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    Marty Supreme

    Marty Supreme

    Land/Jahr:
    USA 2025
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Josh Safdie
    Darsteller:
    Timothée Chalamet
    Gwyneth Paltrow
    Odessa A'zion
    Kevin O'Leary
    Tyler Okonma
    Abel Ferrara
    Fran Drescher
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    150 Minuten
    Kinostart:
    26. Februar 2026
    Label:
    Tobis

    Der jüdische New Yorker Marty Mauser führt bisher ein eher einfaches Leben als Schuhverkäufer im Geschäft seines Onkels Murray. Obwohl er ein herausragendes Verkaufstalent besitzt, strebt der junge Mann aber nach etwas Größerem. Seine wahre Leidenschaft ist der Tischtennis und er ist fest davon überzeugt, die Weltmeisterschaft gewinnen zu können. Bei diesem Vorhaben bringt er zwar durchaus Talent mit, vor allem aber auch eine große Portion Selbstüberzeugung und Narzissmus. Selbstverliebt nimmt sich Marty, was auch immer er will. Ob es die gefeierte Filmdiva Kay Stone ist, die er mit seinem Charme und seinem Talent zur Selbstvermarktung für sich gewinnt, oder ein kostenloses Zimmer im Luxushotel, zu dem er den Tischtennisverband überreden kann. Marty kann vor allem eines: Sich selbst in den Mittelpunkt stellen und den Erfolg durch Selbstdarstellung erreichen – selbst, wenn es sich um Lügen handelt. Dumm nur, dass er dabei so sehr von sich selbst und seinen Zielen überzeugt ist, dass er nicht einmal von ihnen ablassen würde, wenn er sich selbst damit in den Ruin treibt…

    Kritik:
    Bei der diesjährigen Oscarverleihung gibt es zwei große Favoriten: Das ist einerseits „Blood & Sinners“ mit den meisten Nominierungen, aber auch „Marty Supreme“, der selbst immerhin auf 9 Oscar-Nominierungen kommt. Für das Genre des Sportdramas nicht ganz ungewöhnlich. Doch in diesem Fall handelt es sich nicht um eine Biografie, sondern um ein fiktives Narzissmus-Drama, das nur grob an den realen Marty Reisman angelehnt ist.

    Nebensache Sport
    Inspiriert wurde Josh Safdie sicherlich vom echten Marty Reisman. Der Tischtennisprofi nahm nicht nur an sieben Weltmeisterschaften teil, sondern fiel auch immer wieder durch sein fragwürdiges Verhalten auf. Die narzisstisch angehauchten Schaukämpfe führten nicht selten dazu, dass er auch mal für ein ganzes Jahr gesperrt wurde. Unverbesserlich von sich selbst überzeugt, war Marty Reisman wohl die große Vorlage für unseren Marty Mauser, der hier über Leichen gehen würde, um seine Ziele zu erreichen. Überraschenderweise ist „Marty Supreme“ aber gar kein so großer Sportfilm. Tischtennisszenen gibt es tatsächlich nur sehr wenige, Safdie verzichtet darauf, ausschweifende spannende Sportturniere zu inszenieren. Das Drama im Hintergrund um die Person Marty Mauser ist da schon viel spannender – hat aber ohnehin selbst mehr als genug zu bieten.

    Charakterstudie über Narzissmus
    Wenig verwunderlich ist dabei die Oscar-Nominierung von Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller. Und das, obwohl der Hollywood-Star eigentlich keine wirklich sympathische Rolle darstellt. Was „Marty Supreme“ an dieser Stelle abliefert, ist nämlich eine noch nie da gewesene Charakterstudie über den puren Narzissmus. Chalamet spielt einen unsympathischen, dreisten Typen, der unter maximaler Selbstüberzeugung sich alles nimmt, was auch immer er will. Frauen, Geld, Filmstars – Marty glaubt in diesem Film wirklich alles zu bekommen, wenn er sich nur selbst gut genug verkauft. Selbst seine absolute Mittellosigkeit steht ihm nicht im Wege, seine Dreistigkeit vollkommen auszuleben. Und so punktet dann auch das grandiose Auftreten von Chalamet in dieser Rolle. Der ausgeprägte Narzissmus dieser Figur hat sogar schockierende und verstörende Momente zu bieten, so voller Rücksichtslosigkeit, dass das Publikum schon zu staunen beginnt. Und genau diesen Part dann 2 ½ Stunden konsequent und in hohem Tempo durchzuziehen, trägt „Marty Supreme“ so extrem, dass es den Film in seiner Form einzigartig macht.

    Paraderolle für Timothée Chalamet
    Dabei hat die Charakterstudie über den Narzissmus sogar unglaublich viele Nebengeschichten zu bieten, die das Publikum am Ball halten und seinen Charakter noch detaillierter, noch intensiver formen. Das reicht praktisch in das komplette Umfeld von Marty Mauser: Seine Charakterentwicklung auf Grund des Umgangs seiner Mutter, die seine Ziele stets zu boykottieren versucht. Die Unzufriedenheit im Job, der ihn einfach nicht so erfüllt, wie er sich das wünscht. Die Affäre zur schwangeren Rachel, bei der er sich trotz ihrer Ehe keinerlei Schuld bewusst ist. Letztendlich sogar Trickbetrug, um die Hotelschulden zu bezahlen, die er sich selbst durch Dreistigkeit und Ignoranz auferlegt hat. Noch nie zuvor hat man auf der Leinwand eine so detaillierte Charakterdarstellung über einen unsympathischen Narzissten gesehen, der genau wegen dieses perfekten Charakterbildes das Publikum so fesselt. Wer braucht denn da noch Sportszenen?

    Fazit:
    Das 9-fach für die Oscars nominierte Sportdrama über einen Tischtennisprofi entpuppt sich als eine überwältigend detaillierte Charakterstudie über den puren Narzissmus. Timothée Chalamet liefert hier eine absolute Paraderolle in Sachen Selbstüberzeugung, Dreistigkeit, Ignoranz und Antipathie, dass er den Film praktisch alleine zu den Oscars trägt. Ein Muss auf der Leinwand.