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    Der Medicus 2

    Der Medicus 2

    Land/Jahr:
    D 2025
    Genre:
    Abenteuer / Drama
    Regie:
    Philipp Stölzl
    Darsteller:
    Tom Payne
    Emily Cox
    Aidan Gillen
    Owen Teale
    Liam Cunningham
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    143 Minuten
    Kinostart:
    25. Dezember 2025
    Label:
    Constantin Film

    Nach vielen Jahren im iranischen Isfahan konnte sich der Medicus Rob Cole zahlreiche neue medizinische Lehren aneignen. Nun kehrt er in seine Heimat London zurück, um dort der Mediziner-Gilde beizutreten und dem rückständigen Volk des 11. Jahrhunderts die moderne Medizin näher zu bringen. Doch bereits nach seiner Ankunft stellt er fest, dass sein Vorhaben nicht gerade auf Gegenliebe stößt: Die Gilde fürchtet, er könnte ihren Geschäften Konkurrenz machen und verbietet ihm kurzerhand zu praktizieren. Im Verborgenen verbringt er seine Lebenszeit also fortan damit, gemeinsam mit seinen Begleitern, die ärmere Bevölkerung Londons zu heilen – teilweise sogar kostenlos. Doch auch das bringt kurzerhand die Schergen des Königshauses auf den Plan: Königin Mercia hat schließlich den Thron an sich gerissen, in dem sie den König ganz bewusst in einem gesundheitlich schlechten Zustand hält. Und die hat deswegen ganz und gar kein Interesse daran, dass in ihrem London irgendjemand geheilt wird…

    Kritik:
    Im Jahre 2013 verfilmte Philipp Stölzl erstmals den Bestseller „Der Medicus“ und machte daraus ein packendes Mittelalter-Drama. 12 Jahre sollte es dann dauern, bis die ziemlich verspätete Fortsetzung endlich in den deutschen Kinos anläuft – erneut mit Stölzl auf dem Regiestuhl und Tom Payne in der Hauptrolle. Einmal mehr versuchen die Macher damit zu beweisen, dass deutsches Kino durchaus Qualitäten hat.

    Herausragendes mittelalterliches Setting
    Trotz der langen Zeit, die zwischen den beiden Teilen vergangen ist, setzt die Fortsetzung die Geschichte nahtlos nach dem ersten Teil fort. Das sorgt für eine zeitlich vergleichbare Ansiedlung und ein erneut hübsches mittelalterliches Setting. Gerade das Kostümdesign zwischen Landschaften und Burgen kann sich sehen lassen und verleihen dem Film eine schicke Optik, wie auf einem Mittelalterfest, auf dem jegliche Besucher in den hochwertigsten Kleidungsstücken gewandet sind. Gerade bei den Fans des Mittelalters dürfte das auf ziemlichen Gefallen stoßen, zumal „Der Medicus 2“ die Dramaturgie von Beginn an hoch hält: Inquisition, Hexenverbrennungen, mittelalterliche Behandlungs- und Foltermethoden, Dreck und ruppiges Verhalten wirken wie ein Schaufensterlauf durch die Gräuel des finsteren Mittelalters. Schon die fragwürdigen Methoden zur Hämorrhoiden-Behandlung lassen das Publikum die Augen zukneifen.

    Medizin statt Fantasy
    Dennoch weckt der Film sein Interesse dadurch, dass er von den üblichen Geschichten um mittelalterliche Schlachten abweicht und seinen Fokus auf den medizinischen Aspekt des damaligen mittelalterlichen Europas setzt. Der Medicus wird dabei begleitet von einer Gruppe aus jüdischen Heilkundlern und muslimischen Hakims, die multikulturelle Aspekte der (in der damaligen Zeit) modernen Medizin mitbringen und auch auf Vorbehalte der christlichen Inquisition stoßen. Schon die Beobachtung der damaligen Behandlungsmethoden sorgt für Faszination und Ekel zugleich: Amputationen eines Beins ohne Betäubung, das Vertrauen in die Kräuterkunde aus Heilsalben und Inhalationen, die Behandlung von Flüssigkeit in der Lunge. „Der Medicus 2“ fesselt mit seinen medizinischen Methoden schnell und sorgt zugleich für Freude über die heutigen medizinischen Errungenschaften, die Behandlungen doch erheblich weniger barbarisch machen.

    Von Paganismus bis Thronfolge
    Ganz ohne ein bisschen „Spiel um den Thron“ kommt „Der Medicus 2“ aber natürlich nicht aus und so verliert das mittelalterliche Drama in der zweiten Hälfte auch ein bisschen seinen Fokus auf die Medizin zugunsten einer königlichen Verschwörungsgeschichte, bei der nicht nur die katholische Kirsche ein Problem mit den modernen Behandlungsmöglichkeiten hat. Medicus Rob Cole mausert sich im Laufe der Zeit zu einem Einzelkämpfer-Helden für so ziemlich alles: Mediziner, Psychotherapeut, Widerstandskämpfer, Aufklärer. Zuweilen verzettelt sich „Der Medicus 2“ dabei ein bisschen und wirkt zunehmend überladen, da nicht jeder Aspekt in der gleichen Qualität ausgearbeitet wird. Manches wirkt etwas übertrieben und „drüber“, etwa die Anwendung des Paganismus und etwas arg unrealistisch schnelle Psychotherapien. Auch die Integration des Kannibalismus als Krankheit dient doch eher dem „Effekt“, trägt aber inhaltlich wenig zum Film bei. Weniger ist dann doch manchmal mehr.

    Eine tyrannische Frauenrolle
    Kann man über derartige Kleinigkeiten hinweg sehen, erhält man jedoch ein von nahezu allen Darstellern wirklich stark gespieltes Mittelalterszenario, bei dem insbesondere Tom Payne in seiner Hauptrolle als sanfter, gutmütiger, aber auch kritischer Arzt einmal mehr brilliert. Innovativ dabei auch die Rolle der tyrannischen weiblichen Herrscherin, die mit dem Klischee einer positiv gesinnten „femininen Politik“ aufräumt und mit Emily Cox eine starke Frauenrolle als skrupellose Kriegsherrin einführt. Und auch wenn sie in diversen Momenten vielleicht etwas zu „weich“ erscheint, macht ihre intrigrante, machthungrige und wütende Rolle ziemlichen Spaß, liefert sie auch einen schwer zu erfassenden Widersacher. Fans des mittelalterlichen Settings, die auf Fantasy-Aspekte verzichten können, werden an „Der Medicus 2“ reichlich Freude haben.

    Fazit:
    Mittelalter ohne Fantasy: Die (verspätete) Fortsetzung zu „Der Medicus“ ist ein packendes Mittelalter-Drama, das sich erneut dem spannenden Aspekt der europäischen Medizin des 11. Jahrhunderts widmet. Obwohl der Film im späteren Verlauf vereinzelt etwas überladen wirkt, entwickelt der zweite „Medicus“ eine hochspannende Geschichte um die Medizin, den Thron und die katholische Religion. Ein Muss für jeden Mittelalter-Fan.