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  • Ratingen: Das Folkerdey Festival feierte den 20. Geburtstag
    15. Juni 2026 | 21:35

    Ein bisschen abseits der großen Straße, mitten im Grünen, findet sich in Ratingen das Eisenzeitliche Gehöft mit all seinen niedlichen alten Hütten. Und mittendrin kommen jährlich bis zu 1000 Menschen zusammen, um das Folkerdey Festival zu besuchen. Einige von ihnen machen das inzwischen bereits seit 20 Jahren, denn das eintägige Event feierte am 30. Mai 2026 sein 20. Jubiläum. Erstaunlich dabei der Preis: Noch immer gab es ein Festival-Ticket für nur 20 Euro im Vorverkauf, 30 an der Tageskasse. Wie das geht? Vor allem durch die Gemeinnützigkeit des Fördervereins, vielen ehrenamtlichen Helfern und lokalen Vereinen, die ihren Teil dazu beitragen. Der Verein des Spanischen Kulturkreises etwa, dessen selbstgemachte Paella so beliebt ist, dass sie innerhalb von 20 Minuten ausverkauft ist.

    Besucher beim Folkerdey Festival
    Campingstühle und Picknickdecken erlaubt: Das Folkerdey ist für seine Gemütlichkeit bekannt

    Während die ersten Gäste in der Mittagszeit oftmals mit Campingstuhl und Picknickdecke anreisen, denn vor der Bühne bequem einrichten ist ausdrücklich erlaubt, bedeutet Gemeinnützigkeit auch Jugendförderung. Da ist nicht nur das Jugendzentrum Lux an der Organisation beteiligt, sondern die Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ratingen, sowie die Schüler der Ludwig-van-Beethoven-Musikschule Bonn unter der Führung von Musikerin Sabrina Palm dürfen erste Bühnenerfahrung auf der Main Stage sammeln, indem sie alljährlich das Festival eröffnen. Bei den einen ein spannender Mix aus Rock, Jazz und Pop. Bei den anderen gibt’s schottischen und irischen Folk auf die Ohren. Jubel kommt da nicht nur von den Eltern.

    Danach beweisen die anderen Bands, was Folk-Festival eigentlich bedeutet. Wer hier nur an Irish Folk oder Omas alte Volkslieder denkt, liegt nämlich gewaltig falsch. Tatsächlich bietet das Folkerdey in jedem Jahr einen vielfältigen Mix aus der Weltmusik und hat da auch so manche Klänge zu bieten, die man nicht unbedingt unter Folk erwarten würde. Der “Italo Tropical Dub” etwa, wie die italienische Band Veeble ihre Musik nennt, hätte man vermutlich nicht so ganz auf einem Folk-Festival erwartet. Musikalisch ging der groovige Gute-Laune-Sound doch eher in Richtung Afrobeat und die Länge ihres Auftritts ließ auch vermuten, dass sie eigentlich den Headliner-Slot erhalten sollten. Da dauert es nicht lange, bis die ersten Besucher vor der Bühne das Tanzbein schwingen.

    Veeble beim Folkerdey Festival
    Italo Tropical Dub: Veeble zeigen Folk von seiner tanzbaren Seite

    Und dann gibt es auf dem Folkerdey auch in jedem Jahr noch diese Bands, dessen Folk so abgefahren ist, dass man es kaum für möglich gehalten hätte, das überhaupt spielen zu können. Wenn die Schweden von Symbio die Bühne betreten, klingt das musikalisch wie eine Mischung aus Trance und Synthesizer-Klängen. Nur: Gespielt wird das auf einer Drehleier und einem Akkordeon. Obwohl Symbio vor einigen Jahren schon einmal Gast auf dem Folkerdey waren, wird es im Publikum sicher einige gegeben haben, die so etwas noch nie in ihrem Leben gehört haben. Nunja, das ist eben auch Folk.

    Zwischendurch dürfen natürlich auch immer mal wieder jene Bands nicht fehlen, die man in dem Genre ein bisschen mehr erwartet. Singer-Songwriterin Marie Rauschen punktet dann doch eher mit einfacher, handgemachter Musik und tiefgründigen Texten über Rassismus, Homophobie, Alltag und Anspruchsdenken. Der gemütliche Einstieg in den sonnigen Nachmittag, bevor später Jaimi Faulkner folgte, der mit seiner Stimme schon längst zum Publikumsliebling beim Folkerdey geworden ist.

    Drowsy Maggie und Sabrina Palm beim Folkerdey Festival
    Headliner mit Irish Folk: Drowsy Maggie holen sich Sabrina Palm als Verstärkung

    Und ein Publikumsliebling darf später natürlich sogar noch einmal ran. Mit Headliner Drowsy Maggie gab es zum Abschluss des Tages schließlich echte Lokalmatadoren aus der Nachbarstadt Düsseldorf, die tanzbaren, etwas flotteren Irish Folk spielten – und sich dafür schlagkräftige Unterstützung mitbrachten. Neben Jaimi Faulkner durfte hier auch Sabrina Palm gleich mit auf die Bühne, um einen gemeinsamen Song auf der großen Main Stage zu präsentieren. Und wer anschließend noch etwas blieb, wurde am Lagerfeuer zusätzlich belohnt: Nach dem Ende des Festivals versammeln sich einzelne Musiker nochmal zu einer offenen Jam Session, bei der sie einfach gemeinsam mit den verbliebenen Besuchern ein paar Songs spielen. Und wer Lust hatte, durfte sogar sein eigenes Instrument mitbringen und sich anschließen. Auch das macht das Folkerdey zu einem einzigartigen Festival.

    Fotos: Rene Daners