Review
| Der Magier im Kreml |
| Land/Jahr: USA / GB / F 2025 |
| Genre: Thriller |
| Regie: Olivier Assayas |
| Darsteller: Paul Dano Jude Law Alicia Vikander Will Keen Tom Sturridge Jeffrey Wright |
| FSK: ab 12 Jahren |
| Dauer: 156 Minuten |
| Kinostart: 9. April 2026 |
| Label: Constantin Film |
In den 90er Jahren hat sich Russland unter Präsident Jelzin zu einer freien Demokratie entwickelt, in der sich westliche Lebensweisen und die freie Entfaltung der Bürger längst etabliert haben. Doch durch den schlechten gesundheitlichen Zustand des Präsidenten, braucht das Land bald einen neuen Anführer. Wladimir Wladimirowitsch Putin, der Direktor des russischen Geheimdienstes FSB scheint dafür genau der richtige Mann. An seiner Seite: Wadim Baranow, der sogenannte „Magier im Kreml“. Als rechte Hand und engster Berater Putins soll er die Zukunft Russlands gestalten und die politische Ausrichtung nach Putins Vorstellung organisieren. Noch ahnt er dabei allerdings nicht, dass er es mit einem autoritären Präsidenten zu tun hat, der Russland zunehmend in eine freiheitsfeindliche Fake-Demokratie umwandelt, bei der sich Putin zum neuen Zaren machen will und sein Volk mit Zensur und Korruption regiert. Und bis er seinen eigenen Fehler bemerkt, könnte es längst zu spät sein, denn der eigene Machterhalt steht im Mittelpunkt des Lebens von Baranow…
Kritik:
Die reale Welt sorgt bei vielen Bürgern durch die zunehmenden Spannungen zwischen den Großmächten für immer mehr Unwohlsein. Dabei steht insbesondere Russland unter Präsident Putin und sein Ukraine-Krieg im Fokus, dessen Ausweitung auf weitere europäische Staaten befürchtet wird. „Der Magier im Kreml“ widmet sich dem Mann an seiner Seite: Der engste Berater, der mit seinen ungewöhnlichen Methoden das Land nach den Vorstellungen Putins formt. Ein anspruchsvolles Werk für Regisseur Olivier Assayas.
Extrem akkurate Faktentreue
Bereits im Disclaimer kurz vor dem Start des Films weist „Der Magier im Kreml“ darauf hin, dass es sich hierbei um ein fiktives Werk auf der Grundlage des fiktiven Thrillers von Giuliano da Empoli handelt. Tatsächlich: Die wichtigste Figur in diesem Film entspricht der Fantasie, denn Putins angebliche rechte Hand Wadim Baranow hat so nie existiert. Die Ähnlichkeiten zur Realität sind aber auch jetzt schon kaum zu übersehen. Die fiktive Figur ist angelehnt an den realen Kreml-Berater Wladislaw Surkow und es stellt sich doch die Frage, wie nah die Ereignisse im Film wohl an der Realität sind. So interessant die Geschichte auch ist, so sehr ist sie schließlich zugleich das Problem des Films: „Der Magier im Kreml“ fühlt sich nicht wirklich wie ein Thriller an, sondern eher wie eine Spielfilm-Doku mit Schauspielern.
Spielfilm-Dokumentation mit Schauspielern
Man könnte das natürlich als positives Argument für den Film sehen: Er hält sich überaus korrekt an die tatsächliche Faktenlage. Vom Tschetschenien-Krieg über Putins Machtergreifung bis hin zum Euromaidan und dem anschließenden Angriff auf die Krim bleibt „Der Magier im Kreml“ extrem faktentreu. Positiv ist dabei sogar anzumerken, dass er auch bei der Ukraine-Handlung bei einer neutralen Betrachtungsweise bleibt und die Aktivitäten der USA auf ukrainischem Boden als Sichtweise Russlands berücksichtigt. Das Problem dabei allerdings: Echte Überraschungen hat der Film zu keinem Zeitpunkt zu bieten. Die Erzählweise vom „Magier im Kreml“ ist durchgehend extrem trocken, langsam und dokumentarisch. Eine Aneinanderreihung historisch korrekter Fakten macht aber noch lange keinen spannenden Thriller, zumal eben die politischen und historischen Ereignisse ohnehin allseits bekannt sind.
Berechnend, trocken, unangenehm realitätsnah
Es wäre also notwendig gewesen, den spannenden Part des Films vollständig von seinem einzigen fiktiven Aspekt tragen zu lassen. Paul Dano in der Rolle des Wadim Baranow hätte hier Spielraum für eine interessante, aufregende Figur geboten, da die vollständige Fiktion seiner Rolle jegliche künstlerische Freiheit eröffnet. Dano schafft aber den etwas merkwürdigen und sperrigen Spagat, einerseits faszinierend realitätsnah und doch langweilig zu sein. Seine unterkühlte, stets kalkulierende Art, die sich genauso trocken präsentiert, wie die Handlung des Films, dürfte sicherlich eine erschreckend glaubwürdige Darstellung von Putins rechter Hand sein, da dieses berechnende Machtgefüge tatsächlich der Art des Kremls entspricht. Leider lässt die Figur dabei aber jegliche extremen Persönlichkeiten vermissen, die Baranow für das Publikum unterhaltsam gemacht hätten. Nach letztendlich viel zu langen zweieinhalb Stunden fühlt sich „Der Magier im Kreml“ dadurch immer noch an, als hätten wir eine stark in die Länge gezogene Spielfilm-Doku gesehen.
Fazit:
Ein Thriller wie eine Dokumentation mit Schauspielern: Trotz seiner fiktiven Figur Wadim Baranow, der erfundenen rechten Hand Putins, beeindruckt „Der Magier im Kreml“ mit einer extrem akkuraten Faktentreue. Das ist allerdings zugleich auch seine Schwäche, denn die Erzählweise ist derart trocken, dass man hier kaum von einem Unterhaltungsfilm sprechen möchte.