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  • Unzucht in Düsseldorf: Timm Hindorff beweist sich als neuer Sänger
    14. Juni 2026 | 16:44

    Ob große Main Stage oder kleine kultige Punk-Location: So ganz weiß man noch nicht, wo sich Unzucht in ihrer neuesten Konstellation aktuell positionieren. Erst spielten sie am 15. Mai 2026 die Releaseshow zu ihrem neuesten Album “Neon Dom” im kleinen Düsseldorfer Ratinger Hof vor rund 200 Besuchern, kaum eine Woche später darf es schon die Main Stage in der Agra des Wave-Gotik-Treffen in Leipzig sein. Grund für diese Unsicherheiten: Unzucht sind inzwischen mit einem neuen Sänger unterwegs, nachdem Daniel Schulz im Jahre 2023 zum neuen Frontmann von Oomph! wurde. Ein Jahr später fanden sie in Timm Hindorff ihre neue Stimme und der feiert inzwischen auch das zweijährige Bandjubiläum.

    Ein bisschen neu orientieren mussten sie sich dann aber doch noch und so wagen sie sich in der neuen Besetzung nun erst einmal an die kleineren Locations, in der sie austesten, wie das alles bei den langjährigen Fans eigentlich ankommt. In der Folge auch die erste gemeinsame Tour: In Düsseldorf die erste ganz kleine Releaseshow zum neuen Album, ab Herbst 2026 dann die erste richtige Tour in zumindest etwas größeren Hallen. Die Skepsis bei manchen Fans also groß, denn viele hörten Sänger Timm Hindorff an diesem Abend zum ersten Mal. Sympathie gewannen sie aber schnell, denn das Zusammenspiel der Bandmitglieder wirkt extrem freundschaftlich. Unzucht wirken wie eine Familie, die endlich zusammengefunden hat.

    Unzucht im Ratinger Hof Düsseldorf
    Sänger Timm Hindorff beherrscht auch Growling

    Zwei bis drei Songs reichen da auch, um die Skepsis der Fans nach und nach zu beseitigen. Denn schnell wird klar: Timm als neuer Sänger, das funktioniert. Manche Besucher fanden sogar, das klinge besser als zuvor: Timm Hindorff gelingt es nämlich, stimmlich weitaus vielfältiger zu sein, als einst “Der Schulz”. Die höhere Gesangslage, die den Dark Rock von Unzucht einst prägte, beherrscht Hindorff fast genauso, als stünde hier der Originalsänger auf der Bühne. Was er aber auch kann: Richtig tiefe, böse klingende Parts. Geht es ums Growling, das so manchen Unzucht-Song deutlich dynamischer erscheinen lässt, läuft Timm Hindorff seinem Vorgänger den Rang ab. Hindorff liefert hier die tiefe Kraft in seiner Stimme, die Oomph! in der neuen Besetzung nun fehlt.

    Und dann gibt es da ja auch noch Daniel De Clercq, der Gitarrist und irgendwie auch “Sidekick” der Band. Vor einigen Jahren gab es noch Spekulationen, ob er wohl die Front der Band übernehmen würde. Gekommen ist es dann anders, sein Gesangspart inzwischen aber deutlich größer. Timm Hindorff gibt seinem Kollegen De Clercq jenen Raum, den er mit seinem Gesangstalent verdient hat. Durfte er damals seine Stimme allenfalls beim Song “Nein” beitragen, nutzen Unzucht die Wucht des Duetts inzwischen wesentlich häufiger. Und sogar Solo darf er mal an das Mikrofon, sichtlich nervös, als er erstmals eine eigene Ballade präsentierte. Gar nicht so einfach, nach den energiegeladenen Dark Rock-Hits erst einmal wieder runterzukommen und Luft zu schnappen. Aber De Clercq meistert das mit Bravour – und die Fans feiern die neue Unzucht spätestens jetzt.

    Unzucht im Ratinger Hof Düsseldorf

    Was auf jeden Fall geblieben ist: Die Fannähe, die für alle Bandmitglieder von Unzucht auch heute noch dazu gehört. Da wird nach dem Ende des Konzerts nicht einfach abgebaut und gegangen. Da trifft man sich im kleinen Ratinger Hof erst einmal noch auf ein Getränk, macht Fotos mit den Fans und Schlagzeuger Toby Fuhrmann stellt sich gar noch in die Tür, um die nach Hause oder in die umliegende Altstadt weiterziehenden Fans persönlich zu verabschieden. Die Fans haben Timm Hindorff als Sänger angenommen – und die Band ist sichtlich dankbar, dass das so gut funktioniert.

    Fotos: Rene Daners