Yardie - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Yardie

    Yardie


    Land/Jahr:
    GB 2018
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Idris Elba
    Darsteller:
    Aml Ameen
    Sheldon Shepherd
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    102 Minuten
    Kaufstart:
    20. Juni 2019
    Label:
    Studiocanal

    Jamaika in den 70ern: Der 13-jährige Dennis ist in einer ziemlich schwierigen Gegend aufgewachsen, in der Drogen und Gewalt den Alltag beherrschen. Bandenkriege sorgen für Angst und Schrecken auf den Straßen und selbst Kinder sind vor den Schießereien nicht mehr sicher. In einer solchen Zeit versucht Dennis mit seinem großen Bruder für Frieden zwischen den Gangs zu sorgen, in dem sie mit ihrem gemeinsamen Soundsystem eine öffentliche Party veranstalten, auf der sich die beiden Gangsterbosse versöhnen sollen. Doch der Plan geht schief: Dennis großer Bruder wird auf der Bühne erschossen und kurz darauf übernimmt King Fox die Kontrolle über die Unterwelt von Jamaika. Für den soll Dennis kurzerhand Koks nach London schmuggeln – doch den Tod seines Bruders stets im Hinterkopf, legt er sich auch dort schon bald mit Gangstern an, die einen erneuten Bandenkrieg auslösen könnten…

    Kritik:
    Hollywood-Star Idris Elba ist auf der großen Leinwand schon seit einigen Jahren kein Unbekannter mehr. Sogar als erster farbiger James Bond war er bereits im Gespräch. Da scheint es nur eine logische Konsequenz zu sein, endlich auch einen eigenen Film zu drehen. „Yardie“ ist das Regiedebüt, das Elba wohl schon lange hat drehen wollen.

    Jamaikanische Kultur
    Und dieses geht auf den ersten Blick ganz andere Wege als bekannte Dramen, spielen bestimmte kulturelle Einflüsse nämlich eine große Rolle. „Yardie“ soll nicht etwa nur in Jamaika spielen, sondern auch die Kultur mitsamt ihres Slangs so authentisch wie möglich darstellen. Mit echen Jamaikanern, die man im englischen Originalton wahrscheinlich kaum verstehen dürfte und den Soundsystems, den mobilen Diskotheken, die in der Auflösung der Bandenkriege und der politischen Ausdrucksweise der Ghettobewohner eine besonders große Rolle spielten. Das Problem dabei: Dem Kenner der jamaikanischen Kultur und den Ursprüngen der Raggae-Musik mag das alles einleuchten – wer jedoch bisher kaum Berührungspunkte mit dem Genre hatte, wird aus dem Zusammenhang zwischen Raggae-Musik und Bandenkriegen wohl nicht so schnell schlau. Aus dem Film jedenfalls geht das kaum hervor, Idris Elba setzt in seinem Regiedebüt schlicht voraus, das Publikum wisse ohnehin Bescheid.

    Die böse Musikindustrie
    In der Folge wirkt „Yardie“ insgesamt ziemlich konstruiert, zumal sich der Zuschauer schnell an die typischen Drogen-Klischees der amerikanischen Hip-Hop-Musikszene erinnert fühlt. Reiche Labelbosse, die ihr Musikgeschäft als Vorwand für den Drogenhandel missbrauchen, wirken schon ziemlich klischeehaft. Wenn Idris Elba seinen Film dann obendrein mit einem etwas zu sehr bei anderen Streifen abgeschauten Storyaufbau inszeniert, wirkt „Yardie“ schnell umso künstlicher. Die Einführung in die rachsüchtige Hauptfigur, die Motive, das klischeehaft unglaubwürdige Leben der Londoner Migrantenunterschicht – damit könnte „Yardie“ eigentlich auch jeder andere x-beliebige Gangsterfilm sein, der in irgendeinem Ghetto der Vereinigten Staaten spielt. Idris Elba macht schließlich genau den Fehler, der für das Setting seines Streifens fatal ist: Er möchte sein Drama in einem amerikanischen Hollywood-Stil inszenieren, zeigt aber den jamaikanischen Underground, zu dem das einfach nicht passen möchte.

    Rache? Wen juckt’s
    Und selbst bei der eigentlich so authentischen Darstellung jamaikanischer Kultur verrennt sich Elba bei seinem Regiedebüt recht schnell. Bei all der durchaus ansehnlichen und akustisch spannenden Inszenierung von Underground Raggae-Partys, improvisierten Soundclashes und ganz vielen Indie-Vibes aus Kingston verliert er den Fokus auf seine Figur nämlich völlig. „Yardie“ schafft es nur selten, die dramatischen Emotionen seiner Hauptfigur während seines Rachefeldzugs einzufangen, weil Elba schlicht das dafür passende Timing fehlt. Immer dann, wenn der Streifen eigentlich an mitreißender Intensität zunehmen sollte, lockert Elba seinen Film erneut mit – an dieser Stelle unpassenden – Raggae-Vibes auf und baut stattdessen Unmengen an Pathos und Symbolik ein, die aufgesetzt und überfrachtet wirken. Und wenn dem Publikum dann früher oder später schlicht egal ist, ob Dennis seine Rache durchziehen kann, weil der Film ihn emotional längst losgelassen hat, entwickelt „Yardie“ leider auch die ein oder andere Länge, die zwischenzeitlich in Langeweile mündet. Das ist schade, denn das jamaikanisch-kulturelle Setting hätte riesiges Potential für ein einzigartiges Werk gehabt.

    Fazit:
    Das jamaikanische Setting mit seinem authentischen Slang und den glaubwürdigen kulturellen Einflüssen wirkt auf den ersten Blick so innovativ, dass „Yardie“ zu einem ganz besonderen Streifen hätte werden können. Leider scheitert das Regiedebüt von Idris Elba aber am emotionalen Timing, konstruiert wirkenden Einflüssen der Musikindustrie und einer deutlich zu großen Portion Pathos.

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