Venom - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Venom

    Venom


    Land/Jahr:
    USA 2018
    Genre:
    Science-Fiction
    Regie:
    Ruben Fleischer
    Darsteller:
    Tom Hardy
    Michelle Williams
    Riz Ahmed
    Jenny Slate
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    112 Minuten
    Kaufstart:
    14. Februar 2019
    Label:
    Sony Pictures Entertainment

    Der Reporter Eddie Brock gilt als einer der erfolgreichsten Enthüllungs-Journalisten seiner Zeit. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er seinen Interview-Partnern ganz besonders unangenehme Fragen stellt und auch dann nicht locker lässt, wenn sein Gegenüber längst dazu neigt, abzublocken. Das neueste „Opfer“ seiner investigativen Arbeit: Carlton Drake, der berüchtigte und ebenso brillante Gründer der Life Foundation, der für sein Raumfahrtprogramm zu weit entfernten Meteoriten bekannt ist. Was Eddie allerdings noch nicht ahnt, als er zum ersten Mal sein Labor betritt: Die Life Foundation hat eine außerirdische Lebensform mit auf die Erde gebracht, die sich als Symbiont mit einem menschlichen Wirt verbinden kann. Drake erhofft sich damit, eines Tages den Heimatplaneten verlassen zu können, wenn die Erde durch den Klimawandel gänzlich untergegangen ist. Dumm nur, dass dieser „Parasit“ einige Nebenwirkungen bei dessen Träger mitbringt…

    Kritik:
    Der große Hype um Superhelden und Comic-Verfilmungen nimmt einfach kein Ende, obwohl durch die enorme Sättigung mit entsprechenden Filmen längst ein kleiner Ermüdungseffekt beim Publikum aufgetreten ist. Klassische Helden mit übertriebenen Moralvorstellungen sind spätestens seit „Deadpool“ und „Guardians of the Galaxy“ wohl definitiv out. Stattdessen bevölkern immer ungewöhnlichere Gestalten die Leinwände, die vor allem mit einer gehörigen Portion Humor daher kommen. Und da ist auch „Venom“ keine Ausnahme.

    Parasit im Kopf
    Obwohl es sich auch bei diesem Streifen einmal mehr um eine Verfilmung eines Marvel-Comics handelt, ist „Venom“ allerdings eines ganz sicher nicht: Ein typischer Superheld, der ganz bewusst die Welt zu retten versucht und dabei die Moralkeule nur allzu gerne schwingt. Davon haben die Zuschauer mitunter längst genug, weshalb sich diese Kreatur lieber ein wenig dem Science-Fiction-Genre widmet und sich eher als Parasit, denn als echter Held herausstellt. Angelehnt an die Trill aus „Star Trek“ (aber mit einem weniger sympathischen Erscheinungsbild) bekommen wir es schließlich mit einem parasitären Symbionten zu tun, der seine volle Kraft nur durch die Verschmelzung mit einem kompatiblen Menschen entfalten kann. Wenn überhaupt, müsste man an dieser Stelle wohl von zwei Helden sprechen, aber mit überwiegend negativen, zynisch erscheinenden Angewohnheiten wie dem Verspeisen von menschlichen Köpfen geht „Venom“ wohl eher als klassischer Anti-Held durch. Man muss allerdings zugeben: Diese Form des „sympathischen Monsters“ mit seinem Nihilismus kann durchaus ganz schön unterhaltsam sein.

    Humor statt Moral
    In einer Sache reiht sich „Venom“ nämlich wenig überraschend hinter erfolgreichen Comic-Hits wie „Deadpool“ ein: Der Humor spielt eine viel größere Rolle, als die (falschen) Moralvorstellungen des Helden. Die sonst so wichtige Rettung der Welt ergibt sich dabei, irgendwie wenig innovativ, als beiläufig eingebauter Zufall – in erster Linie bekommen wir doch einen spaßigen Egoisten zu sehen, der mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat. Und das hat gewaltiges Humorpotential, denn Hauptfigur Eddie ist nahezu ununterbrochen damit beschäftigt, sich mit seinem Alter Ego auseinanderzusetzen. Wenn zwei Charaktere sich gegenseitig ihren eigenen Willen aufzwingen wollen und Venom sogar die Gliedmaßen seines Wirts mehr oder weniger kontrollieren kann, entfaltet die Comic-Verfilmung all ihre Stärken und läuft zu richtiger Hochform auf. Mehr als einmal ist es witzig mit anzusehen, wie Eddie seinen Arm gegen den Willen des Symbionten zu bewegen versucht oder ihn davon abhalten möchte, mal wieder ein paar „Snacks“ zu verspeisen. Das Zusammenspiel zwischen dem heldenhaften Journalisten und dem gruseligen Antihelden ist das eigentliche Highlight von „Venom“ und sorgt für einen ausgesprochen hohen Unterhaltungswert.

    Unterhaltung kaschiert Oberflächlichkeit
    Schade ist gerade deshalb, dass der Film leider relativ lange braucht, um tatsächlich an diesen Punkt zu gelangen. Angesichts einer effektiven Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten (weitere 20 Minuten gehen für den Abspann drauf), ist die Einführung in die Charaktere und die Hintergründe der Kreatur viel zu lang ausgefallen. Bis zum ersten Zusammentreffen zwischen Eddie und Venom entpuppt sich der Film nämlich mitunter als etwas langatmig. Ein Glück also, dass das darauffolgende Gag-Feuerwerk in der zweiten Hälfte richtig zünden kann und „Venom“ auch in Sachen Effekte und Action seine Qualitäten voll ausfährt. Spätestens die Verfolgungsjagden voller Transformationseffekte, bei denen sich Eddies Körper in flüssige Gliedmaßen verwandeln kann, hat dann auf jeden Fall einen beeindruckenden Schauwert. Optisch und humoristisch kann sich der Streifen also bestens sehen lassen, sodass man angesichts des hohen reinen Unterhaltungswertes sicherlich über die oberflächliche und schon mehr als einmal gesehene Story um bösartige Wissenschaftler mit Gottkomplex hinweg sehen kann. Aber höher liegt der Selbstanspruch des Films eben auch nicht: „Venom“ möchte einfaches, unterhaltsames Popcorn-Kino sein – und genau das liefert er auch.

    Fazit:
    Die neueste Marvel-Comicverfilmung um den außergewöhnlichen und leicht gruseligen Antihelden punktet zwar nicht mit einer tiefgründigen Story, erfüllt seinen Selbstanspruch aber mit Bravour: „Venom“ ist unterhaltsames Popcorn-Kino mit einer guten Portion Humor, der einfach Spaß macht.

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