Foreigner in Gelsenkirchen: Rock-Legenden oder Tribute-Band?
Bereits im Vorfeld gab es jedoch auch Kritik von einigen kritischen Stimmen: Foreigner seien nur noch eine Tribute-Band, waren einige Fans der Meinung. Tatsächlich ist von der Originalbesetzung inzwischen niemand mehr dabei. Immerhin Bandmitglieder wie Bassist Jeff Pilson und Keyboarder Michael Bluestein haben die Band bereits zwanzig Jahre lang an der Seite von Gründungsmitglied Mick Jones begleitet, die aktuelle Besetzung als “Tribute-Band” zu bezeichnen wäre also maßlos übertrieben. Seit der Demenz- und Parkinson-Erkrankung von Mick, hat nun Luis Maldonado die Führung übernommen. Selbst bereits fünf Jahre als Gitarrist an Bord, haben Foreigner in ihm auch einen neuen Frontmann gefunden, dessen Gesang nahezu 1:1 an das Original heran kommt. Bei Songs wie “Cold As Ice”, die bereits zu Beginn des Konzerts gespielt werden, lässt sich das akustisch kaum von der Originalbesetzung unterscheiden.
In der ersten Hälfte stecken Foreigner damit auch nach 50 Jahren noch das Publikum an. Das ist zwar größtenteils auch schon in einer etwas älteren Generation, kann die Hits aber immer noch bestens mitsingen. Hits wie “Waiting for a Girl Like You” schließen sich da schnell an, um das Publikum bereits früh bei Laune zu halten. In der Mitte des Konzerts dann allerdings der Stilbruch: Fünf Minuten Keyboard-Solo sollten folgen. Dann plötzlich noch einmal 5 Minuten Schlagzeug-Solo. Und als wäre das nicht bereits genug, startet Luis Maldonado auch noch einige Mitmachaktionen mit dem Publikum. Direkt neben der Bühne: Eine herunterlaufende Uhr, die die restliche Spielzeit des Konzerts anzeigte, deutlich sichtbar für die Fans. Fast 15 Minuten sollten die Aktionen aus Solos also gehen – was dem weiteren Auftritt allerdings die Energie raubte, denn mancher Besucher war von der übertriebenen Länge dieser Aktion merklich genervt.

Dafür war letztlich auch der Abschluss des Abends dann zu kurz. Nur noch vier Songs folgten anschließend, immerhin mit “Juke Box Hero” und “I Want to Know What Love Is” dann nochmal zwei ihrer ganz großen Hits – und Luis Maldonado schlüpfte währenddessen in ein Deutschlandtrikot passend zur Beginn der Fußball WM, bevor die Fans zur Rock-Ballade ihre Handylampen zückten. Lediglich vier weitere Songs reichten dann aber trotzdem nicht, um nochmal den Funken komplett zurückzuholen. Ein qualitatives Problem haben Foreigner in dieser Besetzung also nicht. Stimmlich befindet man sich weit oberhalb einer “Tribute-Band”, sodass man hier durchaus echte Rock-Legenden zu hören bekommt. Die Solos sollten sie aber bei der nächsten Tour dringend verkürzen.
Fotos: Rene Daners