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The Sea of Trees


The Sea of Trees

Land/Jahr:
USA 2015
Genre:
Drama / Mystery
Regie:
Gus Van Sant
Darsteller:
Matthew McConaughey
Ken Watanabe
Naomi Watts
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
107 Minuten
Kaufstart:
13. Januar 2017
Label:
Ascot Elite



Die Ehe von Arthur Brennan scheint einfach nicht mehr zu funktionieren. Seit er vor einigen Jahren eine Affäre hatte, ist seine Frau zur hoffnungslosen Alkoholikerin geworden und Streit beherrscht ihren Alltag. Aus der einstigen Liebe ist stetiges Misstrauen geworden. Für ihn steht dabei längst fest: Auf diese Weise kann und will er nicht weiterleben. Deshalb bucht er prompt einen Flug nach Japan, wo er sich im Selbstmordwald Aokigahara endgültig das Leben nehmen möchte. Doch gerade erst angekommen, trifft er dort auf einen weiteren Mann, der offenbar aus denselben Gründen in den Wald reiste und sich nun wohl doch anders entschieden hat. Seit zwei Tagen irrt dieser bereits dort umher und findet einfach den Ausgang nicht mehr. Dumm nur, dass Arthur schon bald merkt, dass der Wald scheinbar keinen der beiden wieder gehen lassen möchte…

Kritik:
Wenn die Menschen über den Tod nachdenken, kommen sie nicht selten zu dem Schluss, sich den Ort zum Sterben am liebsten selbst aussuchen zu wollen. Vor allem in einem Krankenhaus soll dies nicht stattfinden, wie auch Naomi Watts in diesem Film meint. Vielen wäre die freie Natur durchaus Recht. Und seitdem ein japanischer Bestsellerautor im Jahre 1960 vom Aokigahara-Wald schrieb, reisen jährlich hunderte Menschen dorthin, um sich selbst das Leben zu nehmen – denn den Wald voller Leichen gibt es offenbar wirklich.

Die Lust zu Sterben
Genau dieses mitunter seltsam anmutende Phänomen greift auch „The Sea of Trees“ mit Matthew McConaughey auf. Denn während in vielen Ländern auch die Sterbehilfe noch immer ein tabuisiertes Thema ist, möchte so mancher seinen Tod eben selbst in die Hand nehmen. Völlig abgeschottet von der Außenwelt und möglichst mit sich selbst im Reinen, kommt dabei ein dicht bewachsener Wald, in dem sich Menschen schon auf geringe Distanz verirren können, gerade recht. Doch wenn Hauptprotagonist Arthur wegen seines eher traurigen Lebens und der schwierig verlaufenden Ehe dort Selbstmord begehen möchte, ist schnell klar: „The Sea of Trees“ wird ein extrem melancholischer und eben tieftrauriger Film. Über seine gesamte Laufzeit hinweg wird so manch zartbesaiteter Zuschauer sicherlich nah am Wasser gebaut sein, denn wirklich amüsante oder aufmunternde Szenen gibt es hier nicht.

Depression in Bildern
Matthew McConaughey spielt dabei auch diese Rolle besonders überzeugend und zeigt in den letzten Jahren, dass er wirklich das Zeug zu einem herausragenden Charakterdarsteller hat. Bereits seine meist lustlose und apathische Mimik macht dem Zuschauer jederzeit deutlich, dass er in seiner Teilnahmslosigkeit längst die Lust an seinem Leben verloren hat. Die fehlende Hoffnung und die enorme Orientierungslosigkeit, nachdem der Drang zu Sterben erst einmal aufgekommen ist, springt schnell emotional auf das Publikum über, was „The Sea of Trees“ nicht immer zu einem leicht zu verdauenden Stoff macht. Und obwohl auf den ersten Blick eine so simple kausale Geschichte dahinter steckt, die uns in Erinnerungsfetzen erzählt, wie es zu seiner Entscheidung gekommen ist, verbirgt sich doch eine tiefere und fast schon philosophische Metapher im Kern des Films. Denn jede einzelne Szene, die in dem düsteren und gruseligen Wald gezeigt wird, spielt mit der Hoffnung seiner Protagonisten, dem Trost durch einen Glauben an das Leben nach dem Tod und der Allgegenwärtigkeit einer führenden Hand, die nicht immer sofort offensichtlich ist. Unterschwellig hat „The Sea of Trees“ also weit mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick scheint.

Mystik im Gruselwald
Dargestellt wird das alles dann durch eine Mischung aus Familiendrama und Mysterythriller. In den Rückblenden an das vergangene Eheleben entwickelt sich „The Sea of Trees“ zu einem klassischen Familiendrama über zwei streitende Eheleute, deren Entwicklung letztendlich überhaupt zu den Suizidgedanken der Hauptfigur führen. Und auf anderen Seite folgt dann die gegenwärtige Story um das Abenteuer im düsteren Aokigahara-Wald, in dem sich die Protagonisten prompt verirren und offenbar keinen Ausweg aus den vielen Bäumen mehr finden. Mit einem Mythos über spukende Geister, zahlreichen Leichen und dem vermeintlichen Eigenleben des Waldes entwickeln sich Mysteryelemente, die sogar ein klein wenig an das Märchen von „Hänsel und Gretel“ erinnern, auf das der Streifen nur allzu gerne ein wenig anspielt. Die Kombination aus diesen zwei Handlungssträngen war aber letztendlich genau die richtige Entscheidung, um „The Sea of Trees“ über seine volle Laufzeit stets spannend zu halten und keinerlei Längen entstehen zu lassen.

Fazit:
Packendes Familiendrama mit düsteren Mysteryelementen über die Lust zu Sterben, das den spannenden Mythos um den japanischen Aokigahara-Wald aufgreift – und einen Matthew McConaughey in einer weiteren Paraderolle zu bieten hat.

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