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    The Zone of Interest

    The Zone of Interest

    Land/Jahr:
    USA / GB / PL 2023
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Jonathan Glazer
    Darsteller:
    Christian Friedel
    Sandra Hüller
    Johann Karthaus
    Luis Noah Witte
    Nele Ahrensmeier
    Lilli Falk
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    106 Minuten
    Kinostart:
    29. Februar 2024
    Label:
    Leonine

    Für Rudolf Höß und seine Ehefrau Hedwig geht ein echter deutscher Lebenstraum in Erfüllung. Endlich ist es ihnen gelungen, in einem schönen Eigenheim mit riesigem Garten gemeinsam mit den Kindern zu leben. Dabei gibt es nur einen einzigen Haken: Rudolf ist Kommandant im Konzentrationslager Auschwitz und ihr Grundstück grenzt direkt an die Mauern des Lagers. Tag und Nacht hören sie die qualvollen Schreie der ermordeten Juden, aus dem Schornstein der Einäscherungskammern steigt heißer Rauch empor. Das gemeinsame Familienidyll scheint das Opfer wert zu sein, Tag für Tag bewusst wegzuschauen und das angrenzende Elend zu ignorieren. Das Nichtwissenwollen prägt den Familienalltag, bis Rufolf eines Tages nach Oranienburg versetzt wird und Hedwig auf keinen Fall das „Traumhaus“ verlassen möchte…

    Kritik:
    Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller ist momentan in aller Munde. Gerade erst mit „Anatomie eines Falls“ für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert, konnte nun auch „The Zone of Interest“ gleich fünf Nominierungen absahnen. Schon die Tatsache, dass ein Film über den Holocaust dabei nicht aus Deutschland stammt, ist bereits eine Besonderheit.

    Schrecken des Nichtsehenwollens
    Ebenso besonders ist aber auch die Perspektive des Films. „The Zone of Interest“ führt uns ganz nah heran an die schrecklichen Ereignisse der massenhaften Ermordung der Juden, begibt sich aber niemals mitten in das Geschehen hinein. Die Handlung spielt in einem Haus mit Garten direkt neben dem KZ Auschwitz. Einen direkten Einblick in das KZ erhalten wir während des Films aber zu keinem Zeitpunkt. Schockierend dabei vor allem das, was der Film nicht zeigt: Das bewusste Wegsehen und Nichtwissenwollen, das den Alltag der deutschen Familien im dritten Reich prägt, ist der Mittelpunkt des Films. Die Soundkulisse besteht stets aus verstörenden Schüssen und Schreien, die über die Mauer hinweg schallen. Jeder weiß, was hier geschieht. Niemand schaut hin und redet darüber. Und genau damit zeigt sich „The Zone of Interest“ überaus innovativ. Ein Film, der mit den Sehgewohnheiten bricht, da seine Handlung sich um Dinge dreht, die er ganz bewusst nicht zeigt. Abweichend vom üblichen Unterhaltungsmuster, aber ein Drama, das auf ganz spezielle Weise seine Wirkung entfaltet.

    Der nette Nazi von Nebenan
    Kontrovers zugleich, denn „The Zone of Interest“ wagt eine Darstellung, die wir von Filmen über den Holocaust oder den Nationalsozialismus im Allgemeinen ganz und gar nicht gewohnt sind. Das Drama nämlich verzichtet darauf, den Nazi zu dämonisieren. Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß wird größtenteils als ganz normaler deutscher Bürger gezeigt. Ein liebender Familienvater, der sogar besonders freundlich und sanft mit seinen Kindern umgeht. Ein gebildeter Mann, der seine Kinder mit auf Ausflüge in den Wald nimmt und ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, statt die Erziehung gänzlich der Mutter zu überlassen. Ein ganz normaler Mann eben, dessen Job daraus besteht, Juden hinzurichten, als wäre es das Normalste der Welt. Der von Hannah Arendt geprägte Begriff „Banalität des Bösen“ passt hier hervorragend, wenn die Familie für ihr eigenes Wohl die Gräueltaten hinnimmt, die der Job des Mannes mit sich bringt. Ganz so, als würden nebenan einfach nur Juden in den Supermarkt gehen.

    Eine schockierende Entmenschlichung
    Mit dieser trockenen Beobachtungsperspektive, die die Opfer des Nationalsozialismus auch erschreckend entmenschlicht, entfaltet „The Zone of Interest“ eine Wirkung, die noch über Tage hinweg nachhallt und zu Diskussionen einlädt. Faszinierend dabei, dass der Film zu keinem Zeitpunkt auch nur eine einzige echte Gewaltszene zeigt. Stattdessen Dialoge, die den Zuschauer schlucken lassen. Eine der stärksten Szenen, wenn hochrangige Nazis vor einer technischnen Zeichnung sitzen und dabei die Funktionsweise eines Ring-Einäscherungsofen diskuttieren. Menschen sind dabei nur eine „Ladung“, die man „bestückt“. Und die neue Technik eröffnet „neue Möglichkeiten“, die „einen Dauerbetrieb ermöglichen“. Eine kalte Entmenschlichung, die in ihrer Wortwahl so heftig ist, dass es „The Zone of Interest“ gar nicht nötig hat, die Kamera in das KZ zu stecken. Ein Film, der fesselt und schockiert mit all jenen Dingen, die er absichtlich nicht zeigt. Und damit ein Meisterwerk.

    Fazit:
    Ein Holocaust-Film, der mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers bricht: „The Zone of Interest“ schockiert und entsetzt vor allem mit all jenen Szenen, die er nicht zeigt und lässt den Zuschauer dabei mit den heftigen Eindrücken der Banalität zurück, mit der das qualvolle Leid gleich nebenan emotionslos hingenommen wird. Ein kontroverser, aber extrem wichtiger Film, der der tatsächlichen Antwort auf die Frage, wie der Holocaust passieren konnte, womöglich am nächsten kommt.