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  • Nevermore und Savatage rocken den Kunstrasen Bonn
    17. August 2026 | 18:56

    Beim Kunstrasen Bonn gibt es zahlreiche große Bands und Künstler. Viele davon aus dem Mainstream von Roland Kaiser bis Amy MacDonald. Dass es im Front of Stage-Bereich dann doch ganz anders aussieht, wenn plötzlich ein Metal-Doppelgespann die Bühne betritt, sollte klar sein. Kutten voller Patches reihen sich aneinander, dazwischen viele in schwarz, sogar ein paar Goths. Donnerstag, der 13. August 2026 stand ganz im Zeichen der harten Gitarrenriffs. Und irgendwie wusste man an diesem Abend gar nicht so recht, wer hier eigentlich Support und wer Hauptact sein sollte. Nevermore feiern schließlich ihr Comeback seit 2024 und standen schon länger nicht mehr auf einer Bühne in NRW.

    Savatage beim Kunstrasen Bonn

    Gefeiert wurde die US-amerikanische Metalband um Berzan Önen aber genauso wie der eigentliche Headliner. Da wurde geheadbangt, die “Pommesgabeln” flogen in die Luft und viele Fans machten hier den Eindruck, als würde sie die Band schon seit Jahrzehnten musikalisch begleiten – und wahrscheinlich trifft das auch zu. Der Applaus gebührt ihnen zurecht: Mit der tiefen, markanten Stimme von Berzan Önen können sich die Metaller bestens sehen lassen. Es scheint, als hätten sie nach dem Tod von Warrel Dane im Jahre 2017 nichts von ihrer Energie verloren und endlich wieder Lust durchzustarten. Und zugleich dürfen wir etwas beobachten, was auf dem Kunstrasen Bonn doch eine Seltenheit ist: Der erste Crowdsurfer gleitet zur Bühne vor, um dort von den Security wieder aufgefangen zu werden. Bei den sonstigen Pop-Konzerten sieht man das doch eher weniger.

    Und danach: Eine wahre “Metal-Oper” einer 80er Metal Legende. Ganze 100 Minuten sollten Savatage anschließend als Headliner das Publikum einheizen und hatten damit leichtes Spiel. Im Grunde wäre es fast egal, ob Zachary Stevens als Sänger da wirklich auf der Bühne steht. Schon instrumental ziehen die epochalen Gitarren-Riffs das Publikum in ihren Bann. Die Musical-Einflüsse der Heavy Metal-Band, die inzwischen seit 47 Jahren auf der Bühne steht, sind kaum zu überhören. Beeindruckend, welche Komplexität die beiden Gitarristen hier abliefern, die gleichzeitig ein bisschen nostalgisch nach 80ern klingen, aber doch die nötige Härte haben, um auch jüngere Metalheads noch immer zu begeistern.

    Savatage beim Kunstrasen Bonn

    Und dann taucht plötzlich der “Mountain King” Jon Oliva persönlich zumindest auf der Leinwand auf. Mit einem Videogruß spielt er den Hit “Believe” an, um so zumindest eine Art Duett mit Zachary Stevens spielen zu können. Zugegeben: An der Stelle wird ein bisschen deutlich, dass Stevens seinem großen Vorgänger gesanglich nicht ganz das Wasser reichen kann, aber die “freundschaftliche Übernahme” wird so deutlich, dass die Fans auch den aktuellen Sänger in ihr Herz schließen. Und schlecht ist das ja keineswegs: Zachary hat Kraft, seine Stimme ist durchaus definiert und eindrucksvoll. Und letztendlich auch eine würdige Fortsetzung von Olivas Vermächtnis. Gute Musik muss eben weiterleben und das machen sie auch mit einer Zeitreise durch die Geschichte der Band. Von “This is the Time” bis “Handful of Rain” ist da alles dabei, was das Fanherz begehrt.

    Am Ende gab es dann nur noch “Hall of the Mountain King” als Zugabe. Das reicht auch, denn der Song ist schlicht und ergreifend das Aushängeschild der Band. Wie eine Abschlusshymne, die dafür sorgt, dass die Fans hier mit einem wohligen und zufriedenen Gefühl nach Hause gehen, wenn pünktlich vor 22 Uhr das Konzert ein Ende gefunden haben muss. Genau dieser Song war auch ausschlaggebend für den Mix aus Metal, klassischer Musik und Musical-Sounds, die den Sound der Band später prägen sollten. Besser kann man einen solchen Konzert-Abend bei heißen 36 Grad, die niemanden vom Headbangen abhielten, nicht abschließen.

    Savatage beim Kunstrasen Bonn

    Fotos: Rene Daners