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  • Betontod und Rogers in Köln: Gute-Laune-Punk im Doppelpack
    30. Oktober 2026 | 00:03

    Wenn das Konzert einer Band in eine kleinere Halle verlegt wird, ist das für die Künstler und den Veranstalter zwar (finanziell) ärgerlich, für die Stimmung muss das aber keineswegs eine Verschlechterung sein. Gerade dann, wenn es um feinsten Punk-Rock geht, trägt es zur Atmosphäre im Pogo doch einiges bei, wenn die Besucher und Fans einfach ein bisschen näher an der Band sind. Und so wurde also am 23. Oktober 2026 das Konzert von Betontod aus dem großen Palladium in die Stadthalle Köln verlegt. Für Begeisterung dürfte das schnell gesorgt haben: So mancher, der bisher nur das Palladium kannte, war doch beeindruckt wie schick diese Halle mit Laminatboden, hochwertiger Deckenbeleuchtung und edlen Vorhängen an den Wänden ist. Fast schon ein bisschen zu nobel für den Punk, das sind die Fans des Genres von den üblichen Punkschuppen gar nicht gewohnt.

    Aber da passt es doch gut, dass als Support erst einmal eine Punk-Band aus der “Schickimicki-Stadt” Düsseldorf auf die Bühne durfte. Auch wenn sich da so mancher Düsseldorfer wohl skeptisch fragen würde: Darf Düsseldorfer Punk eigentlich in Köln spielen? Der Vorband Rogers jedenfalls war das ziemlich egal, zumal sie als Support-Act auch auf ihre eigenen baldigen Termine in der Heimatstadt aufmerksam machen wollten. Mit eingängigem Punk-Sound begeisterten sie jedenfalls so schnell, dass selbst die Düsseldorfer ihnen diesen kleinen “Ausflug” eindeutig verziehen dürften. Fast schon in der Tradition der Toten Hosen bewiesen sie eine ausgesprochen hohe Energie, ordentliches Gesangstalent und Songs, die im Gedächtnis bleiben. Wer Rogers noch nicht kannte, ist nach diesem Auftritt vermutlich bereits Fan geworden.

    Rogers @ Stadthalle Köln
    Düsseldorfer Punk in Köln: Rogers heizen als Support das Publikum ein

    Die meisten allerdings sind sicherlich für den Haupt-Act Betontod gekommen. Wenn Frontmann Oliver Meister dabei die Bühne betritt, mag das mit seinen schätzungsweise bestimmt schon über 50 Jahren doch ziemlich irritieren. Irgendwie erwartet man bei der Band, die man schon vor 20 – 30 Jahren in der Jugend hörte doch irgendwie, dass sie nie älter wird, schließlich ist der jugendliche Sound seit damals geblieben. Und selbst behaupten sie doch immer wieder, er wäre gerade einmal so alt, wie die Band selbst. Flink jedenfalls ist er immer noch: Auch nach über 35-jährigem rocken Betontod die Bühne, als wären sie jugendliche Punk-Rocker, die keinen Tag älter geworden sind.

    Aber es bleibt ja auch keine andere Wahl, denn sie müssen eben immer noch durchhalten wie mit Anfang 30. Einige der Songs handeln schließlich von der Liebe zum Bier und wenn genau diese Hits zu den größten Ohrwürmern des Konzerts gehören, darf man natürlich auf keinen Fall schlapp machen. Dazu gehört etwa auch der Song “Hömmasamma (wommanomma Bier trinken gehen)”, dessen zungenbrecherischer Text vermutlich nur im Ruhrgebiet so richtig Sinn ergibt. Der Song aber hat so viel Ohrwurmpotential, dass er garantiert noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleibt. Und wenn nicht dieser, wird es spätestens “Wir müssen aufhören, weniger zu trinken” sein, den die Fans mitunter noch auf der Heimfahrt nach dem Konzert weiter singen, während sie das Motto mit einem Wegbier natürlich sehr ernst nehmen.

    Betontod @ Stadthalle Köln
    Betontod: Frontmann Oliver Meister voll in seinem Element

    Obwohl auf einem Konzert von Betontod üblicherweise ziemlich viel getrunken wird, ist es aber immer noch ein Punk-Konzert und die Fans bleiben dementsprechend friedlich und rücksichtsvoll. Das sorgt zugleich dafür, dass viele Besucher, die Betontod bereits vor 30 Jahren gehört haben, inzwischen ihre Kinder mitbringen. In der ersten Reihe hinter dem Bühnengraben versammelten sich daher zahlreiche Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, die den Punkrock-Sound genauso feiern, wie ihre Eltern. Um den Nachwuchs müssen sich Betontod also wahrlich keine Sorgen mehr machen, denn der ist mehr als gesichert.

    Und wenn sich die Kids auch an das Motto halten, das ihre Eltern pflegen, muss die Band wohl auch noch im Rentenalter auf der Bühne stehen. Da heißt es nämlich “Viva Punk – ein Leben lang”, während zum gleichnamigen Song reichlich Flaggen im Publikum geschwenkt werden. Natürlich auch die ein oder andere mit politischen Statements oder einer Regenbogenflagge, das gehört im Punk, der traditionell links ist, natürlich mit dazu. Insgesamt hielten sich Betontod mit politischen Äußerungen aber trotzdem zurück. Lediglich eine Ansage an das Menschsein ließ man sich nicht nehmen, schließlich sei Herkunft, Sexualität und andere Dinge egal – solange das Gegenüber einfach kein Arschloch ist. Und da kann doch niemand widersprechen, oder?

    Betontod @ Stadthalle Köln
    Betontod: Adam Krauschy und Mario Schmelz sorgen für die punkigen Gitarrenriffs

    Nach ein paar kleinen ernsthaften Momenten, durfte es aber auch schnell wieder spaßig werden. Immerhin trafen sie bei einem Besuch einer Kneipe in Andernach offenbar auch eine Männergruppe, die mit besonderem a capalla-Gesang auffiel. Und schnell war klar: Die müssen unbedingt mit auf ein Konzert. Und so kommt es auch mal, dass da schätzungsweise über 30 Männer der “Missemer Turmspatzen” auf der Bühne stehen, um gemeinsam mit Betontod ein paar Lieder zu singen. Nur eine von wenigen Besonderheiten, die Betontod während ihres Auftritts präsentierten.

    In der zweiten Hälfte gab es dann sogar noch eine kleine Erinnerung an Schauspieler Ralf Richter. Erst im September ist dieser im Alter von nur 69 Jahren viel zu früh verstorben. Im Jahre 2017 erhielt er eine Gastrolle im Musikvideo zur Single “Ich nehme dich mit”. Dass man diesen Song auf der Setlist natürlich Ralf Richter widmen muss, mit dem die Band offenbar befreundet war, versteht sich von selbst. Und neben all den spaßigen Punk-Songs über Bier sah man Oliver Meister dann auch erstmals sichtlich gerührt. Konzerte von Betontod sind meistens Gute-Laune-Abende – aber manchmal geht es eben auch emotional.

    Fotos: Rene Daners