Review
| Arco |
| Land/Jahr: F 2025 |
| Genre: Zeichentrick |
| Regie: Ugo Bienvenu Gilles Cazaux |
| Darsteller: - |
| FSK: ab 6 Jahren |
| Dauer: 89 Minuten |
| Kinostart: 9. April 2026 |
| Label: Wild Bunch Germany |
Im Jahre 2075 lebt die junge Iris zusammen mit ihrer Roboterpflegerin Mikki in einem gut behüteten Eigenheim. Die Erde wird inzwischen so stark vom Klimawandel bedroht, dass die Häuser über undurchdringbare Schutzschilde verfügen, die bei jeder Extremwetterlage für Sicherheit sorgen. Ob Waldbrände, Stürme oder Fluten: Hier kann der jungen Iris nichts passieren, während ihre Eltern tagelang auf der Arbeit sind. Eines Tages entdeckt Iris jedoch einen mysteriösen Regenbogen, der sich als der zehnjährige Zeitreisende Arco entpuppt. Eigentlich dürfte er in dem jungen Alter die Zeitreise noch gar nicht nutzen, landet so aber versehentlich in Iris Zeit. Gemeinsam versuchen sie Arco zurück in seine Zeit zu schicken, in der die Menschen längst über den Wolken leben…
Kritik:
Der Klimawandel ist in aller Munde. Doch wie würde wohl eine Zukunft aussehen, die die Zerstörung durch den Klimawandel längst hinter sich gelassen hat und anschließend daraus lernen konnte? Nominiert für den besten Animationsfilm bei den Oscars 2026 entpuppt sich der französische Sci-Fi-Zeichentrick als kleiner Überraschungs-Hit.
Zeitreise in mehrere Zukünfte
Die Idee und das World Design von Ugo Bienvenu und Gilles Cazaux kann sich jedenfalls sehen lassen. Gerade für Sience-Fiction-Fans macht der französische Zeichentrickfilm gerade deshalb Spaß, weil er die grandiose Idee hatte, gleich zwei Zeitabschnitte in der Zukunft gleichzeitig zu zeigen. Statt einen Erdenbewohner der Zukunft in die Gegenwart reisen zu lassen, reist der junge Arco einfach in eine weitere, weniger weit voraus liegende Zukunft. Das allein sorgt bereits für eine gewisse Faszination, wenn eine Welt aus autarken Häusern in den Wolken und Zeitreisen auf eine Klimakatastrophe mit Robotern und Schutzkuppeln stößt. Schon diese beiden Welten zu entdecken, fesselt den Zuschauer ab der ersten Minute.
Klimawandel und Entfremdung
Bei einer Geschichte über die Zukunft während und nach der Klimakatastrophe darf eine gewaltige Portion Gesellschaftskritik aber natürlich nicht fehlen. Überraschenderweise erhebt „Arco“ den Zeigefinger dabei gar nicht so sehr in Richtung Umweltverschmutzung und Ausbeutung des Planeten, sondern eher auf einen Aspekt der auch heute relevanten modernen Welt: Die Entfremdung der Menschen, abgeschottet unter Kuppeln, steht im Mittelpunkt. Kann ein Familienoberhaupt schon heute seine Kinder nicht mehr allein ernähren, zeigt „Arco“ eine Zukunft, in der Roboter dafür sorgen, dass Eltern noch mehr arbeiten gehen – und die körperliche Nähe der Eltern durch vermeintlich perfekte Erziehung durch Roboter ersetzt wird. Ein sehr direkter Pranger für das Publikum, das es beim Kinobesuch oftmals kaum schafft, das Smartphone in der Hosentasche zu lassen und die Kinder vermutlich selbst sofort an Roboter abgeben würde, wenn Smartphones zum Ruhigstellen nicht mehr ausreichen.
Europäischer Anime mit japanischer Optik
Ein spannender Aspekt von „Arco“ ist dabei auch, den typisch japanischen Animationsstil, wie wir ihn etwa auch aus den Studio Ghibli-Filmen kennen, auf einen französischen Film zu übertragen. Diese Optik also auch mit europäischen Themen zu kombinieren, schließlich beschäftigt sich das europäische Publikum und die europäische Gesellschaft oftmals auch mit gänzlich anderen sozialen Themen, als die japanische. Das gibt dem Film zugleich nochmal einen ganz anderen Style, weil der japanische Anime-Zeichenstil dabei erstmals auch europäische Gesichter, Häuser und Kulissen darstellt. Diese Kombi aus innovativer Idee, Adaption eines grandioses Zeichentrickstils und der genau richtigen Portion Gesellschaftskritik sorgt dafür, dass die Nominierung für den Oscar absolut berechtigt war – auch wenn ein anderer Film am Ende abräumen konnte.
Fazit:
Nominiert für den Oscar als bester Animationsfilm liefert der französische Sci-Fi-Zeichentrickfilm „Arco“ einen faszinierenden Blick in die Zukunft mit innovativem World Design, einer gelungenen Portion Gesellschaftskritik und eine europäische Variante des japanischen Anime-Stils. Ein Geheimtipp unter den Kinostarts.