Slime in Köln: Oldschool-Punk mit neuem Feuer zurück auf der Bühne
Michael Mayer (rechts) steht seit 1979 mit Slime auf der Bühne
Aber erst einmal durften die Jüngeren auf die Bühne. Mit der Leipziger Punkband 100 Kilo Herz hatten Slime sich nämlich schlagfertigen Support mit in Die Kantine in Köln gebracht. “Wir sind eine antifaschistische Band, bei uns ist jeder Willkommen” macht Sänger Steffen zu Beginn des Abends klar, als müsste man das bei einem Punk-Konzert tatsächlich erwähnen. Dass Bands und Publikum politisch eher links eingestellt sind, dürfte bei diesem Genre wohl jeder erwarten. Ein bisschen anders ist der Sound von “100 Kilo Herz” – die sich im Vergleich zu Slime politisch schon fast etwas zurückhalten – aber doch: “Brasspunk” nennen sie das, wenn sie ihren mitreißenden Punkrock mit Trompete und Saxophon begleiten. Das gibt dem Sound einen modernen, fetzigen Touch, der eigentlich schon einen Besuch auf der eigenen Headliner-Tour verdient hätte.
Ein Großteil der Fans aber sind für die – frech gesagt – Alt-Punks von Slime gekommen, die im vergangenen Jahr ihr neuestes Album veröffentlicht haben. Dabei sind die Hamburger mit ihrem echten St. Pauli-Punk gar nicht alle so alt, Sänger Tex Brasket kam schließlich erst im Jahre 2021 neu dazu. Er ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Punk-Rocker, die noch immer mit dem 1979er Gründungsmitglied Michael „Elf“ Mayer auf der Bühne stehen, noch heute relevant sind. Nicht nur die Texte machen den Sound aus, sondern auch die mitreißende Stimme von Tex Brasket, die dem modernen, heutigen Sound von Slime das nötige Feuer geben, das auch neue junge Fans begeistert. Böse Zungen mögen der Band unterstellen, damit auch ein bisschen mainstreamiger geworden zu sein, vielleicht ein bisschen mehr nach Nu-Metal zu klingen. Aber verdammt: Der Mann kann singen – und das ist im Punk ja bekanntlich keine Selbstverständlichkeit.

Slime begeistern noch immer alle Generationen
Die Energie erinnert dank Tex ein bisschen an den jungen feministischen Punk von “The Baboon Show” und das merkt man dem Publikum auch schnell an. In der Mitte, auf der “Tanzfläche” der Kantine wird der Moshpit immer größer. Kaum ein Song, zu dem die Menge nicht im Pogo feiert. Und auch die Crowdsurfer, die mangels Bühnengraben gleich auf der Bühne in den Armen des Stagerunners landen, lassen nicht lange auf sich warten. Textlich relevant sind aber erstaunlicherweise sowohl die älteren, als auch die neueren Songs. Slime lassen es sich natürlich nicht nehmen, auch ihren provokanten Song “Deutschland muss sterben” zu spielen, mit dem sich sogar das Bundesverfassungsgericht im Jahre 2000 beschäftigen musste. Denn eines scheint sowas wie das Motto auf den Konzerten der Band zu sein: Wir wollen niemals “Sein wie Die”. Und dabei weiß man gar nicht immer so genau, wer damit so alles gemeint ist.
Slime trauten sich nämlich auch schon immer, auch gegen die eigenen Reihen auszuteilen und ein bisschen selbstkritisch zu sein. Das ist provokant und weit entfernt von dem, was in “gegnerischen” Kreisen wohl als “Gratis-Mut” bezeichnet würde. Nach mehr als 90 Minuten soll schließlich auch noch eine ausgiebige Zugabe kommen und da bekommt jeder sein Fett weg: Mit “Linke Spießer” teilen sie gegen ihre eigene Zielgruppe aus, die selbst zum “Teil des Systems” geworden sind. Und auch von “Religion” halten die Punk-Rocker nicht viel – egal, um welche Glaubensrichtung es geht. Doch am Ende erinnern sie mit ihrem Song “Irgendwas mit Saufen” vom aktuellen Album, dass wir trotz all der Politik doch alle auch zum Saufen gekommen seien. Aber an Umsatz an der Theke wird es bei einem Punk-Konzert wohl niemals mangeln.

Fans beim Konzert in der Kantine Köln
Fotos: Rene Daners