Epicentre Festival: Ein Abend voller Synthpop in OberhausenDie beiden Damen am linken und rechten Rand der Bühne, die die Flaggen der Band Accessory schwenken durften, kündigten es bereits an: Trotz des eher softeren Synthpop sollten Accessory aus Chemnitz mit treibenden Beats punkten. Von den größeren Festivals der schwarz-elektronischen Musik sind sie bereits bekannt, insbesondere durch Hits wie “No Man Covers”. Das präsentiert Sänger Dirk Steyer sogar gern selbst, wenn er mit einem T-Shirt des Kielectric Festivals stolz seine Festival-Präsenz zeigt. Gemeinsam mit Synthesizer-Keyboarder Mike Koenigsberger zeigten sie, dass “finest Synthpop” auch als kleines Duo überzeugen kann.

Accessory machten den Auftakt beim Epicentre Festival
Da schloss sich dann mit Vanguard auch das nächste Duo an und machte das kleine Epicentre Festival zugleich auch zu einem internationalen Event. Das “Alternative Electro”-Projekt reiste schließlich extra aus Schweden nach Oberhausen, um dem Publikum des Kulttempels ordentlich einzuheizen. Schon auf dem Mera Luna bewiesen sie im Sommer, dass sie längst eine gewisse Fanbase hinter sich versammelt haben. Und die überzeugt man vor allem damit, dass man elektronische Musik auf echten Instrumenten spielt: Beim Auftritt von Vanguard ist ein E-Schlagzeug nämlich genauso selbstverständlich, wie die melodische Stimme des Sängers.
International sollte es dann auch beim vorletzten Act bleiben: Dank Torul war auch eine slowenische Band auf dem Epicentre Festival zu Gast. Einst war die Band noch bekannt dafür, Songs von The Cure und Tears for Fear neu zu interpretieren. Inzwischen haben sie sich davon emanzipiert und überzeugen längst mit ganz eigenen Kreationen, zu denen nicht zuletzt Songs wie “Saviour of Love” gehören. Das kam nicht zuletzt dadurch zustande, dass Sänger Maj Valerij seit 2016 die Front der Band übernommen hat und mit seiner überaus speziellen, fast schon experimentellen Gesangsstimme begeistert. In Kombination mit ihrem Mix aus IDM, Dark Wave und Electropop entsteht dabei eine Handschrift, die auch auf der Bühne des Kulttempel das Publikum überzeugen kann.

Headliner Solitary Experiments präsentierte ein Best Of ihrer größten Hits
Wenn zu guter Letzt drei Herren in rotem Hemd mit schwarzer Krawatte die Bühne betreten, ist es Zeit für den Headliner des Abends: Solitary Experiments gehören zweifelsohne inzwischen zu den Größen der schwarzen Szene. Doch Moment: Eigentlich sind die Jungs doch zu viert unterwegs? Ende November machte sich die allseits verbreitete Grippewelle auch bei Solitary Experiments bemerkbar, die sodann ohne Schlagzeuger Frank Glaßl auf der Bühne standen. Ganz absagen wollten sie eben nicht und das Schlagzeug kann man notfalls eben auch elektronisch einfügen. Immerhin dreht sich hier so einiges um die beiden Keyboarder und Sänger Dennis Schober. Und wenn die gemeinsam ihr Best Of auf einem Event wie dem Epicentre Festival spielen, ist das schon eine Aneinanderreihung zahlreicher Hits. Ob “Stars”, “Every Now and Then”, oder “Wonderland” – hier gab es kaum einen Song, den ihre Fans nicht schon längst mitsingen können.
Fotos: Rene Daners