Review
| Hamnet |
| Land/Jahr: GB 2025 |
| Genre: Drama |
| Regie: Chloé Zhao |
| Darsteller: Paul Mescal Jessie Buckley Joe Alwyn Emily Watson David Wilmot Jacobi Jupe |
| FSK: ab 12 Jahren |
| Dauer: 125 Minuten |
| Kinostart: 22. Januar 2026 |
| Label: Universal Pictures |
In den 1580er Jahren verliebt sich der junge Lateinlehrer William in die wundersame Bauerntochter Agnes. Die Gerüchte, dass es sich bei ihr um eine Waldhexe handeln könne, lassen ihn völlig unbeirrt. Nicht aber seinen Vater: William heiratet seine Geliebte gegen den Willen ihrer Eltern und gemeinsam bringen sie drei Kinder zur Welt. Doch während sie die beiden Töchter und ihren Sohn großziehen, wächst in William auch die Sehnsucht nach der großen weiten Welt abseits ihres Heimatdorfes. Seine Leidenschaft zum Schreiben führt ihn schließlich nach London, während er die Familie nur unregelmäßig besucht. Der Verlust ihres einzigen Sohnes durch die Pest legt den Grundstein für William Shakespeares Stück „Hamlet“. In tiefer Verzweiflung und Trauer schafft er ein Meisterwerk auf Londons Theaterbühne, das ihn in die Geschichte des Landes eingehen lässt…
Kritik:
An der Verfilmung diverser Werke von William Shakespeare versuchen sich zahlreiche Regisseure, die sich zutrauen, Filme mit Anspruch zu drehen. Nicht alle davon begeistern auf Grund seiner dichtenden Wortwahl das Publikum und nur wenige schaffen es zu den Oscars. Die Interpretation der Chinesin Chloe Zhao schafft es jedoch auf gleich acht Oscar-Nominierungen und gilt damit als einer der härtesten Anwärter.
Das frühe Leben des William Shakespeare
Zhao geht die Geschichte dabei etwas anders an, widmet sich nicht ganz so schnell dem künstlerischen Schaffen des großen Dichters. Stattdessen konzentriert sich die Regisseurin auf Shakespeares frühe Vorgeschichte, über die nicht alle Details übermittelt sind. Selbst der tatsächlich Name seiner Ehefrau ist bis heute unklar, wodurch auch die etwas ungewöhnliche Aussprache ihres Namens Agnes als „Anjes“ wohl zustande kommt. Auf etwas mysteriöse, naturverbundene Art zeigt „Hamnet“ das einfache Leben auf dem Land, verliebt in eine vermeintliche Waldhexe, die ihre Kinder am liebsten in der freien Natur zur Welt bringt. Durch diverse Zeitsprünge gerade zu Beginn des Films plätschert die anfängliche Story allerdings ein bisschen vor sich hin, tut sich noch etwas schwer mit dem durchaus innovativen Pagan-Drama-Stil des Films.
Sein oder nicht sein…
Das ändert sich später, wenn der Film allmählich zum zweiten Drittel voranschreitet. Die drei Kinder sind zur Welt gebracht, Shakespeare widmet sich zunehmend seiner Leidenschaft des Schreibens und des Theaterspiels und schreckliche Krankheiten verbreiten sich in Groß-Britannien. Mit dem ersten Aufkommen der Pest erreicht „Hamnet“ zum ersten Mal dramaturgische Höhepunkte. Wenn sich die Familie in den einfachen Verhältnissen gegen die Krankheit zur Wehr setzen muss und dabei auch ihren einzigen Sohn verliert, zeigen sich die Stärken des Films und die Spannung erreicht ihren eigentlichen Höhepunkt. Dabei beweist „Hamnet“ auch seine Fähigkeiten zur Wandelbarkeit, da sich die Grundstimmung wesentlich verändert und das Drama zu einer deutlich düstereren Atmosphäre wechselt.
Bedeutungsschwangere Kunstinterpretation
Insgesamt läuft der Film aber letztendlich dann doch auf eine ganz eigene Kunstinterpretation hinaus. Regisseurin Chloé Zhao präsentiert ihre ganz persönliche Sichtweise darauf, was William Shakespeare wohl mit seinem Meisterwerk „Hamlet“ aussagen wollte und welche Emotionen ihn beim Schreiben des Stücks wohl bewegt haben mögen. Ein bisschen fühlt sich der Film im letzten Drittel dabei an, wie ein Museumsbesuch, bei dem die Besucher vor einem Gemälde stehen und interpretieren, was der Künstler wohl aussagen wollte. Die Vorgeschichte und die Begleitung des langen Weges über seine große Liebe und die Geburt seiner Kinder ist aber auch für das Filmpublikum hilfreich, um den wahren William Shakespeare deutlich besser nachvollziehen zu können. Und das macht „Hamnet“, wie kein einziger anderer Film vor ihm.
Fazit:
Regisseurin Chloé Zhao präsentiert ihre ganz individuelle Interpretation von William Shakespeares Meisterwerk „Hamlet“ und liefert dabei eine überraschend paganistisch angehauchte Vorgeschichte, die dem Zuschauer beim Nachempfinden des großen Dichters behilflich ist. Ein zu Beginn etwas schleppender, aber dennoch besonderer Film.