Tully - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Tully

    Tully


    Land/Jahr:
    USA 2018
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Jason Reitman
    Darsteller:
    Charlize Theron
    Mackenzie Davis
    Ron Livingston
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    95 Minuten
    Kaufstart:
    12. Oktober 2018
    Label:
    Universum Film

    Für die meisten ist das Kinderkriegen der größte Traum, bei anderen hingegen entpuppt es sich als ein wahrer Albtraum. So auch bei Marlo, die erst vor kurzem ihr drittes Kind zur Welt gebracht hat und bei der all die Geburten inzwischen zahlreiche körperliche, wie seelische Spuren hinterlassen haben. Mit einem verhaltensauffälligen Sohn, einem häufig überarbeiteten Ehemann und einer bald in die Pubertät kommenden Tochter ist sie mit der Bewältigung ihres Alltags zunehmend überfordert. Kaum eine Nacht kommt sie noch zur Ruhe und ein chronisches Erschöpfungssyndrom liegt wohl auch nicht mehr in weiter Ferne. Genau zu dieser rechten Zeit möchte jedoch ihr Bruder ihr ein besonderes Geschenk machen: Eine „Night Nanny“, die sich in der Nacht um das Wohlergehen des Babys kümmert, damit die Mutter endlich wieder einmal durchschlafen kann. Doch nach anfänglicher Skepsis, entwickelt sich daraus womöglich eine ganz besondere Freundschaft…

    Kritik:
    Wenn die Frauen ihren langersehnten Nachwuchs bekommen, geht damit in den meisten Filmen der wohl größte Traum in Erfüllung und kaum etwas könnte kitschiger und schöner sein. Die Realität allerdings darzustellen, die überaus stressig sein kann, davor scheuen sich dann doch die meisten Produktionen. Ganz anders hingegen „Tully“.

    Stress durch Nachwuchs
    Schon damit fällt das eigentlich als leichtes Feel-Good-Movie konzipierte Drama recht früh auf: „Tully“ traut sich einfach den mutigen Schritt, die negativen Seiten der Mutterschaft einmal gänzlich unverfälscht darzustellen und eine recht unpopuläre Position einzunehmen: Dass das Kinderkriegen nämlich eigentlich gar keine so schöne Sache ist, sondern vor allem eine Belastung für die Eltern darstellt. Für Eltern, die durch das ständige Geschrei des jungen Nachwuchses keine Nacht mehr durchschlafen können, die mit verhaltensauffälligen Kindern im Grundschulalter völlig überfordert sind und die selbst das Stillen ihres Kindes nicht nur Schmerzen bereitet, sondern auch noch zu enormer seelischer Erschöpfung führt. Eltern, die vor lauter Stress am liebsten nur noch faul vor dem Fernseher einschlafen möchten und die Kinder – so sie denn könnten – eigentlich lieber abschalten würden, statt sich um sie zu kümmern. Und genau auf diese Sichtweise, mit der sich vielleicht manche Eltern wirklich identifizieren könnten, geht „Tully“ erfrischend innovativ ein.

    Mut zur Hässlichkeit
    Für die Hauptdarstellerin Charlize Theron ist das aber auch eine ganz besondere Rolle: Bisher kannten wir sie schließlich doch eher in der Rolle von hübschen Figuren, die mit Hochglanzbildern möglichst schick dargestellt wurden und dabei nicht allzu viele Makel haben von sich sehen lassen. Vielleicht aber sind es ihre neuesten Erfahrungen seit der Adoption ihrer eigenen Kinder, die ein richtiges Umdenken bewirkt haben und dafür sorgten, dass wir sie längst nicht mehr nur in der perfekten Bikini-Figur bestaunen können. In „Tully“ zeigt sie einen ausgesprochenen Mut zu eigenen Makeln: Die Stressfalten werden nicht mehr kaschiert, der etwas pummelige Bauch darf gerne auch mal raus hängen und die Folgen einer (Film)Geburt sollten so gut wie es geht für alle ungeschönt sichtbar sein. Diese Natürlichkeit allerdings steht ihr hervorragend, denn damit gelingt ihr in „Tully“ eine echte Charakterrolle, die mit ihren Ecken und Kanten überzeugt und es gar nicht nötig hat, ihre negativen Seiten zu verstecken.

    Einfühlsam wie bei Juno
    Dass auch „Tully“ vom Juno-Regisseur Jason Reitman stammt, sieht man dem Streifen übrigens auch gut an: Reitman hat schließlich schon immer darauf verzichtet, seine Figuren zu überdramatisieren und mit irgendwelchen Skandalthemen punkten zu wollen. Wichtig war auch damals in „Juno“ schon immer die Natürlichkeit der Charaktere, deren Probleme zwar im Mittelpunkt der Handlung standen, die aber auch mit ihrer Sympathie in die Herzen der Zuschauer eindringen konnten. Für Charlize Theron hat er sich da auch auf ihre Person zugeschnittene Ideen einfallen lassen und präsentiert sie vor allem mit einem sehr trockenen Humor, der die Stresssituationen als Mutter ziemlich selbstironisch und schwarzhumoristisch auf den Arm nimmt. Insgesamt sorgt er dadurch mit einem recht einfühlsamen Stil dafür, dass „Tully“ wie gewohnt zu keinem Zeitpunkt zu einem „schweren Stoff“ wird, sondern inszeniert unter dem Strich eben auch hier ein gekonntes Feel-Good-Movie, das so gut unterhält, dass selbst eine scheinbar so banale Geschichte über die Mutterschaft doch so gut funktioniert.

    Fazit:
    „Juno“-Regisseur Jason Reitman zeigt sich erneut von seiner einfühlsamen Seite und macht auch „Tully“ zu einem gelungenen Feel-Good-Movie, das die Zuschauer schnell in ihr Herz schließen. Dabei überzeugt vor allem Charlize Theron in einer starken Rolle voller trockenem Humor und einem ausgesprochen großen Mut, zu ihren eigenen Makeln zu stehen. Aber Achtung: Nach diesem Film möchte man vielleicht keine Kinder mehr.

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