Kunstrasen Bonn: Eine Zeitreise in die 80er mit OMDDas Publikum aus Bonn hatte an diesem Abend ziemlich große Lust, nochmal auf eine nostalgische Reise durch die Zeit zu gehen. Egal, wie lange es auch her ist, dass man ihre Hits zum letzten Mal im Radio gehört hat: Mitsingen kann man sie noch immer. Und das gilt teils sogar für die jüngere Generation, die hier und da gemeinsam mit den Eltern zum Konzert kamen. Schon in der ersten Hälfte der Setlist ließen es sich die Besucher nicht nehmen, beim großen Hit “Maid of Orleons” melancholisch mitzusingen. Der Text sitzt, die Emotionen funktionieren immer noch und die Einzigartigkeit der OMD-Songs wird einmal mehr deutlich.

OMD bei einem früheren Auftritt / Foto: Rene Daners
Unterdessen hatte Sänger Andy McCluskey ein bisschen mit den Temperaturen zu kämpfen. Mit seinen 67 Jahren kam er bei heißen 37 Grad auf der Bühne doch gewaltig ins Schwitzen und brauchte zwischendurch auch mal eine Pause. “Es ist Schlafenszeit für mich” scherzte er doch hin und wieder nach einem Song. Etwas luftigere Kleidung hätte man der Band, die da immer noch in schwarzer Jeans und langärmigem Hemd auf der Bühne steht, sicherlich verziehen. Und bei einem Open Air-Konzert war doch etwas mehr Interaktion mit dem Publikum in der vordersten Reihe nötig, um die visuellen Schwächen ein wenig zu kaschieren. Konzerte von OMD leben Indoor bekanntlich auch davon, den Sound in ein visuelles Leinwand-Konzept einzubinden, das bei Tageslicht nicht ganz so intensiv wirkt.
Das wird auch deutlich, wenn sie eine Hommage an ihre Idole von Kraftwerk spielen – und damit auch ein Experiment vor dem etwas älteren Publikum wagen: “Veruschka” stammt von dem neuesten Album “Bauhaus Staircase”, bei dem die Band dann doch mal schauen wollte, ob auch die neueren Songs bei den Fans noch ankommen. Dafür reihte sich das Quartett auch nach dem Vorbild Kraftwerk nebeneinander auf der Bühne auf, um sich visuell anzulehnen. Der Text sitzt bei dem Song zwar noch nicht ganz so gut, gefallen hat es dem Publikum aber offenbar trotzdem.
Über den ganz großen Hit “Enola Gay”, den sich OMD bis zum Schluss aufbewahren, braucht man wahrscheinlich gar nicht reden. Der Song, der einst als Antikriegslied gedacht war, ist mit seiner einzigartigen und zeitlosen Synthesizer-Melodie immer noch so mitreißend, dass die Füße einfach nicht still stehen können. Für die drei Songs in der Zugabe hatten sich Andy McCluskey und Paul Humphreys dann auch noch etwas Besonders ausgedacht. “Walking on the Milky Way” ist bekanntlich ein Garant dafür, nochmal das Tanzbein zu schwingen. Und die Debüt-Single “Electricity” aus dem Jahre 1979 ist dann doch der perfekte Konzertabschluss, der einerseits etwas ruhiger daher kommt, andererseits aber auch die vielfältige Musikgeschichte der Band noch einmal verdeutlicht. Beeindruckend, was OMD in fast 50 Jahren auf die Beine gestellt haben.