Düsseldorf: Zeitreise in die 80er mit Thomas AndersAuf den ersten Blick mochte dabei manchen überraschen, dass die Hits von Modern Talking auch nach Jahrzehnten noch eine so große Halle füllen können. Ganz so ausgebucht war es dann aber doch nicht: Der Konzertabend “Thomas Anders sings Modern Talking” war schließlich auch im Innenraum vollständig bestuhlt und die oberen Ränge sogar ganz geschlossen. Die tatsächlichen Besucherzahlen dürften also weniger als der Hälfte der regulären Stehkapazität der Halle entsprechen. Und für das oftmals erwartungsgemäß etwas ältere Publikum gab es zu Beginn auch noch ein bisschen Eigenwerbung: Das neueste Musikvideo wurde auf der Leinwand präsentiert, ehe Thomas Anders dann selbst seinen neuesten eigenen Song “Cherokee Highway” performte. Das mögen die Leute zwar auch, aber bald wurde klar, dass die großen Hits von Modern Talking doch ein bisschen mehr zum Tanzen animierten.

Doch während die Musik für eine Zeitreise in die 80er sorgte, irritierten die Videos auf der Leinwand eher mit dem Gegenteil. Sowohl das neueste Musikvideo, als auch die grafische Begleitung zu den weiteren Songs, entpuppte sich als sehr offensichtlich KI-generiert. In den meisten Videosequenzen ließ sich Thomas Anders mit Hilfe von KI verjüngen und platzierte ein Ich aus den 80ern in die Neuinterpretation vermeintlicher Musikvideos. “Cringe” wäre vermutlich die Reaktion des jüngeren Publikums, das den “AI Slop” auf den ersten Blick erkennt. So richtig tat sich Thomas Anders damit keinen Gefallen – auch wenn das dem Publikum spätestens bei “Cheri Cheri Lady” dann auch wieder egal ist.
So modern er mit künstlicher Intelligenz auch sein möchte, so 80er wirkt zu Beginn doch sein Weltbild. “Das ist nicht ganz meine Welt”, verriet er doch noch über seine Einstellung zu politischer Korrektheit und dass man “Indianer” heute nicht mehr sagen dürfe – schließlich habe die Welt größere Probleme. Mit einem Publikum etwa im Alter des Sängers kann man das auch mal ignorieren, schließlich war so mancher hier Fan seit dem 14. Lebensjahr, wie uns eine Besucherin verriet. Und bei aller Kritik: Wenn “Brother Louie” oder “Geronimo’s Cadillac” erklingen, können auch die 30-Jährigen hier den gesamten Songtext mitsingen.

Während so manche junge Frau in ihren 20ern von der Mutter “mitgeschleppt” wurde, stellen sich die Songs von Modern Talking doch schnell als so etwas wie ein “Guilty Pleasure” heraus. Das ist jene Musik, von der die meisten jungen Leute behaupten würden, sie auf keinen Fall zu hören und doch können sie jeden Hit auswendig. Und man muss gestehen: Selbst spätere Hits wie “Sexy Sexy Lover” funktionieren zum Tanzen auch heute noch, auch wenn die Security beim Freihalten der Gänge ein wenig überpingelig sein mochte. Außerdem: Wenn Thomas Anders für ein 80er Rock Medley plötzlich in die gute alte Lederjacke schlüpft, wirkt er trotz der Pause in der Mitte seines Konzerts, doch gar nicht mehr, als wäre er schon 63 Jahre alt. Eine Pop-Legende beim (manchmal sogar erfolgreichen) Versuch, irgendwie jung zu bleiben.
Fotos: Rene Daners