The Hu: Mongolische Metalband begeistert in Köln mit KehlkopfgesangZunächst nämlich heizte die französische Pagan-Folk-Band Skáld das Publikum gewaltig ein und entführte die Fans in eine Welt der nordischen Mythologie. Musikalisch irgendwo angesiedelt zwischen bekannten Bands wie Heilung und Wardruna, glich der Auftritt beinahe einem schamanischen Ritual – auch wenn es die Band nicht ganz so sehr damit übertreibt, das Publikum einzuräuchern. Ein bisschen weniger mythische Rituale als bei Heilung, dafür ein umso eindringlicher Sound: Wenn da zum Gesang der Skalden auf die Trommeln in der Mitte der Bühne eingehämmert wird, geht das in der ganzen Halle durch Mark und Bein. Der rhythmische Pagan-Folk macht ziemlich gute Laune und dürfte einige neue Fans gewonnen haben. Schließlich passt solcher Sound perfekt als Support für eine Band, die selbst schon eine Offenheit für Klangexperimente erfordert.

Den Hauptact The Hu sollte man jedenfalls nicht mit der ähnlich klingenden Band The Who verwechseln, zumal sie doch völlig anders klingen. Die Mongolen selbst bezeichnen ihre Musik als “Hunnu Rock”, weil sie traditionelle mongolische Musikinstrumente mit Heavy Metal kombinieren. So stehen sie also mit ihrem klassischen mongolischen Outfit und ihren traditionellen Pferdekopfgeigen auf der Bühne – und der Sound klingt trotzdem, als würde man hier waschechten, harten Metal zu hören bekommen. Dazu gibt es mongolischen Kehlkopfgesang, der in dieser Kombination zusätzlich faszinierend wirkt, obwohl es im Publikum vermutlich niemanden gibt, der da auch nur ein Wort versteht. Der Sound und die Songs, die The Hu hier auf der Bühne abliefern, dürften jedenfalls ein einzigartiges Erlebnis sein, das es so kein zweites Mal gibt.
Dass The Hu damit fast schon als eine Art Weltkulturerbe durchgehen, dürfte wegen ihrer Besonderheit kaum verwundern. Erst vor vier Jahren erhielten sie von der UNESCO sogar die Auszeichnung “Artist for Peace”, da sie mit ihrer Musik auch zur kulturellen Verständigung beitragen. Auf politische Statements verzichtet die Band aber dennoch, stattdessen gibt es “Pump up the volume for peace” als allgemeinen Schlachtruf für den Frieden. Die kriegerische Ästhetik ihrer Vorfahren für die Völkerverständigung zu nutzen, liegt den Mongolen schließlich besonders am Herzen – erst recht, wenn sie auf anderen Kontinenten auf Tour sind.

Die Band wiederum als Headliner für Gothic-Festivals im nächsten Jahr zu buchen, stellte sich vor Ort dann auch als richtig heraus. Gerade in den vorderen Reihen sah man doch immer wieder einschlägige T-Shirts und Hoodies typischer Bands der schwarzen Szene – eine gewisse Offenheit gegenüber solch experimenteller Musik scheint also vorhanden zu sein. Generell kam ein Mix aus Metalheads, Goths, Mittelalterfans und Rock-Fans in das Palladium Köln, um die außergewöhnliche mongolische Band endlich einmal live zu sehen. Auch das ein perfektes Beispiel dafür, wie “The Hu” auch zur Verständigung zwischen den verschiedenen Musikszenen beiträgt.
Fotos: Rene Daners