Review
| Other Mommy |
| Land/Jahr: USA 2026 |
| Genre: Horror |
| Regie: Rob Savage |
| Darsteller: Arabella O. Clark Jessica Chastain Jay Duplass Dichen Lachman Sean Kaufman |
| FSK: ab 16 Jahren |
| Dauer: 94 Minuten |
| Kinostart: 29. Oktober 2026 |
| Label: Universal Pictures |
Die siebenjährige Bela lebt gemeinsam mit ihren Eltern Ursula und Russell in einem eigentlich hübschen Zuhause. Doch schon lange beschleicht sie das Gefühl, dass in dieser Familie irgendwas nicht in Ordnung ist. Vielleicht steht eine Scheidung ihrer Eltern unmittelbar bevor oder die Liebe ihrer Mutter ist bei weitem nicht so authentisch, wie sie seit vielen Jahren vorgibt. Dieses Gefühl der Unsicherheit wird jedoch noch verstärkt, denn aus ihrem Kleiderschrank taucht immer wieder eine geheimnisvolle Gestalt auf. Eine, die ziemlich exakt genauso aussieht, wie ihre Mutter. Die „andere Mama“ ist allerdings keineswegs eine imaginäre Einbildung: Die fremdartige, dämonenhafte Entität möchte um jeden Preis in das Herz des Mädchens kriechen, braucht dafür jedoch ihre Einladung. Noch ahnt sie dabei allerdings nicht, dass dieses unheimliche Wesen schon bald zu einer ernsthaften Bedrohung für die ganze Familie wird…
Kritik:
Die „Spooky Season“ rund um Halloween ist auch immer die Zeit, in der die neuesten Horrorfilme in den Kinos starten. Dieses Mal darf dabei sogar Jessica Chastain das Genre wechseln und statt in einem anspruchsvollen Drama dieses Mal eine wichtige Rolle in einem Horrorfilm spielen. Doch funktioniert das gruselige Konzept von „Other Mommy“?
Kinder spüren alles
Man sagt jedenfalls, Kinder würden oft ziemlich genau spüren, wenn in der Familie irgendetwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht. Wenn die Beziehung der Eltern nicht mehr richtig funktioniert, bekommen auch die jüngsten Kinder das mit, selbst wenn die Erwachsenen es vor ihnen verheimlichen wollen. Aus der Perspektive der jungen Bela, gespielt von Arabella Olivia Clark erzählt, bekommen wir genau dieses Gefühl der Unsicherheit vermittelt. Der innere Wunsch nach einer anderen Mutter, von der man wirklich geliebt wird, während die eigene echte Mutter inzwischen stark mit sich selbst beschäftigt ist. Der Psychohorror ist also auch eine Visualisierung der inneren Dämonen eines siebenjährigen Kindes, das nach einem Ausweg aus dieser Unsicherheit sucht.
Manifestation der inneren Dämonen
Bei „Other Mommy“ spielt sich das Geschehen aber keineswegs nur in ihrem Kopf ab. Hier sollen sich die kindlichen Ängste tatsächlich physisch manifestieren und dürfen dabei für ziemlich gruseligen CGI-Horror herhalten. Eine gewisse Faszination bringt es natürlich mit, wenn da das Monster mit dem Gesicht der Mutter auf der Leinwand auftaucht, aber physikalisch sich nicht alle Gliedmaßen so verhalten, wie es die Natur eigentlich vorsieht. Der leichte Surrealismus aber funktioniert, denn er kann eine gelungene dichte Atmosphäre entfalten, wenn die vermeintliche Gefahr nicht immer so ganz greifbar und eher wie eine Fantasie eines Kindes erscheint. Das Problem dabei: Je mehr „Other Mommy“ seine Horroszenen steigert und ins Brutale abdriftet, desto weniger subtil wird der Psychohorror und desto weniger unheimlich wirkt die Bedrohung mit der Zeit. Man kann manchmal eben auch zu viel zeigen.
Was dich nicht umbringt, macht die stärker
Spannend wiederum ist die Charakterentwicklung vor allem von der Jungdarstellerin, die hier beachtliche schauspielerische Leistungen angesichts ihres jungen Alters abliefert. Die echte Arabella Olivia Clark ist im echten Leben kaum älter, als ihre Rolle und liefert bereits eine Charakterdarstellung, bei der Narben und psychische Verletzungen zur Entwicklung der Figur beitragen. Frei nach dem Motto „was uns nicht umbringt, macht uns stärker“, wächst sie während des Films parallel zum seelischen Leid, das sie durch ihre Familiensituation erfährt. „Other Mommy“ präsentiert daher auch einen Horrorfilm über weibliche Emanzipation bereits im jüngsten Alter, wenn ein junges Kind ihre eigenen inneren Dämonen bekämpfen muss, in dem es lernt, sich durchzusetzen und „Nein“ zu sagen. Auf den zweiten Blick entpuppt sich der Film also als weitaus tiefgehender, als zunächst angenommen.
Fazit:
Pünktlich zu Halloween liefert Blumhouse einen Psychohorror über die weibliche Emanzipation bereits im Kindesalter. Mit seiner Jungdarstellerin begeistert der Film beim Kampf gegen inneren Dämonen, während das CGI in brutaleren Szenen jedoch leider seinen Surrealismus verliert.