Austra in Köln: Kanadischer Synthpop trifft klassische Gesangsausbildung
Eigentlich ist Austra nach dem Ausstieg von Dorian Wolf und Maya Postepski inzwischen ein Eine-Frau-Projekt. Katie Stelmanis, ihr Keyboard und ihre Stimme – das reicht der Sängerin für gewöhnlich aus, um ihren einfühlsamen Sound auf die Bühne zu bringen. Nicht aber an diesem Abend: Mit neuer Bassistin und neuem Schlagzeuger hatte sie sich schlagkräftige Verstärkung mitgebracht. Bei ihrer Rückkehr in den Club Bahnhof Ehrenfeld, in dem sie vor einigen Jahren schon einmal spielte, sollte schließlich alles live sein. Immerhin kam sie auch, um ihr neuestes Album “Chin Up Buttercup” zu präsentieren, aus dem sie einige Songs performte – das es aber auch als Vinyl samt Autogramm am Merchandising-Stand gab.
Fans hat sie in Köln jedenfalls schon zahlreich gefunden. Dem Mittwoch geschuldet zwar nicht ganz ausverkauft, spielte sie aber dennoch vor einer recht gut gefüllten Halle, die zunächst Laura Groves als Support aufwärmen durfte. Die Zielgruppe dabei überraschend gemischt: Beim Konzert von Austra findet sich von Generation Z bis zu 70-jährigen Rentnern praktisch jede Altersklasse. Der Synthpop scheint so ziemlich jedem zu gefallen. Während Synthpop normalerweise in der schwarzen Szene ihre Anhänger findet, die Austra – zumindest bisher – noch nicht so sehr auf dem Schirm haben, hat sich die Sängerin im Mainstream längst einen Namen gemacht. Vielleicht sehen wir sie ja eines Tages auch auf dem Amphi Festival in der gleichen Stadt?

Ihre Fanbase hat jedenfalls schon klare Favoriten auf der Setlist. Der Song “Future Politics” vom gleichnamigen Album gehört sicherlich zu den bekanntesten Songs der Kanadierin. Mal ruhig wie in einer soften Synthpop-Ballade, mal mit schnellerem tanzbaren Tempo spielte Austra einen abwechslungsreichen, gelungenen Mix, der zu keinem Zeitpunkt langweilig wurde. Mit “Beat and the Pulse” wurde es etwas tanzbarer, während “Utopia” und vor allem “Lose it” zu den gesanglichen Meisterstücken von Stelmanis gehören. Letzteren Refrain versuchen Fans auch spaßeshalber immer mal wieder nachzusingen – mit mehr oder weniger Erfolg, denn die Höhen sind ganz schön schwer. Dass Austra nach über einer Stunde dann auch noch für ein paar Zugaben bleiben musste, versteht sich an der Stelle natürlich von selbst. Aber klar ist: Austra werden einige der Besucher wiedersehen.
Fotos: Rene Daners