Kopf zerbrechen, sieht Thomas Mann die Bedeutsamkeit seiner Worte in diesen schwierigen Zeiten. Gemeinsam machen sie sich also auf die Reise in ein Deutschland, das nach dem Krieg in Trümmern liegt. Von der amerikanischen Besatzungszone in Frankfurt bis hin ins sowjetisch kontrollierte Weimar lässt er es sich nicht nehmen, vor großem und wichtigem Publikum zu sprechen. Zum Goethe-Jubiläum kann man es in allen Besatzungszonen kaum abwarten, Worte des Trostes und der Vergebung von einem der größten Schriftsteller des Landes zu vernehmen – selbst, wenn einige ihn als Verräter betrachten mögen. Doch während das Drama in seiner eigenen Familie langsam eskaliert, auch durch den Selbstmord des Sohnes Klaus Mann, stellt sich selbst für den Nobelpreisträger zunehmend die Frage: Kann es ein gutes neues Deutschland überhaupt geben?

    Kritik:
    Der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann war einst nicht nur einer der größten Schriftsteller Deutschlands und vor allem durch Romane wie „Buddenbrooks“ berühmt, sondern zugleich auch bekannt für seine überaus langen, verschachtelten Sätze. Die Kinobiografie widmet sich dem schwierigsten Abschnitt seines Lebens: Die Rückkehr nach Deutschland kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

    Wikipedia für die Leinwand
    Fließen einmal zahlreiche hohe Fördergeldbeträge in einen Kinofilm, der sich der Biografie von Thomas Mann widmet, kann man zumindest klar behaupten, dass die Anstalten damit ihren Bildungsauftrag klar erfüllen. Interessiert man sich für die historische Vergangenheit unseres Landes, dürfte der Schriftsteller Thomas Mann sicherlich auch eine interessante Figur sein, schließlich war er einer der wichtigsten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges und der anschließenden Aufteilung unter den Besatzungsmächten. Ein Problem allerdings haben Filme mit historischem Kontext und Anspruch oftmals: Der genaue Hergang ist für geschichtlich gebildete Zuschauer meist ziemlich vorhersehbar. Und da kommt dann schnell ein Problem zustande, das selbst für jenes Publikum schwierig ist, das hier noch etwas Neues lernt: Filme wie „Vaterland“ entpuppen sich häufig als handwerklich nett inszenierte Wikipedia-Artikel. Faktentreu, trocken, aber eben auch dramaturgisch mitunter sperrisch.

    Bedeutsam, aber zu oberflächlich
    Man kann ohne Zweifel behaupten, dass das leider auch auf „Vaterland“ eindeutig zutrifft. Und dabei ist der Film nicht einmal in allen Punkten historisch korrekt, denn eigentlich soll Thomas Mann seinerzeit ja gar nicht mit seiner Tochter durch Deutschland gereist sein, sondern mit einem Chauffeur aus der Schweiz. Immerhin ein Kniff, mit dem der Film ein bisschen versucht, dramaturgische Spitzen aufzubauen. Die Idee mag gut gedacht sein, das Hauptproblem liegt aber darin, dass „Vaterland“ einfach zu weit von den Figuren weg ist und dadurch seine Hauptprotagonisten einfach nicht interessant genug darstellt. Natürlich: Hier gibt es auch mal Reden mit Originalzitaten von Thomas Mann, aber einen wirklichen Einblick in das Innere des Mannes, das für die genialsten verschachtelten Sätze unserer Geschichte verantwortlich ist, bietet der Film dabei kaum. Wer also ist dieser Thomas Mann? Eine Frage, die „Vaterland“ nicht wirklich beantwortet. Selbst wenn seine Empörung über gestrichene Schachtelsätze in seiner Rede ein bisschen seine lyrischen Vorlieben andeuten.

    Eine perfekte Maske
    An der Besetzung des Films liegt das wohl aber sicherlich nicht. Hauptdarsteller Hanns Zischler sieht seiner Rolle Thomas Mann beinahe wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. Vergleicht man die Szenen des Films mit realen Fotografieren des Schriftstellers, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, hier den echten Literaturnobelpreisträger auf der Leinwand zu sehen. Das Casting hätte also wohl kaum besser ablaufen können und auch schauspielerisch präsentiert er seine Rolle eigentlich grundsolide und überzeugend. Es ist eher das Drehbuch, das sich – bei ohnehin nur 82 Minuten Laufzeit – etwas zu sehr auf andere Bereiche konzentriert. Statt den privaten und nahbaren Thomas Mann zu zeigen, dürfen wir den trockenen Reden vor Publikum zuhören, einen Museumsbesuch mit ausschweifender Darstellung der Ausstellungsstücke begutachten oder auch mal einem Kinderchor an einem Esstisch bei altdeutschen Liedern lauschen. Kurzum: „Vaterland“ ist an vielen Stellen einfach zu trocken und zäh, um das Publikum hier wirklich abzuholen.

    Spannendes Setting: Deutsche Besatzungszonen
    Immerhin: Ziemlich authentisch deutsch wirkt der Streifen dabei schon und das auf schon beinahe unheimliche Weise. Schon die Statisten der Nachkriegs-Deutschen, die auf Bänken aufgereiht einem Thomas Mann lauschen, passen schon auf eher gruselige Weise in die hier dargestellte Zeit. Handwerklich also wirkt „Vaterland“ sogar stimmig und dazu trägt auch die Schwarzweiß-Optik im 4:3-Format authentisch bei. Letztendlich weckt der Film dann immerhin ein gewisses Interesse damit, auch mal ein ungewohntes Setting zu zeigen. Der Film nämlich widmet sich weder dem Zweiten Weltkrieg, noch der DDR, sondern zeigt auf authentische Weise die Übergangszeit in den Besatzungszonen unterschiedlicher alliierter Mächte, in denen Herr Mann mit seinem Wagen Grenzübergänge passieren muss, um einem teils völlig anderen Leben zu begegnen. Darin findet das Drama zugleich auch seine eigentlichen Stärken.

    Fazit:
    Die Biografie über den legendären Schriftsteller Thomas Mann entpuppt sich als „handwerklich einwandfrei inszenierter Wikipedia-Artikel“, der mit seinem Setting in den Besatzungszonen punkten kann, jedoch an seiner trockenen und zähen Inszenierung scheitert, die eine zu große Distanz zu den wichtigsten Hauptfiguren aufbaut. Da hilft auch die perfekte Maske von Hanns Zischler nicht, um das Publikum am Ende zu fesseln.