Kunstrasen Bonn: Marillion überzeugen – aber ohne Kayleigh
Nicht wenige der rund 3500 Besucher werden am 5. Juli 2026 zum ersten Mal auf einem Marillion-Konzert gewesen sein und sich bis zur Zugabe besonders auf diesen Song gefreut haben. Das Problem nur: Marillion haben “Kayleigh” einfach nicht gespielt. Auch nicht in der Zugabe, nicht einmal als Gag und schon gar nicht als abgewandelte Version. Steve Hogarth spielt lieber die neueren Songs, die mit ihm als Frontmann entstanden sind, bei dem Konzert und stößt damit vielleicht dem ein oder anderen vor den Kopf. Hat man sich darauf eingelassen, bekam man aber durchaus anspruchsvollen, eher softeren Progressive Rock, der insbesondere auch Instrumental überzeugen konnte. Da sticht vor allem Gitarrist Steve Rothery als einziges verbliebenes Gründungsmitglied hervor, dessen technisch mehr als einwandfreie Talente an der Gitarre schon fast ein bisschen an Bonamassa erinnern.
Steve Hogarth wiederum wirkt sympathisch zurückhaltend, gestikuliert während seiner Songs immer wieder mit den Armen. Ganz so, als würde er seine Musik auch heute noch regelrecht fühlen, ohne aber bei der eher ruhigen Show auf der Bühne zu übertreiben. Marillion liefern eben kein Metalkonzert, sondern immer noch typischen “Kuschelrock”, wie man früher gesagt hätte. Ein Moment wirkte dennoch merkwürdig: Hogarth wollte offenbar links von der Bühne herabklettern, um seine Fans im Bühnengraben zu besuchen. Nachdem sich dort allerdings gar keine Treppe fand, schien es zunächst, als sei er – zum Glück unverletzt – tatsächlich von Bühne heruntergefallen. Was da genau los war, weiß er vermutlich nur selbst, sorgte jedoch für eine verstärkt aufmerksame Security, wenn er sich dem Rand der Bühne näherte. Das Publikum hat das jedenfalls nicht weiter gestört, sondern stattdessen insbesondere Songs wie das Tour-Debüt “Go!” ziemlich gefeiert.

Fotos: Rene Daners