Unten am Fluss - Kritik – Virtual DVD Magazine
  • Startseite|
  • News|
  • Games|
  • Kino|
  • Bücher|
  • Verlosung|
  • Partner|
  • Impressum
  • Review

    Unten am Fluss

    Unten am Fluss


    Land/Jahr:
    GB / IRL / USA 2018
    Genre:
    Animation
    Regie:
    Noam Murro
    Darsteller:
    -
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    203 Minuten
    Kaufstart:
    Netflix:
    23. Dezember 2018
    Label:
    Netflix

    Die vielen Kaninchen rund um Hazel und seine Freunde haben sich längst ein schönes Zuhause eingerichtet, in dem sie sich seit längerer Zeit pudelwohl fühlen. Niemals würden sie auf den Gedanken kommen, ihren Kaninchenbau freiwillig zu verlassen, wenn keine ernstzunehmende Gefahr droht. Die Visionen des hellseherischen Fiver, der offenbar eine ernstzunehmende Bedrohung spürt, kommt ihnen daher so gar nicht recht: Er hat schreckliche Alpträume davon, dass die Menschen mit ihren Baggern ihren natürlichen Lebensraum zerstören werden. Doch nur wenige Kaninchen glauben und folgen ihm in eine gefährliche Welt mit einer ungewissen Zukunft. Dumm nur, dass nicht nur die Visionen wahr zu werden scheinen, sondern auch noch ganz andere schreckliche Gefahren in der Wildnis auf die jungen Kaninchen warten…

    Kritik:
    Bereits mehrfach wurde der Roman von Richard Adams – mehr oder weniger kindgerecht – umgesetzt. Und vor allem die damalige Zeichentrickserie sorgt wohl heute noch bei so manch jüngerem Publikum mit seiner Intensität für echte Alpträume, wenn wir die süßen Kaninchen bei der Konfrontation mit all ihren Gefahren begleiten. Netflix hat die Geschichte nun mit einer vierteiligen Animationsserie noch einmal aufleben lassen – doch hat es ein solches Remake wirklich gebraucht?

    Aus Zeichentrick wird Animation
    Eines steht jedenfalls recht schnell fest: Vom neuen Animationsstil, der schon so manchem Fan des damaligen Kinderprogramms nicht gefiel, bleibt schließlich auch die Neuauflage von „Watership Down“ nicht verschont. Vorbei sind die Zeiten der besonders niedlich gezeichneten Kaninchen, die gerade als Zeichentrickversion einen erschreckenden Kontrast zu den Gräueltaten darstellen, denen sie in ihrem langen Abenteuer begegnen würden. In der animierten Version von „Unten am Fluss“ auf Netflix jedenfalls fühlen wir uns oftmals eher an ein Videospiel erinnert und das nicht einmal mit besonders guter Grafik. Macht zumindest die Flora und Fauna noch ein bisschen was her, wirken die Kaninchen in ihrer Animation und somit auch ihrer Mimik oftmals viel zu steif. Nur schwierig gelingt es damit, das Publikum genauso zu fesseln, wie mit der legendären Zeichentrickserie.

    Der Feind in den eigenen Reihen
    Der eigentliche Grund allerdings, warum die Neuauflage von „Watership Down“ bei einem Großteil des Publikums wohl nicht so recht zünden wird, liegt aber an ganz anderer Stelle: Die von der BBC gedrehte Animationsserie hat sich schlicht und einfach getraut, die Handlung in einigen wichtigen Punkten grundlegend zu verändern. Standen einst noch die Gefahren für die Tierwelt, die aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen werden, im Vordergrund und protzte das Original einst noch so sehr mit dem erhobenen Zeigefinger gegen die Zerstörung der Menschen, haben die Kaninchen in der Neuauflage primär einen ganz anderen Feind – und das sind leider auch noch sie selbst. Statt also den „Angriffen“ der Menschen und anderen natürlichen Feinden auf einer höheren Stufe der Nahrungskette zu entgehen, entwickelt sich „Watership Down“ dieses Mal zu einer Art Action-Soap, bei der sich die Kaninchen – fast schon an das Muster aus „The Walking Dead“ angelehnt – vor allem selbst bekämpfen. Hass, Neid und Missgunst stehen im Vordergrund, sodass der naturpädagogische Aspekt des Originals komplett abhanden kommt. Da gehen Dialoge wie „Wo die Menschen sind, ist auch der Tod“ und philosophische Ansätze, die an die Tierfreunde unter den Menschen appellieren, beinahe nebensächlich unter.

    Kaninchen mit Religion und Esoterik
    Damit geht allerdings zugleich auch der Spannungsbogen genauso flöten, denn der öde wiedergekaute Konflikt vom „Feind in den eigenen Reihen“ kann den Zuschauer vor allem in einer Version mit Tieranimationen eben nicht mehr so sehr packen, wie das ursprüngliche, realistische Szenario, das vor allem wegen seiner Glaubwürdigkeit seinerzeit schon ziemlich „harter Stoff“ für die Kinder war. Das soll natürlich an dieser Stelle nicht zwangsläufig bedeuten, dass die neue Version von „Watership Down“ ein Totalausfall ist, denn immerhin könnten die Charaktere mit all ihren Auseinandersetzungen und Ängsten durchaus zu einem gewissen Maße überzeugen, doch eines darf man an dieser Stelle angesichts manch hoher Erwartungen wohl sagen: Diese Miniserie wird in keinster Weise dem Titel „Watership Down – Unten am Fluss“ gerecht. Nicht nur, weil sie inhaltlich rein gar nichts mehr mit der alter Zeichentrickserie gemeinsam hat, sondern auch weil sie mit einer esoterischen und religiösen Vermenschlichung der Tiere noch dazu mitunter befremdliche Züge annimmt – auch wenn das immerhin näher an der Buchvorlage sein mag. Unmittelbare Bedrohungen sind hier schließlich hellseherischem Aberglauben und albernen religiösen Tierritualen gewichen. Kein Wunder, wenn am Ende so mancher Fan des Zeichentricks enttäuscht sein mag.

    Fazit:
    Durch einen kompletten inhaltlichen Richtungswechsel, bei dem die natürlichen und menschlichen Gefahren der Tiere plötzlich Auseinandersetzungen mit der eigenen Art weichen mussten und mit esoterischem Aberglauben aufgepeppt werden, dürfte die Neuauflage von „Unten am Fluss“ wohl eine ziemliche Enttäuschung für Fans der alten, überaus intensiven Zeichentrickserie sein.

    Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt..