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  • Echoes of Rebellion: Das familiäre Event der schwarzen Szene in Köln
    19. August 2026 | 19:36

    Wenn Ende Juli immer das Wochenende des Amphi Festivals anstand, war es für viele langjährige Besucher bereits Tradition, den Freitag vorab bei dem familiären Event Echoes of Rebellion zu verbringen. Dort widmet man sich eher den kleineren Bands der schwarzen Szene aus den Genres des Post-Punk, Dark Wave und Synthpop. Als Auftakt zum Festival-Wochenende fand es in diesem Jahr am 24. Juli 2026 aber zum letzten Mal statt, denn der Termin wird zukünftig umziehen. Vorab starteten die Veranstalter Aileen und Jean-Pierre auf Social Media eine Umfrage, warum viele das Event nicht besuchen. Die Antworten waren klar: Am Freitag vor dem Amphi besuchen viele entweder bereits das Amphi-Pre-Event “Call the ship to port” oder es ist den Menschen einfach zu viel, das Wochenende um einen weiteren Tag zu verlängern. Die Szene wird ja bekanntlich auch nicht jünger. Mit überschaubaren Besucherzahlen wurde das Echoes of Rebellion aber natürlich trotzdem durchgezogen – und findet im kommenden Jahr dann am 22. Mai 2027 wieder statt, also eine Woche nach dem für die schwarze Szene so wichtigen WGT in Leipzig.

    2DCAT bei Echoes of Rebellion
    Europapremiere bei Echoes of Rebellion: 2DCAT kamen aus Washington nach Köln

    Wer das Echoes of Rebellion in diesem Jahr ausgelassen hat, der hat aber trotzdem so einiges verpasst. In der Szene gibt es schließlich immer wieder Beschwerden darüber, dass die großen kommerziellen Festivals stets das gleiche Line Up in Rotation buchen. Genau an diese Stelle tritt Echoes of Rebellion, denn das kleine Event im Club Volta in Köln bietet genau die kleinen, aber hochwertig kuratierten Bands, die auf den großen Bühnen selten einen Platz erhalten. Fans des Dark Wave und Synthpop werden also genauso eingeladen, wie all jene Angehörigen der schwarzen Szene, die auch einfach mal etwas Neues entdecken möchten. Genau dafür hat das Echoes of Rebellion nämlich die richtigen neuen Bands am Start – und sogar so manche Europapremiere.

    Schon der Opener bewies schnell, was man selbst als Ein-Mann-Band so alles auf die Beine stellen kann. Klaus Gratzel aus Essen nennt sich Rotoskop und macht einen Mix aus Dark Wave und Synthpop, mal rockig, mal melancholisch. Alles was er dafür braucht: Laptop, Synthesizer, Gitarre und ein Mikrofon – und alles spielt er natürlich selbst. Mit seiner angenehm tiefen Stimme kann er sogar so manchen tiefgründigen Song. “Back in Time” etwa handelt davon, dass sich die Gesellschaft zurückentwickelt und seine Progressivität verliert. Bei einem Song weist er sogar auf die Problematik zahlreicher Femizide hin – und erntet dafür reichlich Applaus vom Publikum. So bedeutsam wie das alles ist, gibt es zwischendurch sogar etwas Verstärkung: Gaia Freigeist von System Noire unterstützt Rotoskop kurzerhand mit einer zusätzlichen Gitarre. Und der ist in der Szene ohnehin kein Unbekannter, vernetzt er sich doch gerne etwa mit den Besuchern des Gothic-Treffen Mülheim an der Ruhr am Schloss Broich. Von der Szene für die Szene – deutlicher geht das an dieser Stelle nicht.

    Train to Spain bei Echoes of Rebellion
    Tanzbarer Synthpop aus Schweden: Der “Train to Spain” machte auch in Köln Halt

    Dass sich das Echoes of Rebellion vor allem auch für jene lohnt, die neue unbekannte Bands entdecken wollten, wurde dann beim zweiten Act deutlich. Denn obwohl das Event im Club Volta doch recht klein ist, schaffen es die beiden Veranstalter, sogar eine Europapremiere nach Köln zu holen. Das Dark Synthpop Duo 2DCAT reiste extra aus Washington, USA nach Deutschland, um ihre soften elektronischen Beats mit der sanften Stimme von Sängerin Haezl zu präsentieren. Und wenn man sich die Mühe gibt, in den USA sogar ein Altbier zu brauen, darf ein Düsseldorfer Alt als Geschenk des Veranstalters natürlich auch nicht fehlen – auch wenn manche das in Köln womöglich als unverzeihbare Blasphemie betrachten möchten. Das Duo hatte jedenfalls sichtliche Spielfreude, zum ersten Mal auf europäischem Boden ihre Songs zu präsentieren.

    Ähnlich mitreißend und Synthpop-lastig blieb es dann auch beim nächsten Act, als der schwedische Train to Spain dann auch mal einen Zwischenstopp in Köln einlegen durfte. Die ebenfalls als Duo auftretende Band gehörte eindeutig zu den tanzbarsten Acts des Abends und sorgte damit schnell für Begeisterung beim Publikum des Echoes of Rebellion. Ihren Synthpop kombinieren sie schließlich mit etwas moderneren elektronischen Elementen und auch hier kann die Stimme von Helena Wigeborn bestens mitreißen. Trotz ihrer Herkunft aus Schweden, sind sie in Deutschland inzwischen doch so beheimatet, dass sie die ein oder andere Ansage auch mal auf deutsch machen.

    Devision Redux bei Echoes of Rebellion
    Headliner Devision Redux: So nah kommt man den Bands nur auf kleineren Events

    Mit dem dritten Künstler bekam dann letztendlich sogar ein echter Lokalmatador die Bühne, womit das Echoes of Rebellion dann auch ein wenig lokale Kulturförderung betreibt. Unter Kennern wird Hinfort immerhin schon seit einiger Zeit als eine Art Geheimtipp gehandelt, tingelt er doch von einem kleineren Szenefestival zum anderen und begeistert dort das Publikum. Warum das so ist, wird schnell klar: Mit seinem Dark Wave und Post-Punk richtet er sich musikalisch speziell an den “harten Kern” der Szene, die solche Genres bei jüngeren Künstlern zwischen Electro und NDH doch eine ganze Weile vermisst haben. Mit Hinfort steht da immerhin ein jüngerer Künstler aus Köln auf der Bühne, dessen Stimme und Musik ein wenig Ähnlichkeit mit der spanischen Band “Darkways” aufweist – den Sound allerdings als Ein-Mann-Projekt auf die Beine stellt. Hier zeigt das kleine Event immer wieder, welche musikalischen Qualitäten auch Einzelkünstler unter Beweis stellen können.

    Am Ende als Headliner dann immerhin eine Band, die durchaus ein wenig Publikum zieht: Devision Redux ist schließlich das Nebenprojekt der beliebten Synthpop-Band De/Vision – nur, dass sie ihre Sounds hier deutlich elektronischer und tanzbarer spielen. Dass das Publikum vor allem in den ersten Reihen ganz schön zu dem Sound abging und keine Füße still standen, verwundert da eher wenig. Spätestens mit Songs wie “Synchronize” haben sie ihre Fans dann sowieso schnell endgültig gepackt. Im nächsten Jahr erwartet die Besucher dann vergleichbares: Am neuen Datum, dem 22. Mai 2027 gibt es dann aber sogar erstmals 6 Bands zum günstigen Preis von unter 50 Euro. Vielleicht bleiben an so einem Samstag ohne Festival-Wochenende dann sogar ein paar Besucher mehr zur anschließenden Rebel Moon Party, die grundsätzlich im Preis inbegriffen ist. Tickets gibt es bald unter echoes-of-rebellion.de

    Fotos: Rene Daners