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The King’s Choice


The King’s Choice

Land/Jahr:
NOR 2016
Genre:
Kriegsfilm
Regie:
Erik Poppe
Darsteller:
Jesper Christensen
Anders B. Christiansen
Karl Markovics
Tuva Novotny
Arthur Hakalahti
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
130 Minuten
Kaufstart:
14. April 2017
Label:
Pandastorm



Norwegen im Jahre 1940: Das deutsche Nazi-Regime befindet sich bereits seit einiger Zeit im Krieg gegen Groß-Britannien. Nun soll offenbar auch Norwegen an der Reihe sein, denn ganze neunzig Schiffe sind auf dem direkten Weg nach Skandinavien, darunter zahlreiche schwer bewaffnete Kriegsschiffe. Mit ausgeschalteten Lichtern wollen sie für den Gegner unentdeckt bleiben und provozieren damit geradezu die norwegischen Streitkräfte. Doch offiziell geben sie an, das stets neutral gebliebene Norwegen vor den imperialistischen Briten beschützen zu wollen, die erst vor kurzem die norwegische Küste vermint haben, um ihre Position im Kampf gegen die Deutschen zu verbessern. Die Situation eskaliert schnell und aus einer angeblichen Schutzanordnung wird prompt eine Invasion Norwegens, sollte der König nicht auf die Forderungen der Deutschen eingehen und ebenfalls kapitulieren, wie es zuvor die Dänen taten. Für König Haakon VII steht damit die schwierigste Entscheidung seiner Amtszeit bevor…

Kritik:
Während des Zweiten Weltkrieges gab es Ereignisse, die nicht unbedingt vordergründiger Teil der deutschen Geschichtsbücher sind. Denn in deutschen Schulen fokussiert man sich heute doch oftmals auf die Ideologie, die Judenverfolgung und die deutsche Ostfront, die den Kern des Krieges ausmachte. Für andere Länder liegen die Prioritäten der Geschichte aber oftmals an anderer Stelle, während hierzulande so mancher Bürger nicht einmal von der Existenz der Konflikte weiß. „The King’s Choice“ zeigt uns dieses Mal die norwegische Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg.

Angriff auf Norwegen
Eigentlich ist es sogar ein bisschen erschreckend, denn würde man so manchen deutschen Staatsbürger fragen, was die Wehrmacht einst in Norwegen angerichtet hat, kämen vermutlich nur fragende Reaktionen. Dabei war das damalige politische und kriegstaktische Spiel tatsächlich überaus hinterlistig: Den imperialistischen Briten die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen, um das neutrale Norwegen zu einem weiteren Verbündeten des Dreimächtepaktes zu machen, war aus deutscher Sicht damals sicherlich geschickt. Die darauf folgenden trägen politischen Strukturen der parlamentarischen Monarchie geradezu ein Sinnbild dafür, wie eingeschränkt die Handlungsfähigkeit eines demokratischen Staates doch sein kann. Doch während der König damit einst vor schwierige Entscheidungen gestellt wurde, entpuppt sich „The King’s Choice“ als ein intelligentes politisches Spiel um die Macht in Norwegen – rund um Erpressungen und einen verzweifelten Diplomaten, der den Krieg irgendwie noch abzuwenden versucht.

Der unsichtbare Angreifer
Dieses Kalkül bringt der Kriegsstreifen dabei auch in seinen Bildern rüber. Sogar dann, wenn die eigentlichen Kriegshandlungen gezeigt werden und der offene Kampf droht. Das langsame Anschleichen von Kriegsschiffen ohne Beleuchtung, die in der Dunkelheit der Nacht nur schwer zu erkennen sind und das taktische Geschick des Militärs nur allzu deutlich machte, braucht sich dabei vor klassischen amerikanischen Actionstreifen ganz sicher nicht zu verstecken. Dazu ein Spannung aufbauender Soundtrack, der mit seinen dröhnenden Tönen die kommende Gefahr nur allzu gut unterstützt und leicht spürbar macht, wie sich norwegische Bürger und Soldaten gefühlt haben müssen, den Krieg geradezu erwartet zu haben. Spätestens wenn es eindrucksvoll in den Radionachrichten heißt, dass zahlreiche Kriegsschiffe auf dem Weg sind, kann sich jeder Zuschauer bestens in die Angstsituation hineinversetzen, die vorgeherrscht haben muss, als angesichts der Situation in anderen Ländern jedem die drohende Gefahr klar war. Inszenatorisch steht also fest: „The King’s Choice“ macht verdammt viel richtig und versetzt uns direkt mitten in den Krieg.

Der verletzliche König
Dem Streifen gelingt dabei aber auch ein interessanter Spagat. Kann man sich einerseits in die Lage der Bevölkerung versetzen, so bleibt auch eine erstaunliche Nähe zum damaligen König Haakon VII. bestehen. Ein Leichtes kann es dabei sein, sich in die Gefühlslage des Königs ebenso zu versetzen, wie in die des einfachen Bürgers. Das liegt allerdings auch an der einfühlsamen Darstellung eben jenes Königs, den man nur schwer von der normalen Bevölkerung unterscheiden kann. Das heutige Symbol des norwegischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus wird nämlich von einer enorm verletzlichen Seite gezeigt, wenn er selbst ängstlich zusammengekauert in einem Eisenbahnwaggon hockt oder sich während eines Luftangriffs in einer Deckung verkriecht. Die norwegischen Filmemacher haben damit den Mut, ihr eigenes Nationalsymbol von einer schwachen und zerbrechlichen Seite zu zeigen. Ein Staatsoberhaupt zu zeigen, das zurecht einfach mal Angst haben darf. Das ist nicht nur herausragend von Jesper Christensen gespielt, sondern darüber hinaus äußerst authentisch. „The King’s Choice“ bleibt damit bis zur letzten Minute beeindruckend – ohne auch nur ein einziges Mal Hitler zu zeigen.

Fazit:
Der Zweite Weltkrieg einmal mehr von einer anderen Perspektive: „The King’s Choice“ befasst sich mit dem „Weserübung“ genannten Angriff auf Norwegen im Jahre 1940 und zeigt dabei ein nationales Symbol des Widerstands von einer erstaunlich zerbrechlichen und ängstlichen Seite. Beeindruckend authentisch.

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