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    Die progressiven Nostalgiker

    Die progressiven Nostalgiker

    Land/Jahr:
    F / B 2025
    Genre:
    Komödie
    Regie:
    Vinciane Millereau
    Darsteller:
    Elsa Zylberstein
    Didier Bourdon
    Mathilde Le Borgne
    Aurore Clement
    Didier Flamand
    Maxim Foster
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Dauer:
    103 Minuten
    Kinostart:
    22. Januar 2026
    Label:
    Neue Visionen

    Das Ehepaar Michel und Helene hat das scheinbar perfekte Familienleben im Jahre 1958. Michel ist ein durchschnittlicher Mann und Angestellter in einer Bank, der wie in der damaligen Zeit üblich, seine Familie als Alleinverdiener ernährt. Seine Frau kümmert sich unterdessen um Haushalt und Kinder und fühlt sich dabei zunehmend wie ein Dienstmädchen. Als sie bei einem Gewinnspiel eine Waschmaschine gewinnt, scheint die Erlösung von der lästigen Haushaltsarbeit in Reichweite zu sein. Doch ein Kurzschluss katapultiert das Ehepaar kurzerhand ins Jahr 2025, wo nichts mehr so ist, wie es war. Die Emanzipation der Frau liegt längst in der Vergangenheit und plötzlich leitet Helene eine Bank, während Michel zum Hausmann degradiert wird. Während die beiden auch noch ziemliche Schwierigkeiten haben, mit den gesellschaftlichen Normen des 21. Jahrhunderts zurecht zu kommen und Michel die Rückkehr in die Vergangenheit plant, findet Helene allerdings recht schnell Gefallen an ihrer Rolle, in der das Patriarchat der Vergangenheit angehört…

    Kritik:
    Französische Komödien über Zeitreisen waren in den 90er Jahren mal so etwas wie die Königsklasse des europäischen Humors. Damals war vor allem Jean Reno dank Filme wie „Die Besucher“ und „Die Zeitritter“ für derartige Späße bekannt. Regisseurin Vinciane Millereau erweckt damit also auch ein altes, fast vergessenes Genre wieder zum Leben.

    Wiederbelebung eines Genres
    Das grundlegende Prinzip hat sich seitdem nicht wirklich verändert: Als Jean Reno im Jahre 1993 durch die Zeit reiste, kam er als mittelalterlicher Ritter und wurde mit den Gepflogenheiten der 90er Jahre konfrontiert. „Die progressiven Nostalgiker“ widmet sich einer anderen Epoche: Ein Ehepaar aus den 50ern darf sich ins Jahr 2025 begeben und stolpert dabei recht schnell über ihre rückständigen Ansichten über Rollenverteilung, Sexualität und gesellschaftliche Normen. Das bringt natürlich auch eine gewisse Chance mit, Gesellschaftskritik möglichst humorvoll zu verpacken: Die Rolle der Frau hat sich längst verändert, Homosexualität ist in der Gesellschaft anerkannt, der Hausmann etabliert, Führungspositionen auch einmal weiblich besetzt und die Technologie hat sowieso große Fortschritte gemacht. Auf erfrischende Weise verzichtet der Film darauf, die Vergangenheit mit „früher war alles besser“ zu verklären und wirft einen realistischen Blick auf die Fortschritte der Gesellschaft.

    Spielfreude mit Situationskomik
    Getragen wird das alles von den herausragenden Hauptdarstellern Elsa Zylberstein und Didier Bourdon, denen man als Film-Ehepaar ihre Spielfreude geradezu ansieht. Immer wieder ist es lustig mit anzusehen, wie sie mit den gesellschaftlichen Veränderungen völlig überfordert sind und von einem Fettnäpfchen in das nächste treten. Die sexualisierte Werbung voller nackter Oberkörper in der Innenstadt, die erste Begegnung mit zwei lesbischen Frauen, die sich küssen, künstliche Intelligenz, die ihnen den Kaffee zubereitet, oder die heutigen Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung für Frauen ohne Ehemann. „Die progressiven Nostalgiker“ ist so ulkig, wie ein spielfilmlanges Reaction Video auf Youtube, bei denen Menschen aus den 50er Jahren mit heutigen modernen Errungenschaften konfrontiert werden.

    Beste Komödie seit Jahren
    Tatsächlich liefert diese Situationskomik durch das wunderbare Schauspiel des Paares eine der witzigsten Komödien der vergangenen Jahre. „Die progressiven Nostalgiker“ entpuppt sich als wahres Gag-Feuerwerk, das über seine gesamte Laufzeit hinweg die Lachmuskeln trainiert und mitunter sogar bewirkt, dass das Publikum im Kino Tränen lachend in seinen Sitzen versinkt. Die Komödie lässt dabei wirklich keine Gelegenheit aus, um einen Gag nach dem anderen einzubauen – und die meisten davon zünden gewaltig. Das funktioniert auch gerade deshalb, weil der Film auf jegliche Belehrungen oder politische Korrektheit verzichtet und die beiden Figuren in ihren 50er Jahre Rollen ihre rückständige Weltanschauung zum Amusement des Zuschauers voll ausleben lässt. „Die progressiven Nostalgiker“ hat Mut und verzichtet darauf, sich selbst zu zensieren, um Minderheiten nicht vor den Kopf zu stoßen. Und er funktioniert humoristosch genau deshalb so grandios.

    Fazit:
    Die französische Komödie über zwei Zeitreisende aus den 50er Jahren belebt nicht nur ein fast vergessenes Genre neu, sondern ist zugleich einer der lustigsten Filme der letzten Jahre. Ein extrem witziger Geheimtip!