Review
| Das Drama |
| Land/Jahr: USA 2026 |
| Genre: Drama |
| Regie: Kristoffer Borgli |
| Darsteller: Robert Pattinson Zendaya Alana Haim Mamoudou Athie Michael Abbott Jr. YaYa Gosselin |
| FSK: ab 12 Jahren |
| Dauer: 106 Minuten |
| Kinostart: 2. April 2026 |
| Label: Leonine |
Das junge Paar Charlie und Emma ist glücklich verlobt und bereitet sich gerade mit ihren Freunden auf die bald anstehende Traumhochzeit vor. Dazu gehören auch diverse Abende in lockerer Runde, bei denen Abläufe, gebuchte Djs oder Getränke besprochen werden. In einer feucht-fröhlichen Runde voller Alkoholkonsum soll aus Spaß jeder in der Runde erzählen, was das schlimmste sei, das sie jemals getan haben. Die Erzählungen von Emma schockieren jedoch die Runde: Sie habe in der Jugend unter psychischen Problemen gelitten und einen Amoklauf an der Schule geplant, sogar die Waffe dafür längst besorgt. Aus dem vermeintlichen Liebesglück wird fortan schnell ein echtes Drama: Charlie ist sich nicht mehr sicher, ob er wirklich die Liebe seines Lebens an seiner Seite hat oder kurz davor steht, eine Psychopathin zu heiraten. Zweifel zwischen dem Paar und radikale Anfeindungen aus dem Freundeskreis gefährden zunehmend die Hochzeit und auch die Liebe zwischen den beiden…
Kritik:
Für eines ist das Filmstudio A24 in Hollywood inzwischen bekannt: Ganz große Geschichten erzählen, ohne dabei riesiges Budget zu benötigen. Dabei weisen die Filme auch mal den Look der 80er Jahre auf und trotzdem finden sich große Stars wie Robert Pattinson oder Zendaya. Beim vorliegenden „Drama“, dessen Titel die Handlung doch ziemlich auf den Punkt bringt, sind gleich beide vertreten. Und einmal mehr darf Pattinson beweisen, zu welch großartigen Charakterrollen er in der Lage ist.
Stigmatisierung psychischer Erkrankungen
So richtig kitschig nämlich ist „Das Drama“ keineswegs. Obwohl wir anfänglich das typische Liebesglück samt Hochzeitsplanung und Verliebtheit zu sehen bekommen, ist der Film – wie anhand des Titels erwartet – nicht gerade ein Liebesfilm mit schnulzigem Verlauf oder gar eine Romantic Comedy. Ein anderes Thema steht stattdessen nämlich deutlich mehr im Fokus: Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Problemen. Eigentlich ist „Das Drama“ nämlich eine Sozialstudie über psychische Erkrankungen und die Reaktionen des Umfelds auf diese. Eindrucksvoll und emotional heftig zeigt der Film, warum Betroffene von psychischen Problemen sich oftmals gegenüber ihrem Umfeld, sogar Freunden und Partnern, nicht öffnen: Ausgrenzung, Stigmatisierung, sogar offensive Angriffe sind die Regel.
Realitätsnähe mit Trigger-Potenzial
Im Grunde wäre „Das Drama“ tatsächlich mal ein Film, der vor seinem Start eine Trigger-Warnung enthalten sollte. Emma, gespielt von Zendaya, liefert nämlich eine so intensive und realitätsnahe Identifikationsfigur für psychisch erkrankte Zuschauer, dass sie so manches Erlebnis aus der Vergangenheit wieder zum Vorschein bringen könnte. Jeder Betroffene, der einmal Angriffe und Ausgrenzung auf Grund ihrer Erkrankung erlebt hat, wird sich in zahlreichen Situationen, die der Film schildert, wiedererkennen. Und da wird auch die erstklassige schauspielerische Leistung aller Beteiligten deutlich, die ihre heftige emotionale Überforderung auf die glaubwürdigste mögliche Weise darstellen. Sowohl Robert Pattinson, als auch Zendaya zeigen hier zurecht, wieso sie in Hollywood inzwischen ganz oben angekommen sind. Und auch Alana Haim schließt sich da in der Rolle der ausgrenzenden Freundin Rachel an und setzt nochmal eine Schippe drauf.
Anfängliches Geplänkel formt detaillierte Charaktere
Da hat man auch schnell darüber hinweg gesehen, dass „Das Drama“ zunächst etwas zäh und schwach startet. Gerade die anfängliche Vorgeschichte besteht erst einmal aus dialoglastigem Geplänkel, bei dem mitunter auch Verhaltensweisen von Dritten diskuttiert werden. Die dabei stets voreingenommenen Charaktere, die der Film dabei präsentiert, entpuppen sich aber spätestens nach dem Beginn des titelgebenden Dramas, als nützliche und hilfreiche Vorgeschichte, um die weiteren Reaktionen und Handlungen nachvollziehen zu können. Regisseur Kristoffer Borgli gelingt es dabei, jede Figur auf eine in sich abgerundete und detaillierte Seite zu inszenieren, die jede Handlung und jede Reaktion letztendlich bestens verständlich macht. Und das gelingt „Das Drama“ sogar so gut, dass der Film sein Publikum dazu einlädt, im Anschluss über das Gesehene weiter zu diskuttieren, um womöglich festzustellen, auf verschiedenen Seiten des Konflikts zu stehen – beeindruckend.
Fazit:
Das titelgebende Drama ist nicht nur eine kitschige Liebesgeschichte, sondern auch eine extrem realitätsnahe, mitunter triggernde und polarisierende Sozialstudie über die Stigmatisierung von psychisch Kranken. Ein beeindruckendes Meisterwerk, das auch nach dem Kinobesuch noch zu Diskussionen einlädt.