Review
| Rental Family |
| Land/Jahr: J / USA 2025 |
| Genre: Tragikomödie |
| Regie: Hikari |
| Darsteller: Brendan Fraser Takehiro Hira Mari Yamamoto Akira Emoto |
| FSK: ab 0 Jahren |
| Dauer: 103 Minuten |
| Kinostart: 8. Januar 2026 |
| Label: Walt Disney Studios Motion Pictures |
Der amerikanische Schauspieler Phillip Vandarpleog ist ursprünglich eigentlich nach Japan gezogen, weil er sich die große Karriere versprach. Doch nach wenigen Auftritten in einer TV-Serie und einem Werbespot, bleibt der Erfolg bei den Castings aus. Stetig auf der Suche nach neuen Rollen, ist er auch zu außergewöhnlichen Jobs bereit. Bei einer etwas speziellen Dienstleistungsagentur bekommt er einen Job angeboten, der ihn selbst als Schauspieler vor persönliche Herausforderungen stellt: Er soll als „Leihfamilie“ eine Rolle im Leben der Klienten einnehmen. Mal bei einer Beerdigung, mal bei einer inszenierten Hochzeit und ein anderes Mal als angeblicher Interviewer für einen demenzkranken Filmstar. Als er jedoch plötzlich den Vater eines Grundschulkindes spielen soll, das seinen richtigen Vater nie kennengelernt hat, bringt das auch ethische Probleme mit – und zeichnet ein problematisches Bild von der Einsamkeit der japanischen Gesellschaft…
Kritik:
Die Zeiten der Actionfilme sind vorbei. Heute schnappt sich Brendan Fraser die richtig anspruchsvollen Charakterrollen. Mit „The Whale“ konnte er den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen, nun folgt die nächste herausfordernde Tragikomödie.
Escort-Service 2.0
Und die ist vielleicht ebenso näher an der Realität, als es manchem Zuschauer lieb sein mag. „Rental Family“ widmet sich einem kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Strukturen des fernen Japans, in der Überbevölkerung und Arbeitsdruck zu vermehrter Einsamkeit in der Bevölkerung führt. Das inspirierende Grundthema kennen wir bereits: Männer engagieren eine Escort-Dame, die sich als feste Freundin ausgeben soll, um bei Freunden und Familien den Anschein einer Beziehung zu erwecken. Doch Regisseur und Drehbuchautor Hikari denkt das weiter: Was wäre wohl, wenn man so einen „Escort-Service“ für alle möglichen Lebenslagen buchen könnte? Einen Schauspieler, der jede beliebige Rolle einnimmt, für die man gerade einen Menschen an seiner Seite braucht. Genau so eine Rolle soll Brendan Fraser in „Rental Family“ spielen.
Japanische Gesellschaftskritik
Mit seinem inhaltlichen Tiefgang liefert der Film auch eine starke und intensive Kritik an der japanischen Gesellschaft mit. Dabei dreht sich der Film sowohl um die Einsamkeit und Anonymität innerhalb Tokios trotz seiner Überbevölkerung, aber auch den gesellschaftlichen und familiären Zwängen hinsichtlich Heirat, Pflege, Arbeit und elterlicher Erwartungshaltungen. „Rental Family“ wirft einen Blick hinter die Fassade des japanischen Volkes voller Anstand, das unter dem Druck, dem Zwang zur Anpassung und der Hemmung, sich frei auszuleben, seit vielen Jahren leidet. Dabei spricht der Film jedoch gesellschaftliche Probleme nicht nur oberflächlich an, sondern macht verschiedenste Defizite – von LGBTQ bis zur mangelhaften Altersvorsorge – zur Kernaussage. Damit ist die Tragikomödie auch für Japan-Fans und -Reisende durchaus interessant.
Brendan Fraser als Charakterdarsteller
Brendan Fraser widerum brilliert erwartungsgemäß in allen seinen Rollen, die er als „Leihfamilie“ ausüben muss. Nach seinen äußerst einfühlsamen Leistungen in „The Whale“, bringt er die Vielfalt seiner Charakterdarstellung auf ein neues Level. Spannend ist dabei, dass er keine Mehrfachrolle einnimmt, sondern als die gleiche schauspielende Figur immer wieder in andere Rollen schlüpft, die eine andere Verhaltensweise und einen anderen Charakter voraussetzen. Seiner schauspielerischen Leistung fordert das die gleiche Komplexität ab, wie bei einer Mehrfachrolle, ohne jemals die Figur tatsächlich zu wechseln. Und Fraser schlüpft in jede dieser Rollen mit einer Brillianz, die seine Fähigkeiten als Charakterdarsteller einmal mehr untermauert. Die geradezu oscarreife Inszenierung seiner Empathie sucht in Hollywood bis dato seinesgleichen.
Fazit:
Nach seinem Oscar als bester Hauptdarsteller in „The Whale“ festigt Brendan Fraser seine Position als Charakterdarsteller: Mit Vielseitigkeit und Empathie schlüpft er in verschiedene Rollen und wirft dabei einen ungeschönt kritischen Blick auf die japanische Gesellschaft. Nah an einem Meisterwerk.