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  • Forms of Hands: 25. Jubiläum des Noise-Festivals mit zwei Weltpremieren
    18. Mai 2026 | 22:45

    Harte Beats, tanzbare Rhythmen, elektronische Musik – und trotzdem ein Teil der schwarzen Szene. So mancher Besucher des zweitägigen Festivals Forms of Hands würde sich wohl selbst als “Techno-Fan im schwarzen Gewand” bezeichnen. Für viele der Teilnehmer handelt es sich um ein jährliches Widersehen unter Freunden, fast wie ein Familientreffen bei dem jeder die anderen kennt. Am 24. und 25. April 2026 fand es inzwischen zum 25. Mal statt und feierte damit das große Jubiläum. Für Veranstalter Udo Wiessmann hätte es dabei kaum ein besseres Geschenk geben können: Zum ersten Mal war das Event mit 500 Besuchern vollständig ausverkauft.

    Die Noise-Musik vom Label Hands Productions ist allerdings selbst innerhalb der schwarzen Szene eher eine Nische. Zu dem Konzept aus heftigen, teils maschinenartigen und rauen Tönen gehört natürlich auch die passende Location: Ein Gebäude der Industriekultur ist daher ein Muss für den Austragungsort. Vor 25 Jahren in einem Bahnbetriebswerk in Arnstadt begonnen, bleibt Forms of Hands dieser Ausrichtung treu: Der Förderturm Bönen war einst Teil des Steinkohle-Bergwerks und dient heute als Industriedenkmal und Event-Location. Für manchen Bahnfahrer zwar etwas abgelegen, könnte es für dieses Festival kaum eine passendere Location geben. Den einzigartigen Sound, der auch ein bisschen an frühere “Maschinenfest”-Veranstaltungen erinnert, kann es nur in einer solchen Stahlumgebung geben. Den Hinweis an der Tür, doch besser einen Hörschutz zu tragen, sollte man hier also definitiv ernst nehmen. Schon Sans-Fin konnte das als erster Act des Freitags unter Beweis stellen.

    Monya bei Forms of Hands 2026
    Auch Frauen können Noise: Monya begeistert am Freitag bei Forms of Hands

    Besondere Highlights des Events waren zwei Weltpremieren von Künstlern, die in der schwarzen Szene zwar keine gänzlich unbekannten sind, in dieser Konstellation jedoch noch nie auf der Bühne standen. So hatten sich etwa Claus Larsen von Leaether Strip und David Christian von Cervello Elettronico unter dem Namen Torture Gallery zusammengetan, um erstmals gemeinsam ein Noise-Projekt zu präsentieren. Insbesondere für Larsen, der für gewöhnlich eher klassischen EBM spielt, war das eine überraschende Neuheit. Gemeinsam lieferten sie einen Sound, der eher an frühere Zeiten des Noise und Industrial erinnert: Statt tanzbar-technoider Rhythmen gab es eher einen atmosphärischen Sound, der dank der harschen Stimme von Larsen glatt wie die Vertonung eines Horrorfilms wirkte. Ein spannendes Projekt, das vor allem Fans begeisterte, die schon in den Anfangszeiten von Forms of Hands dabei waren.

    Für eine noch deutlich härtere Gangart sorgten am zweiten Festivaltag dann Nullvektor und Maschinenkrieger KR52. Auch diese beiden Künstler standen erstmals gemeinsam auf der Bühne und kombinieren dafür den passenden Namen Nullmaschine. Und wenn sich zwei der härtesten Künstler des Labels zusammentun, sorgt das für gewaltige Vibrationen an der massiven Stahlkonstruktion des Förderturms in Bönen. Der tanzenden Menge sah man schnell an, dass diese neue Kombination innerhalb weniger Minuten überzeugen konnte.

    Torture Gallery bei Forms of Hands 2026
    Weltpremiere: Leaether Strip und Cervello Elettronico als “Torture Gallery”

    Zwischendurch gab es zahlreiche andere Künstler, die bei Hands Productions zu den festen Stammgästen gehören. Mit Monya Cperski, hier einfach unter ihrem Künstlernamen Monya auftretend, weiß inzwischen auch eine Frau mit ihren elektronischen Klängen zu überzeugen – was immerhin bei derart hartem Sound immer noch eine Seltenheit ist. Spätestens seit ihrem Track “Einweg Ausweg Ende” aus dem Jahre 2022, den sie bei Forms of Hands auch mit begleitendem Live-Gesang performt, hat sie sich in dem Genre jedenfalls fest etabliert. Ebenso wie MS Gentur und Sven Phalanx, bürgerlich Sven Lemke, der zu den Events von Hands Productions schon eine richtige Fanbase mitbringt, die den Events des Veranstalters regelrecht hinterher reist.

    Die Fanlieblinge sind aber ebenso seit vielen Jahren klar: Ah Cama-Sotz, Mono No Aware und Monolith stehen schließlich nicht grundlos in der Nacht als Headliner auf der Bühne. Beim Belgier Ah Cama-Sotz, der mit Fledermaussymbolik und höllischen Teufelsgrafiken auf der Leinwand für echte Grufti-Stimmung sorgt, kann niemand einfach vorzeitig gehen. “Immer wieder geil”, hört man doch von einigen Fans, die dafür bis nach 2 Uhr nachts in der Halle des Turms blieben. Mono No Aware wiederum punktet womöglich auch mit seiner körperlichen Performance: Passend zu seinem japanischen Namen, der für sowas wie die melancholische Wertschätzung für die Vergänglichkeit steht, sieht sein Bühnenauftritt auch eher wie japanische Kampfkunst aus. Dieser Mann fühlt seine Musik mindestens genauso, wie seine Fans.

    Nullmaschine bei Forms of Hands 2026
    Nullvektor und Maschinenkrieger KR52 gemeinsam mit ihrem Projekt “Nullmaschine”

    Abgerundet wurde das Festival mit zahlreichen weiteren Acts, die für rund 18 bis 20 Stunden Live-Programm sorgten. Und wer neugierig geworden ist, den Sound von Hands Productions einmal selbst zu erleben, hat schon sehr bald die nächste Gelegenheit dazu: Bereits am Pfingst-Wochenende kommen einige Acts des Labels zum Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, um die WGT Noise Floors mit fettem Sound zu versorgen. So gibt es Donnerstag, Samstag und Montag besten Noise in der Moritzbastei, sowie Auftritte von MS Gentur + Sven Phalanx und Ah Cama-Sotz am Pfingstsonntag im Täubchenthal. Bis spät in die Nacht werden all jene mit Party versorgt, die nach den letzten Bands des Tages längst nicht genug vom WGT haben.

    Fotos: Rene Daners