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  • Flexx: Fans der experimentellen elektronischen Musik trotzen der Hitze
    12. Juli 2026 | 22:02

    Manchmal muss ein Veranstalter einfach mutig sein, denn einfach hatte es die neue Veranstaltungsreihe FLEXX im Kulttempel Oberhausen nicht. Das Event setzte dort am 26. Juni 2026 nicht nur auf kleinere Künstler mit experimentellen Sounds, mit denen es eine Veranstaltung ohnehin schon etwas schwieriger hat, Publikum anzulocken. Gleichzeitig mussten die Besucher auch noch gegen die 39 Grad heiße Hitzewelle außerhalb des Gebäudes ankämpfen – was sicher auch einige Besucher von einem Erscheinen abgehalten hat. Diejenigen, die trotzdem gekommen sind, wurden jedoch mit allen Maßnahmen belohnt, die man gegen Hitze auffahren kann: Kulttempel-Inhaber Peter Jurjahn hatte sogar riesige Industrieventilatoren aufgestellt, um für Abkühlung vor der Bühne zu sorgen – denn seine Gäste sind nach eigenen Worten schließlich “die besten Gäste der Welt”.

    Für die Künstler stand dabei natürlich eine besondere Herausforderung an: Sie mussten trotz den Temperaturen auf der Bühne performen und kamen dabei gewaltig ins Schwitzen. Das machte sich vor allem beim Opener Aktion: Fiasko bemerkbar. Mit einem spannenden Mix, der wie eine Mischung aus “Grausame Töchter”, Punk und einem Hauch EBM klingt, gab Sängerin Franzi auf der Bühne natürlich Vollgas und stelle mit ihrer “Berliner Schnauze” fest, dass es in der Heimatstadt gar nicht so heiß gewesen sei, wie im Ruhrgebiet. Dem Publikum war unterdessen offenbar dank des Ventilators wohl nicht zu heiß, denn bereits bei diesem Act wurde ausgiebig getanzt und kein Bein stand still.

    Aktion: Fiasko bei Flexx
    Aktion Fiasko: Sängerin Franzi überzeugt mit “Berliner Schnauze”, Punk-Attitüde und EBM-Touch

    Das war natürlich auch beim zweiten Act Nin Kuji nicht anders, auch wenn hier vor allem die Fans der härteren elektronischen Klänge mehr auf ihre Kosten kommen. Mit Noise und IDM sorgte dieser für einen Sound, wie man ihn sonst auch bei den Events des Plattenlabels Hands kennt. Da reicht es auch mal aus, wenn Nin Kuji einfach hinter seinem riesigen Pult steht. und bei der Hitze darf das auch mal oberkörperfrei und barfuß sein, sollte ja niemand umkippen. Dass das Publikum den Sound des Künstlers, der ein bisschen aussieht wie ein japanischer Ninja lieben, ließ sich dann nicht übersehen.

    Umso interessanter dann, dass man Noise offenbar auch mit analogen statt elektronischen Instrumenten spielen kann. Bei Architect gehört die Trommel natürlich mit auf das Pult, um für musikalische Abwechslung bei seinem Set zu sorgen. Weniger hart und tanzbar war das deswegen nicht, analoge Instrumente hatten am Ende aber durchaus seine Vorteile: Mag der Laptop wegen Überhitzung nämlich erst einmal den Betrieb verweigern, ist es doch ganz praktisch, noch ein paar andere Möglichkeiten zu haben. Bei Flexx konnten seine Fans daher vermutlich ein einzigartiges, improvisiertes Set zum Ende seines Auftritts erleben.

    Motor!k bei Flexx
    Rockmusik geht auch ohne Sänger: Die belgische Krautrock-Band Motor!k wagt das instrumentale Experiment

    Mit einem Mix aus Techno, IDM und Industrial nahm der vierte Act dann die schwarze Szene besonders ernst, denn er hatte sie schließlich schon im Namen. Bei Blac Kolor sollte wohl klar sein, dass es eher düstere-elektronisch zur Sache geht. Der Leipziger Hendrick Grothe heizte dem Publikum jedenfalls ordentlich ein und dürfte die Temperatur im Raum wohl eher noch weiter erhöht haben. Aber macht ja nichts: Das Bier, das an diesem Abend wegen der Hitze überwiegend alkoholfrei über die Theke ging, stand schließlich kalt genug, um auch diese Tanzeinlagen auszuhalten.

    Die spannendste Band war dann wohl zugleich auch der Headliner. Motor!k wollten an diesem Abend nämlich beweisen, dass man für gute Rockmusik keinesfalls einen Sänger braucht. Das belgische Krautrock-Trio ist nämlich komplett instrumental unterwegs und schafft es, damit ein komplettes Konzert-Set zu spielen. Interessant dabei: Auch ganz ohne Gesang wird das zu keinem Zeitpunkt jemals langweilig. Ein aufregendes Experiment, bei dem auch die Veranstalter neugierig waren, ob das Konzept beim Publikum so funktioniert. Klar ist: Das hat es. Und damit darf man sich beim nächsten Event sicher auch über steigende Besucherzahlen freuen.

    Fotos: Rene Daners