Fiddler’s Green Acoustic: Auf ein “Fuck you” in die Christuskirche Bochum
Sänger Ralf Albers ist die Stimme der Band
Und so saß die 6-köpfige Band nach dem Support-Auftritt von Redwood also auf ihren Barhockern, als würden sie ein lockeres Pub-Konzert spielen. Für einen echten Pub ist der Andrang, der am Samstag für eine ausverkaufte Christuskirche sorgte, natürlich viel zu groß. Solch akustisch besondere Locations sollen jedoch zumindest einen würdigen Ersatz für einen echten Pub bieten – und die Fans sind schließlich doch näher an ihrer Band, als in den großen Hallen. Gestanden wurde trotz der Kirchenbänke aber trotzdem: Beim Speedfolk, dem deutlich flotter gespielten Irish Folk wirklich zu sitzen, statt stehend zu feiern, fühlte sich für die meisten Konzertbesucher dann doch etwas merkwürdig an, sodass das Publikum schnell bis in die letzten Reihen aufstand.
Ein Moshpit in der Kirche, wie es ihn sonst auch mal auf Konzerten von Fiddler’s Green gibt, wäre zwar lustig gewesen, dafür reicht der Platz zwischen den Bänken dann aber doch nicht aus. Das trotz akustischer Instrumente hohe Tempo hätte das aber durchaus hergegeben. Immerhin hat die Band auch einiges an abwechslungsreichen Instrumenten aufgefahren, um auf der Bühne gewaltig Gas zu geben. Vom Banjo bis zur Akustikgitarre, von der Geige bis zur Mandoline und vom Steh-Schlagzeug bis zum Waschbrett – beim Acoustic Pub Crawl bewies die Band um Sänger Ralf Albers, dass wir es hier mit echten Multi-Instrumentalisten zu tun haben. Und: Sogar die Barhocker selbst lassen sich auch mal als Instrument verwenden.

Auch die Barhocker werden zu Instrumenten
Für langjährige Fans gab es dann auch eine kleine Überraschung: Beim Song “John Kanaka”, den sie früher auf dem MPS mit Plastikbechern(!) gespielt haben, hämmern sie nun auf die Barhocker ein. Die berühmte Bechernummer gab es stattdessen beim nachfolgenden Song – für ein bisschen Abwechslung sind die Jungs schließlich immer zu haben. Nur so ganz einig darüber, wie christlich sie wirklich sein wollen, sind sie sich dann doch nicht: Beim Song “No More Pawn” geht es schließlich um die Erleuchtung aus dem Himmel, auch wenn einige im Publikum den Titel vermutlich mit “No More Porn” missverstehen. Wenn dann bei “Bugger Off” allerdings das Publikum aufgefordert wird, mitten in der Kirche den Mittelfinger nach oben zu strecken und “Fuck You” durch den Saal zu rufen, ist das nicht unbedingt der Schlachtruf, den man in einer evangelischen Kirche erwarten würde. Aber: Fiddler’s Green bringen’s trotzdem – und werden dafür jubelnd gefeiert. Ein Kirchenkonzert kann eben auch locker sein.
Fotos: Rene Daners