Vice – Der zweite Mann - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Vice – Der zweite Mann

    Vice – Der zweite Mann


    Land/Jahr:
    USA 2018
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Adam McKay
    Darsteller:
    Christian Bale
    Steve Carell
    Amy Adams
    Sam Rockwell
    Tyler Perry
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    134 Minuten
    Kaufstart:
    28. Juni 2019
    Label:
    Universum Film

    Eigentlich kennt ihn so gut wie niemand – und doch wird er zu einem der mächtigsten Männern der Welt. Dick Cheney gehört zwar zu den verschlossensten Politikern der Welt, die normalerweise nur hinter verriegelten Türen die Fäden ziehen und die Öffentlichkeit meiden wie der Teufel das Weihwasser, doch seine Politik hatte schwerwiegende Folgen bis in die heutige Zeit. Angefangen als Stabschef des Weißen Hauses schafft er es bis zum Posten des Vize-Präsidenten unter George W. Bush und war maßgeblich mit für den auf Lügen basierenden Angriff auf den Irak verantwortlich. Doch bis dahin hat Dick Cheney, der aus eher einfacheren Verhältnissen stammt, noch einen ziemlich weiten Weg…

    Kritik:
    Für acht Oscars nominiert und immerhin einen davon auch erhalten: Neben den großen Gewinnern wie „Green Book“ und „Bohemian Rapsody“ galt die Polit-Satire „Vice“ über den ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney als einer der wichtigsten Filme des Jahres. Kein Wunder, denn den hier gewonnen Oscar dürfte dieser Streifen nämlich auch verdient haben.

    Christian Bale wird zum Bonzen
    Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass der großartige Christian Bale, der in „The Big Short“ bereits von Regisseur Adam McKay engagiert wurde und somit umfangreiche Erfahrung in ernsthafteren Rollen sammeln konnte, auch in „Vice“ einmal mehr die schwierige Hauptrolle des Vizepräsidenten übernommen hat. Ihm gelingt es nicht nur, den eher ruhigen und berechnenden Charakter des Politikers ausgesprochen gut darzustellen, sondern auch die Maskenbildner, die den Oscar für das beste Make-up und die besten Frisuren erhalten haben, machen deutlich, warum sie die Auszeichnung verdient haben. Bale sieht dem ehemaligen Vizepräsidenten dabei nicht nur ähnlich wie ein eineiger Zwilling – faszinierend ist vor allem die originalgetreue körperliche Entwicklung der Figur. Nachdem Cheney schließlich nach seinem Herzinfarkt immer dicker und stämmiger wurde, passt sich auch Christian Bales Figur zunehmend dem neuen Erscheinungsbild an. Als wohlgesättigter, schmierig wirkender Politiker-Bonze mit Helmut Kohl-Brille erkennt man den sonst eher reif wirkenden Christian Bale kaum noch wieder.

    Eine Regierung am Pranger
    Erstaunlich dabei allerdings, wie wenig „Vice“ trotz seines stark politischen Inhalts tatsächlich die politischen Vorgehensweisen im Parlament zeigt. Auf ausschweifende Reden vor Publikum, lautstarke Streitereien im Parlament und tiefgehende Meinungsverschiedenheiten muss man in diesem Streifen größtenteils verzichten. Vielleicht gelingt es dem Film deshalb auch nicht, das politische Geschehen vollkommen realistisch einzufangen. Als Polit-Satire möchte „Vice – Der zweite Mann“ das allerdings auch keinesfalls, sondern stattdessen lieber mit Biss der amerikanischen Politik und Korruption einen Spiegel vor halten – und sich ziemlich kritischen Fragen widmen. Ist Dick Cheney nicht nur für den Irakkrieg verantwortlich, sondern auch dafür, den Islamischen Staat groß gemacht zu haben? Hat man die „globale Erwärmung“ in „Klimawandel“ umgetauft, weil sich das besser verkaufen lässt und Energieunternehmen von den dazugehörigen Maßnahmen profitieren? Und ist grundsätzlich alles legal, was der Präsident macht, einfach nur deshalb, weil er der Präsident ist? „Vice“ geht mit der US-amerikanischen Politik insbesondere unter der Bush-Regierung nicht gerade zimperlich um und prangert mehr als einmal die fehlgeleitete Außenpolitik an.

    Stilbrüche am laufenden Band
    Insgesamt macht es „Vice“ dabei dem Zuschauer aber gelegentlich auch schwierig, den passenden Zugang zum Film zu finden. Nicht, weil der Inhalt ausgesprochen kompliziert wäre, sondern viel mehr durch die häufigen Stilbrüche, mit denen Regisseur Adam McKay in diesem Film immer wieder überrascht. Das beinahe provokante Stilmittel, statt Höhepunkte zu produzieren, mitten in Dialogen hinein- oder herauszuschneiden, um damit bewusst Andeutungen statt explizite Aussagen einzubauen, lässt „Vice“ hin und wieder ein wenig zäh und langatmig erscheinen. Kommen dann auch noch Albernheiten und Metaphern hinzu, etwa einen Abspann mitten im Film, weil ein alternatives Ende gerade so gut passen würde oder ein Kellner, der den Politikern am Tisch eines Restaurants die verschiedenen Gesetzesdehnungen und Foltermöglichkeiten auf der Karte serviert, muss sich der Zuschauer an einen konträr zu Mainstreaminszenierungen stehenden Erzählstil gewöhnen. Das wird vermutlich nicht jedem gelingen. Lässt man sich auf den satirischen Pranger jedoch ein und hat ein grundlegendes politisches Interesse, könnte sich „Vice“ andererseits gerade deshalb als kritischer Film mit gestochen scharfem Blick herausstellen.

    Fazit:
    Mit seinen zahlreichen Stilbrüchen und außergewöhnlichen Inszenierungsmethoden ist „Vice – Der zweite Mann“ nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern stellenweise auch zäh. In Hinblick auf die US-amerikanische Regierung unter Bush stellt der Streifen jedoch mit dem nötigen Biss die richtigen Fragen und wird zu einem sowohl unbequemen, als auch zum Nachdenken anregenden Pranger, der zugleich eine gute Portion Unterhaltungswert mitbringt.

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