The Greatest Showman - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    The Greatest Showman

    The Greatest Showman


    Land/Jahr:
    USA 2017
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Michael Gracey
    Darsteller:
    Hugh Jackman
    Michelle Williams
    Rebecca Ferguson
    Zac Efron
    Paul Sparks
    Zendaya
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Dauer:
    104 Minuten
    Kaufstart:
    17. Mai 2018
    Label:
    20th Century Fox

    Der junge P.T. Barnum hatte es in seinem bisherigen Leben nicht immer leicht. In sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen, hielt er sich bereits in sehr jungen Jahren als Zeitungsjunge über Wasser und musste seit je her mit Diskriminierung und Ausgrenzung leben. Das allerdings hat ihn nie abgehalten, sich in die hübsche Charity zu verlieben, für die seine Armut nie eine große Rolle spielte. Barnum allerdings wollte sich nicht damit abfinden, stets in Bescheidenheit zu leben: Er nahm sein Glück kurzerhand selbst in die Hand und versuchte sich an einem Zirkus voller Kuriositäten, bei dem er die Menschen mit einer Freakshow unterhielt. Doch während der Ruhm nicht lange auf sich warten ließ, hatte er mitunter auch den Hass seiner Mitmenschen auf seiner Seite…

    Kritik:
    Eines gehört zu jeder Oscarverleihung fast automatisch mit dazu: Eine Musicalverfilmung, die ihre Geschichte mit kitschigen Popsongs inszeniert und dabei auf eindrucksvolle Kamerafahrten setzt. Was im Vorjahr noch mit „La La Land“ gelungen ist, sollte immerhin auch „The Greatest Showman“ eine Oscarnominierung einbringen. Und klar ist: Die Ähnlichkeiten sind sicherlich nicht zu leugnen.

    Drama vs. Musical
    Somit gehört auch „The Greatest Showman“ zu eben jenen Musicalfilmen, die mit manchmal etwas zu ausschweifendem Gesang vielleicht sogar ein bisschen nerven können und auf die sich der Zuschauer in jedem Fall erst einmal einlassen muss. Auf den ersten Blick kann das schwer fallen, denn wie auch zuvor „La La Land“ möchte man mit Tanz und Gesang gleich einsteigen, noch bevor der Zuschauer überhaupt über die eigentliche Story aufgeklärt wurde. Beeindruckende Kameraführungen, schnelle Schnitte und eine opulente Kostümshow sollen schließlich als Eyecatcher dienen und das Publikum des Films einfangen – ganz so, wie es auch der Showmaster in seinem Zirkus möchte, in dem er die Augen seines Publikums auf die Sensationen seines Bühnenprogramms fixiert. Rein technisch gesehen klappt das bereits in den ersten Minuten hervorragend, emotional braucht es für die meisten Zuschauer dann aber doch ein bisschen mehr.

    Jackmans Kuriositätenkabinett
    Dieses „Mehr“ soll der Streifen dann aber auch schon bald zu bieten haben, wenn die Story ein wenig mehr Tiefgang erhält und die eigentliche Show rund um den Zirkus allmählich an Fahrt aufnimmt. Jetzt kommt der eigentlich unterhaltsame Part des Films: Der regelmäßige Auftritt von kuriosen „Freaks“ unterschiedlicher Größen, Formen und Hautfarben. Vom dicksten Mann der Welt bis zum Riesen, vom Hundemenschen bis zur bärtigen Frau und vom Kleinwüchsigen bis zum Farbigen. Eines allerdings wird dabei ebenso schnell klar: „The Greatest Showman“ zielt auf ein etwas zu dick aufgetragenes politisches Statement ab, bei dem es um Antidiskriminierung, Antirassismus und Feminismus geht. Eigentlich alles, was Hollywood seit der „MeToo“-Debatte bewegt in einem Film vereint und gerade das kann in diesem Umfang manchmal auch etwas zu viel des Guten sein. Nämlich dann, wenn ausgerechnet die bärtige Frau als Mix aus Conchita Wurst und Netta Barzilai die Anführerin der Unterdrückten mimt und „The Greatest Showman“ in seinen zahlreichen Klischees beinahe zu ertrinken droht.

    Die diskriminierten Models
    Das schwächelt dann allerdings auch auf Grund des Casts. Etwa dann, wenn uns Zendaya in der Rolle der vermeintlich Farbigen weiß machen möchte, dass sie Rassismus und Ausgrenzung ausgesetzt ist. Mit der Glaubwürdigkeit hapert es vor allem deshalb, weil die Schauspielerin mit ihren sportlichen 1,78m genauso gut ein perfekt aussehendes Werbemodel darstellen könnte, dem die Welt praktisch zu Füßen liegt. Hier springt der Funke schlichtweg nicht über, wenn sie in einigen wenigen Szenen vor den reichen Snobs steht und angeblich gleichermaßen ausgegrenzt wird, wie ein Kleinwüchsiger oder extrem behaarter „Hundemensch“. Das allerdings ist längst nicht der einzige Punkt, an dem „The Greatest Showman“ unter seiner glanzvoll und scheinbar perfekt inszenierten „Show der Täuschung“ schwächelt, die auf den zweiten Blick – ironischerweise ebenso wie die Show von Barnum – doch nur eine Fassade für den allgemeinen Massengeschmack zu bieten hat.

    Aus der Zeit gefallenes Pop-Märchen
    So manch einem Zuschauer mag da schließlich auch nicht ganz erschließen, wieso eine Handlung, die eigentlich im 19. Jahrhundert spielen soll, von Popsongs der vergangenen Jahre erzählt wird. An der Tatsache, dass Klischee-Popmusik aus den heutigen Charts schlichtweg nicht in eine Zeit von vor fast zweihundert Jahren passen will, kann auch die Oscarnominierung für den besten Filmsong – der sicherlich unabhängig von der Filmthematik betrachtet durchaus qualitativ ist – nichts ändern. Selbiges gilt dann für eine Rebecca Ferguson als Opernsängerin, die zwar mit einer eindrucksvollen Kraft in ihrer Stimme performt, dabei aber ebenso perfekt klingt, als hätte sie ihre Songs in einem Studio der 2000er Jahre aufgenommen – und nicht auf einer Theaterbühne des 19. Jahrhunderts vorgetragen. Zu viel Hochglanz, Kitsch und Perfektion mag zwar schick aussehen, trägt aber eben nicht immer zu einem glaubwürdigen Filmerlebnis bei, wie „The Greatest Showman“ leider etwas zu eindrucksvoll unter Beweis stellt.

    Gesellschaftskritik voller Klischees
    Behält man das im Hinterkopf und erwartet dann auch nur noch ein schlichtes Popmärchen für den Massenmarkt, kann man aber von „The Greatest Showman“ durchaus gut unterhalten werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Story – so klischeehaft sie auch sein mag – tatsächlich Interesse beim Publikum wecken kann und sich voll und ganz auf inhaltliche Elemente konzentriert, die schon vor 40 Jahren in praktisch jeder teuren Massenproduktion funktioniert haben. Vor allem eine Story über den armen Mann, der es nach ganz oben schaffen kann, dessen vor Kitsch triefende Lovestory jedes Hindernis überwinden kann und die in der Kritik an der gesellschaftlichen Spaltung zwischen Arm und Reich fast ertrinkt, funktioniert unterm Strich eben doch. Zumindest eben dann, wenn man einfach seichte, emotionale Unterhaltung möchte – und keinen Film über dessen Komplexität und Tiefgründigkeit man sich unbedingt den Kopf zerbrechen möchte. Denn wer letzteres erwartet, ist bei „The Greatest Showman“ definitiv ganz falsch.

    Fazit:
    Ein fast makellos inszeniertes und auf Hochglanz getrimmtes Popmärchen für den Mainstream, das zwar mit einer grandiosen Performance punktet, dessen Klischees, Kitsch und politische Statements aber schlichtweg deutlich zu dick aufgetragen werden.

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