Review
| Sayara – Revenge is Darkness |
| Land/Jahr: Türkei 2024 |
| Genre: Horror-Thriller |
| Regie: Can Evrenol |
| Darsteller: Duygu Kocabiyik Emre Kizilirmak Özgül Kosar |
| FSK: ungeprüft |
| Dauer: 98 Minuten |
| Kaufstart: 31. Juli 2026 |
| Label: Indeed Film |
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Schon als junge Frau ist Sayara aus Turkmenistan in die Türkei emigriert und arbeitet dort seitdem als Reinigungskraft in einem Fitnessstudio. Ihr eigentlich verheirateter Boss Baris hat dort heimlich eine Affäre mit ihrer Schwester Yonca, durch die sie überhaupt erst an diesen Job gelangt ist. Den Warnungen von Sayara möchte sie jedoch keine nennenswerte Beachtung schenken: Blind vertraut sie ihrer Affäre Baris und gerät damit an einen skrupellosen und gefährlichen Macho-Clan. Bei einem Treffen in dessen Wohnung muss sie nach Vergewaltigungen einen qualvollen Tod erleiden, der anschließend von mächtigen Männern bis hinein in die Politik gedeckt wird. Ein Glück, dass Sayara von ihrem Vater schon in der Kindheit in beeindruckenden Kampfkünsten ausgebildet wurde. Und ihm hat sie geschworen, nicht einmal zu zögern, wenn eines ihrer Familienmitglieder in Gefahr gerät. Sayara beginnt einen erbarmungslosen Rachefeldzug gegen ein sexistisches und patriarchales System, der die Finsternis in ihr zum Vorschein bringt…
Kritik:
Der Rape-and-Revenge-Thriller. Ein besonderes Genre des Horrorfilms, das längst zahlreiche Liebhaber gefunden hat. Nicht zuletzt, weil es auch zu den intensivsten cineastischen Erfahrungen zählt. Mit „Sayara“ kommt ein solcher Film nun ausgerechnet aus der Türkei.
Revenge-Thriller – türkischer Style
Mit seiner Herkunft gibt der Thriller ein ziemlich besonderes Bild ab, das wir ein bisschen so auch aus der Realität kennen. Die männlichen Clans entsprechend ganz klischeehaft den typischen Draufgängern, die mit Muskeln und Besitz protzen. Die zierlichen Frauen hingegen treten eher zurückhaltend, ruhig und zierlich auf – und sind damit Opfer eines patriarchalen Systems, das der türkische Film damit auch anprangert. Zugleich macht das die Hauptfigur aber besonders interessant: Schon in den ersten zehn Minuten zieht uns Duygu Kocabiyik in der Rolle der Sayara in ihren Bann. Introvertiert und wortkarg strahlt sie etwas fesselnd Mysteriöses aus, in dem eine gewisse Finsternis innerlich zu schlummern scheint. Und mit diesem asiatischen Touch, den sie trotz ihrer türkischen Herkunft hat, wirken schon die ersten Trainigsszenen im Fitnessstudio, als hätten wir hier eine moderne Martial Arts-Kämpferin vor uns. Eine schnell faszinierende Figur.
Türkin auf den Pfaden der Martial Arts
Dieser zierlich-schlanke und mysteriöse Auftritt liefert dann auch hervorragend eben jenen Kontrast, den ein Rape-and-Revenge-Thriller benötigt, damit die Szenen besonders intensiv wirken. Kann sich schließlich ausgerechnet das weibliche Leichtgewicht gegen türkische Muskelprotze durchsetzen, wirkt das schließlich gleich doppelt beeindruckend. Und das schafft Duygu Kocabiyik nicht etwa mit körperlicher Überlegenheit, sondern mit dem Ausstrahlen einer skrupellosen und gewaltverherrlichenden Mentalität in ihrer Rolle. Auf den späteren Revenge-Part in der zweiten Hälfte des Films wirkt sich das besonders intensiv aus und da wird dann auch schnell klar, wieso man bei diesem Film lieber gleich den Release über Österreich gewählt hat. „Sayara“ nämlich kennt keine Gnade, sondern empfindet geradezu Freude dabei, selbst unbeteiligte Personen auf ihrem Weg zur Rache niederzumetzeln. Dass der Film überaus blutig und hart ist, versteht sich dementsprechend wohl von selbst.
Skrupellose Konsequenz
Fast schon offensichtlich scheint es dabei, dass sich der türkische Streifen offenbar auch den Kultfilm „I spit on your grave“ zum Vorbild gemacht hat, der quasi als Aushängeschild des Rape-and-Revenge-Genres zählt. „Sayara“ erreicht dabei nicht immer ganz die Dichte an Gewaltszenen wie dieses Vorbild und wirkt dabei zwar intensiv, aber noch nicht so heftig, wie das Genre sein kann. Harte Szenen soll es aber trotzdem genügend geben, zumal „Sayara“ mit einer angenehmen und überzeugenden Konsequenz daher kommt. Das gilt sowohl auch für die mangelnde Gnade gegenüber Kindern, als auch für die mangelnde Rücksicht auf eigene Schäden, Schmerzen und Nachteile. Denn: Sayara wird ihre Opfer zur Strecke bringen – sogar, wenn sie dabei selbst drauf gehen würde. Und genau diese unerbittliche Konsequenz ist eine der größten Stärken dieses Films.
Fazit:
Ganz auf den Spuren von „I spit on your grave“ kommt dieses Mal ein Rape-and-Revenge-Thriller aus der Türkei, der von seiner starken mysteriösen Hauptdarstellerin profitiert und eine erfrischend skrupellose, beinahe gewaltverherrlichende Konsequenz an den Tag legt. Ein heftiges und intensives Werk.