Review| Avatar: Fire & Ash |
| Land/Jahr: USA 2025 |
| Genre: Science-Fiction |
| Regie: James Cameron |
| Darsteller: Sam Worthington Zoe Saldana Stephen Lang Britain Dalton Sigourney Weaver Jack Champion Oona Chaplin Kate Winslet |
| FSK: ab 12 Jahren |
| Dauer: 197 Minuten |
| Kinostart: 17. Dezember 2025 |
| Label: Walt Disney Studios Motion Pictures |
Nach dem Tod ihres älteren Sohnes Netayam, befindet sich Familie Sully in tiefer Trauer. Der Krieg gegen die Menschen, die den Planeten um jeden Preis kolonisieren wollen, geht unterdessen unvermindet weiter. Der Hass gegenüber den Menschen zerfrisst auch Neytiri inzwischen so sehr, dass sich ihre Wut auch gegen Zieh-Sohn Spider richtet. Da seine Atemausrüstung ohnehin nur einen Ausfall davon entfernt ist, den Menschen ersticken zu lassen, steht schnell fest: Spider kann nicht bleiben – und soll vom fliegenden Händler-Volk der Tlalim zu seiner Spezies zurückgebracht werden. Der Menschenjunge ist den Na’vi allerdings so sehr ans Herz gewachsen, dass sie ihn auf keinen Fall allein auf die Reise schicken. Ein schwerer Fehler, wie sich herausstellt: Der Konvoi wird schließlich von Colonel Miles Quaritch auf seiner Reise entdeckt und zu einem primären Angriffsziel des Militärs. Und dabei könnte den feindlichen Menschen sogar eine Technologie in die Hände fallen, die das Schicksal von Pandora besiegeln wird…
Kritik:
Angesichts der visuellen Revolution, die James Camerons erster „Avatar“ bedeutete, ist es inzwischen doch erstaunlich, dass das bahnbrechende CGI-Werk bereits 16 Jahre auf dem Buckel hat. Die Animationstechnik und auch die 3D-Optik hat sich seither etabliert und der nun dritte Teil füllt die Kinosäle erneut über Wochen hinweg. Doch kann die Fortsetzung „Fire & Ash“ noch einmal so beeindrucken?
Augenschmaus-Spektakel mit einzelnen Framedrops
Der große Wow-Effekt ist für viele Zuschauer natürlich ein bisschen verflogen. Ganz so bahnbrechend, wie noch „Aufbruch nach Pandora“ ist der dritte Teil der Reihe natürlich nicht mehr. Und trotzdem scheint James Cameron noch einmal zeigen zu wollen, wie der aktuelle Stand der Technik aussieht: Bereits die erste Szene, bei denen die Na’vi auf einer Art Flugsaurier durch die Atmosphäre des Planeten fliegen, hat alles zu bieten, was der höchste Stand der CGI-Technik hergibt. Hübsch anzusehen ist das also allemal und auch von der 3D-Projektion profitiert „Fire & Ash“ insbesondere auf der IMAX-Leinwand. Ein wenig störend erscheinen da diverse Framedrops bei aufwändiger gerenderten Wasserszenen, die zu kleinen Rucklern führen und damit ein wenig irritieren. Das hier etwas getrübte Erlebnis, das vor allem Gamern ins Auge fallen dürfte, bekommt dafür ein wunderschönes Creature Design aus Tulkun-Walen und fliegenden Quallen, das sich im Laufe des Films als echter Augenschmaus entpuppt. Optisch macht der dritte „Avatar“ also einiges richtig.
Im Westen nichts Neues: Die Fortsetzung eines Krieges
Doch was hat eigentlich die Story des mehr als 3-stündigen Science-Fiction-Abenteuer-Epos zu bieten? Inhaltlich hat sich bei der Geschichte jedenfalls nicht allzu viel getan. Trotz der enormen Länge des Films liefert die Story kaum mehr, als ein „John Wick“-Actionspektakel. Bereits zum dritten Mal schreitet der Krieg zwischen den Na’vi und den Menschen voran, noch immer dreht sich fast die gesamte Laufzeit des Films darum, das menschliche Militär von der Kolonisierung von Pandora abzuhalten. Dass man einen derartig langen Film dann mit zahlreichen Kampfszenen füllen muss, deren Ausmaß inzwischen an „Herr der Ringe“ erinnert, ist da letztendlich naheliegend. Dabei hat sich „Fire & Ash“ die Steilvorlage für eine tiefergehende Story sogar selbst mitgegeben: Gleich 2 neue Alien-Völker bekommen wir zu sehen. Aber statt die Kultur, Gesellschaft und Politik dieser Stämme auszuarbeiten, gibt es ein paar banale Indianer-Parallelen und die Spezies bleiben oberflächlich. Letztendlich erfährt der Zuschauer noch nicht einmal, wieso sich das Aschevolk und die blauen Na’vi überhaupt bekriegen – diese Tatsache dient lediglich als Mittel zum Zweck für Actionszenen und Stunts.
Paganismus und Tierrechte
Etwas spannender gestaltet sich da schon der paganistische Ansatz, den die Außerirdischen auf Pandora schon seit dem ersten Teil mitbringen. Die Na’vi sind so stark mit der Natur und ihrem Planeten verbunden, dass das zuweilen zu Depressionen beim Publikum führt und der Film im Abspann auf entsprechende Hilfen hinweist. Angelehnt an diverse Naturreligionen der (früheren) Menschen versuchen die Aliens im Einklang mit ihrer Umwelt zu leben und können sich sogar physisch mit der Welt verbinden. Dieser Aspekt wird deutlich stärker ausgearbeitet, als bei den beiden Vorgängern und erhält sogar einen wissenschaftlichen Hintergrund. Der ist zwar ein bisschen bei „Star Trek: Discovery“ abgeschaut, macht die Funktionsweise des Planeten und seiner Bewohner aber durchaus interessant. Erweitert „Fire & Ash“ das auch noch um eine Tierrechts-Story, die Veganern sicher gefallen dürfte, überraschen sogar die „außerirdischen Wale“, also die Tulkun, mit einer tiefgründigen Darstellung ihrer Kultur, die sogar den beiden Na’vi-Völkern fehlt. Zumindest im Ansatz gelingt es Cameron also, interessante Details zu präsentieren.
Tiefgang mit den Meeresbewohnern
Letztendlich ist die „Nebengeschichte“ um die Tulkun also sogar spannender, als die eigentliche Kriegshandlung. Mit einer eigenen Sprache, Namen, Musik und kompletter Kultur führt „Fire & Ash“ mit den Tulkun eine intelligente außerirdische Meeresspezies ein, die bei genauerer Betrachtung mehr Tiefgang bietet, als die verschiedenen Stämme der Na’vi. Wünschenswert wäre, wenn Cameron an dieser Idee festhält und ihr weitere Tiefe verleiht – auch wenn das bei den nächsten „Avatar“-Filmen kaum zu erwarten ist. Ohne die Tulkun bleibt am Ende nämlich nur oberflächliche Weltraum-Fantasy mit schönen Bildern, aber wenig Inhalt. Einem langjährigen Science-Fiction-Fan wird das auf kurz oder lang, wenn die Wirkung der Bilder nachlässt, wohl nicht reichen.
Fazit:
Die jüngste Fortsetzung der „Avatar“-Reihe überzeugt erneut mit einer beeindruckenden Optik, schwächelt aber erwartungsgemäß bei der Story. Einzig der paganistische Touch und die Nebengeschichte um eine intelligente Meeresspezies überraschen mit Tiefgang.