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  • No Limits No Control: Experimenteller Electro in Dortmund
    25. März 2026 | 18:57

    Es gibt Musik, die gilt selbst innerhalb der schwarzen Szene als speziell und experimentell. Die harten elektronischen Sounds vom Plattenlabel Hands Productions gehören da sicherlich dazu. Musikalisch lässt sich das nämlich im Genre des Noise einordnen. Manchmal monotone, manchmal komplexe harte Rhythmen, zahlreiche Geräusche und Effekte und vor allem viele spontane Klangexperimente prägen die Musik der Künstler. Auf der Bühne meist eine, maximal zwei Personen, deren experimentelle Erzeugnisse fast schon ein bisschen improvisiert wirken. Und klar ist auch: Die einen lieben es, für die anderen ist das einfach nur Krach. Und auch, wenn das im Hirsch-Q in Dortmund am 21. März 2026 nur rund 100 Besucher anlockte, so handelte es sich doch um ein Heimspiel für das Label, dessen Events auch im Ruhrgebiet nicht fehlen dürfen.

    Bei No Limits No Control, wie sich die kleine regelmäßige Event-Reihe nennt, bekommen nicht nur die ganz großen Acts des Labels eine Bühne. Hier dürfen sich auch kleinere, unbekanntere Acts ausprobieren – falls man das bei einem Nischen-Genre überhaupt so sagen kann. Den Anfang machte dabei das Duo Persons Unknown, über die Informationen zunächst tatsächlich eher schwieriger zu finden sind. Auf keinen Fall verwechseln sollte man sie mit der gleichnamigen kanadischen Rockband, auf die man bei Google vermutlich als erstes trifft. Was hier über die Lautsprecher schepperte, war kein Gitarren-Rock, sondern ein experimenteller Klangteppich, der aus so manch abstrakten Geräuschen eine düstere Atmosphäre schaffte. Besucher, die zeitig erschienen waren, konnten also bereits erahnen, wie musikalisch speziell dieser Abend werden könnte.

    Moogulator bei No Limits No Control
    Mick Irmer begeisterte als Moogulator bereits früh am Abend

    Gleich als zweites durfte dann Mick Irmer, besser bekannt als Moogulator auf die Bühne. Mit der Abbildung seiner Soundfrequenzen trug er auch gleich den passenden Pullover zu seiner Musik. Da ging es dann schon deutlich technoider, tanzbarer zu, immer wieder ergänzt durch rhythmisch eingestreute Industrial-Geräuscheffekte und Frequenzanpassungen. “Bewaffnet” mit Equalizern und anderen Gerätschaften, die der Laie vermutlich kaum identifizieren kann, erscheint auch Noise plötzlich handgemachter, als mancher auf den ersten Blick annehmen würde. Optisch fand sich dieses Bild aber generell bei den Auftritten bei “No Limits No Control”: Bierbankgarnitur vollgestellt mit elektronischen Geräten, Instrumenten, Synthesizern und Effektgeräten, dazu reichlich Nebel und Flackerlicht. Mehr braucht es nicht, um die Menge zum Tanzen zu bringen.

    Beim dritten Act Incendie kam dann doch ein bisschen mehr Gesang dazu. Was für die einen Krach ist, entpuppt sich schließlich für die Fans als hochkomplexe Musik, die doch stilistisch bei jedem Act und jedem Projekt anders klingt. Irgendwie hart und technoid sollte es bei “Incendie” dann zwar bleiben, kombiniert wurde das aber mit einem verzerrten, harschen Live-Gesang, wie man ihn eher vom Aggrotech oder teilweise auch dem Metal kennt. Dazu noch ein digitales Drum Pad und schon hatte der Ein-Mann-Auftritt einen deutlich größeren Live-Charakter, als zunächst erwartet.

    Frett bei No Limits No Control
    Experimentelle Musik geht auch Female Fronted: Das polnische Duo “Frett” überzeugte mit IDM und psychedischem Gesang

    Mit Gesang machte dann auch Co-Headliner Frett weiter. Das polnische Female-Fronted-Duo, bestehend aus Anna und Maciek Frett war der wohl melodischste Act des Abends. Musikalisch verließ das Event damit auch vorübergehend ein wenig das Genre des Noise und widmete sich verstärkt dem Industrial und IDM, begleitet vom psychedelischen Gesang von Anna Frett. Das ist bewusst keine Stimme, die gesangliche Höhen erreichen soll, sondern das Publikum zum verträumten Einsinken in die Musik verleitet. Den Sound darüber hinaus auch mit diversen instrumentalen, härteren Abschnitten aufzulockern, die Maciek Frett alleine spielt, gehört dabei zum Konzept des Acts.

    Nebel, Nebel und noch mehr Nebel dann beim Headliner Nullvektor. Fotografisch wahrlich eine Herausforderung, diesen Auftritt festzuhalten, doch: Wer muss Musiker Stefan Böhm alias “Nullvektor” denn schon sehen, wenn er auch die Musik für sich sprechen lassen kann? Die nämlich wirkt: Das in dichtem Nebel eingedeckte Hirsch-Q wurde schnell zu einer Tanzfläche, bei dem die Menge zu den harten Beats sprichwörtlich abging. “Jedes Mal geil, wenn ich ihn sehe”, hörte man am Ende des Auftritts, bei dem fast eine ganze Stunde lang keine Füße still stehen konnten.

    Nullvektor bei No Limits No Control
    Überall Nebel: Headliner Nullvektor machte seinen Auftritt zum technoiden Tanz im Nebel

    Während die Events von Hands Productions einen familiären Touch haben, bei dem sich viele der Besucher gegenseitig kennen, ist für die meisten auch klar, dass sie am 25. und 26. April 2026 zum Förderturm Bönen zwischen Dortmund und Hamm (Westfalen) fahren werden. Dann findet mit Forms of Hands nämlich das größte Event von Hands Productions statt, bei dem 500 Besucher bei einem bald ausverkauften Festival erwartet werden. Bei dem 2-tägigen Event werden dann auch Größen wie Monolith bei ihrem Abschlusskonzert erwartet, sowie Acts wie Ah-Cama Sotz, Monya und viele andere Highlights des Labels. Tickets gibt es für günstige 68 Euro unter formsofhands.de – und eine CD mit den Acts des Festivals ist bei dem Preis sogar noch inklusive!

    Fotos: Rene Daners