Heidenfest in Oberhausen: Von Metal-Flamingos und finnischen Trollen
Für jeden Spaß zu haben: Trollfest erschienen in Flamingo-Kostümen auf der Bühne
Bei der norwegischen Folk-Metal-Band Trollfest wird das besonders klar, denn der Name ist bei ihrem Auftritt gleich doppelt Programm. Ihre Songs handeln nicht nur von skandinavischen Trollen und sind oftmals in der fiktiven Sprache “Trollspråk” geschrieben, sondern auch ihr Publikum scheinen sie liebendgern trollen zu wollen. Die Norweger erscheinen da doch kurzerhand einfach mal in pinken Flamingo-Kostümen auf der Bühne und machen damit sehr deutlich, dass man ihren Auftritt nicht allzu ernst nehmen sollte. Der Sound ist dagegen schon fast ein Kontrast: Die spaßigen Texte werden von überraschend harten Gitarrenriffs begleitet, die den Headbangern sichtlich großen Spaß machen. Und die machen dann auch mal eine Polonaise mit, die vom Bassisten angeführt, durch die gesamte Halle führt.
Vorher allerdings gab es als Auftakt noch einen kleinen Abstecher in piratige Gefilde. Trollfest hatten nämlich ihre Freunde von The Dread Crew of Oddwood mitgebracht, die sich dem wahrhaftigen Pirate Folk widmeten – und sich dabei mit den Gitarren etwas zurückhielten. Ihr Sound erinnert dabei ein wenig an “Mr. Hurley und die Pulveraffen”, die sich auf deutschen Mittelalterfesten inzwischen großer Beliebtheit erfreuen. “The Dread Crew of Oddwood” verzichten dabei allerdings auf die Albereien und nehmen den Piraten-Folk deutlich ernster. Ein Fest für all jene, die den Pirate-Folk auch mögen, wenn er sich nicht mit Spaß-Texten selbst auf den Arm nimmt. Und damit ein musikalisch aufregender Opener für Metalheads, die offen für Experimente sind.

Finnische Trolle brauchen auch passende Ohren: Finntroll als zweiter Headliner
Nach den “Metal-Flamingos” von Trollfest dann jene niederländische Band, für die ein Großteil des Publikums womöglich gekommen sind. Heidevolk sind inzwischen nämlich eine Art Aushängeschild des Pagan Metal, haben es deshalb auch gar nicht so sehr nötig, mit verrückten Kostümen aufzufallen. Mit ihrem zweistimmigen Gesang von Jacco de Wijs und Daniël Wansink sorgen sie derweil für einen epischen Sound, bei dem Pagan Metal schon fast einen Hauch von Symphonic Metal aufweist. Mit ihren einprägsamen Rhythmen sind sie – passend zum Namen des Events – schon so etwas wie der Publikumsliebling des Heidenfest.
Hochkaräter hatte das Heidenfest aber einige am Start, denn bei der Auswahl der musikalischen Acts hat man sich international an den Größen des Folk- und Pagan-Metal orientiert. Neben Niederländern und Norwegern, dürfen da natürlich auch Finnen nicht fehlen: Finntroll machen dabei ihrem Namen alle Ehre und tragen konsequent Trollohren auf der Bühne. Dabei wurde Sänger Mathias „Vreth“ Lillmåns aus gesundheitlichen Gründen zwar ausnahmsweise von Kistelach ersetzt, doch der stellte sich als würdiger Ersatz heraus. Zuschauer, die “Finntroll” an diesem Abend zum ersten Mal live sahen, wäre ohne eine Erwähnung vermutlich gar nicht aufgefallen, dass es sich hierbei nicht um eine reguläre Besetzung handelt. Auch das Hineinsteigern in paganistische Trollbeschwörungen beherrscht Kistelach als Frontmann zweifelsohne genauso gut, wie “Vreth”.

Pagan Metal von einem echten Ureinwohner Finnlands: Korpiklaani mit einem Mix aus Folk-Metal und Humppa
Einen echten Schamanen und Ureinwohner Finnlands hat allerdings dann doch nur eine Band zu bieten: Headliner Korpiklaani sorgte zum Abschluss für Partystimmung bis gegen Mitternacht – und machte das 6-stündige Programm des Heidenfest damit rund. Ein bisschen schade war derweil, dass sich die Turbinenhalle während ihres Auftritts doch sichtbar etwas leerte – was womöglich der schwierigen Bahnsituation rund um Duisburg geschuldet sein mochte. An ihrem Auftritt kann es jedenfalls nicht gelegen haben: Die Finnen rund um Sänger Jonne Järvelä sorgten mit ihrem Mix aus Folk-Metal und Humppa für einen außergewöhnlichen Sound, den so mancher Fan im Publikum überraschenderweise sogar mitsingen konnte, obwohl sie ihre Songs natürlich auf finnisch singen. Wer bis zum krönenden Abschluss blieb, zu dem bei Korpiklaani selbstverständlich auch eine Zugabe gehörte, verließt die Turbinenhalle jedenfalls mit zufriedenen Gesichtern – und so manchem Merchandise aus Plakaten, Shirts und Platten. Bereits jetzt steht fest, dass das Heidenfest auch im nächsten Jahr zurückkehren wird: Das Heidenfest startet zunächst im Januar 2027 in Spanien und zieht anschließend weiter nach Deutschland, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein NRW-Termin wieder dabei sein wird.
Fotos: Rene Daners