The Toten Crackhuren: Spaßig-feministischer Pop-Punk begeistert in Köln
Das mit der “Engelenergie” nehmen die drei Frauen an der Front natürlich Ernst: Mit weißen Kleidern samt Engelsflügeln sorgen sie schon beim ersten Song für einen Augenschmaus, der den ironischen Touch der Band gut unterstreicht. Ihre heutige Musik aber ist nicht mehr so ganz nur auf Spaß ausgelegt, wie in der Anfangszeit. Heute fügen sich T.C.H.I.K. doch verstärkt dem Genre des Punk ein, liefern vor allem auch deutlich politischere und ernsthaftere Songs. Links und feministisch, das versteht sich im Punk natürlich von selbst, auch dann, wenn es Pop-Punk ist. Und wenn man dann ein Bandmitglied im Taubenkostüm auf die Bühne holt, denn Tauben scheißen bekanntlich auf Nazis, dann sind die “Alerta, alerta, antifascista!”-Rufe auch nicht weit.
Politik macht natürlich auch Sinn, wenn die inhaltliche Ausrichtung klar feministisch ist: “Schöner Leben ohne Macker” haben sich die “Crackhuren” schließlich zum Lebensmotto gemacht und teilen dabei immer wieder gegen toxische Männlichkeit und Fehlverhalten des anderen Geschlechts aus. Mit einem Hauch Ironie könnte man da sicherlich eine gewisse Männerfeindlichkeit heraushören, doch selbst bei den männlichen Besuchern in den ersten Reihen, die es auf dem Konzert durchaus gab, wurde klar, dass man sich da nicht zwangsläufig angegriffen fühlen muss. “Mein Kink ist es, gut behandelt zu werden” und “niemand hat mir gesagt, dass der Mann in meinem Leben das gefährlichste sein würde”, macht schon sehr deutlich, worauf die drei Frauen hier hinaus wollen.

Aber bei aller Ernsthaftigkeit, so ganz ohne Spaß soll so ein Party-Konzert von The Toten Crackhuren im Kofferraum dann doch nicht sein. Da gehört nicht nur der alte Hit “Ich und mein Pony” ganz klar auf die reguläre Setlist, sondern auch Tracks wie “Nackt auf dem Balkon” oder “Mach dir keine Sorgen, mach dir Nudeln” sorgen schnell für Partystimmung in der Kölner Konzerthalle. Das macht dem Publikum so viel Spaß, dass sich hier auch mal eine Wall of Death – überwiegend aus Frauen – bildet. Selbst die zierlicheren Besucherinnen können sich da einmal sicher fühlen. So sicher, dass Sängerin Doreen K. Bieberface sich auch mal mitten in die Menge begibt.
Bis sie sich zum Abschluss vielleicht eine der genialsten Zugaben ausgedacht haben, die wir in Jahren der Konzertberichterstattung jemals gesehen haben. Erst wird die Tochter von Frontfrau Luise „Lulu“ Fuckface für eine Tanzeinlage auf die Bühne geholt, danach sogar noch ein gemeinsamer Song mit Support-Rapperin Finna performt. Und mit ihrem Abschlusssong “Punkrock hat mir mein Herz gebrochen” teilen sie gegen die eigene Szene aus, in der patriachale Strukturen längst nicht durchbrochen sind – und liefern auch ein versöhnliches “Punk ist das, was du daraus machst” mit, denn: Es geht eben auch mit Männern. “Punk ist für alle schön. Für Girlz und Boyz und in between”, lautet die Umarmung, mit der sich die Crackhuren nach einer feministischen Abriss-Party von der Bühne begeben.

Fotos: Rene Daners