The Good Neighbor - Kritik – Virtual DVD Magazine


The Good Neighbor


The Good Neighbor

Land/Jahr:
USA 2016
Genre:
Thriller
Regie:
Kasra Farahani
Darsteller:
James Caan
Logan Miller
Keir Gilchrist
Laura Innes
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
93 Minuten
Kaufstart:
23. November 2017
Label:
OFDb Filmworks



Teenager kommen manchmal auf ziemlich verrückte Ideen. So auch die beiden Jungs Ethan und Sean, die ihren älteren Nachbarn so gar nicht leiden können. Und da kommt ihnen ein perfides Experiment in den Sinn: Sie wollen herausfinden, wie ein Mensch reagiert, wenn er mit übernatürlichen Phänomenen konfrontiert wird. Dafür brechen sie in sein Haus ein, installieren umfangreiches Überwachungsequipment und sorgen dafür, dass sie Bewegungen der Türen oder die Funktion der Lampen fernsteuern können. Schon nach den ersten Tagen zeigt sich die erhoffte Wirkung und der Nachbar scheint tatsächlich zu glauben, dass es in seinem Haus spukt. Dumm nur, dass er gänzlich anders darauf reagiert, als die Jungs zunächst erwartet hatten. Versteckt der Nachbar also ein dunkles Geheimnis, das sogar die Sicherheit der beiden Freunde gefährden könnte oder reagiert er lediglich auf Grund von psychischen Problemen so unerwartet?

Kritik:
Im Zeitalter des Internets sind sogenannte „Pranks“ schon zu einem echten Onlinetrend geworden. Da werden ahnungslose Menschen erschreckt und gefährliche Streiche gespielt. Doch was, wenn man diese Idee einfach mal mit ein bisschen Voyeurismus und paranormalen Aktivitäten kombinieren würde?

Voyeurismus mit Deckenkameras
Hinsichtlich seines Inszenierungsstils erinnert uns „The Good Neighbor“ schließlich wirklich an die berühmte Horrorfilm-Reihe „Paranormal Activity“. Überwiegend sehen wir das Opfer dabei aus der Deckenkameraperspektive und schauen uns geradezu voyeuristisch an, wie er auf unvorhergesehene Situationen und vermeintliche Poltergeister reagiert. Und dabei setzt man meistens auf einen Amateurkamera-Look, bei dem der Bildausschnitt so klein ist, dass wir auf dem heimischen Fernseher rundherum Balken sehen – und das unlogischerweise, obwohl die OSD-Anzeige der Kamera verrät, dass sie eigentlich zu Full HD in der Lage sein sollte. Damit möchte man offenbar die Glaubwürdigkeit des Films fördern, sorgt anfänglich aber dafür, dass die optische Erscheinung des Streifens eher als störend empfunden wird.

Die erfundene Doku
Die Idee dahinter ist allerdings durchaus gut gelungen. Denn während die „Paranormal Activity“-Reihe uns noch weiß machen möchte, die Protagonisten hätten es mit tatsächlichen Geistern zu tun und wir dabei mitunter gelangweilt auf das nächste Ereignis warten, unterscheidet sich der Ablauf in „The Good Neighbor“ grundlegend. Nun erleben wir den Film schließlich aus der Perspektive zweier Jungs, die den Spuk und die „übernatürlichen“ Phänomene selbst erst erzeugen. Das erhöht derweil das Tempo deutlich und sorgt auch für einen weitaus höheren Spannungsaufbau. Immerhin steht nicht das Warten auf Ereignisse im Vordergrund, sondern die überaus faszinierende Beobachtung menschlicher Reaktionen. Und dadurch entwickelt sich „The Good Neighbor“ nach und nach zu einem Thriller, dessen Handlungsablauf unvorhersehbar erscheint. Denn ein potentiell psychisch krankes Opfer reagiert wahrlich nicht so, wie man es von normalen Menschen erwarten würde.

Der fehlende Elektriker
Schade ist dann nur, dass „The Good Neighbor“ offenbar einige seiner grundlegenden Logikfehler übersieht. So mag es mitdenkende Zuschauer doch schließlich verwundern, warum nicht einmal in Betracht gezogen wird, dass das Opfer bei flackerndem Licht etwa den Elektriker ruft oder bei einer zerdepperten Scheibe den nächstgelegenen Glaser informiert. Wie selbstverständlich scheinen die beiden Hauptprotagonisten nicht einmal in Betracht zu ziehen, dass ihr Experiment durch derartige Reaktionen möglicherweise auffliegen könnte. Immerhin rettet sich der Streifen dann damit, dass die Handlungen zumindest aus Sicht des Opfers durchaus nachvollziehbar sind. Spätestens die Aufklärung seines Handels sorgt zum Schluss dann nicht nur für Überraschungsmomente, sondern auch noch für ein starkes Ende mit dem „The Good Neighbor“ selbst seinen Handkamera-Look schnell vergessen lässt.

Fazit:
Im klassischen Mockumentary-Stil inszeniert, entwickelt sich „The Good Neighbor“ zu einem fesselnden Thriller mit psychologischem Tiefgang, der vor allem die voyeuristische Ader des Publikums befriedigen wird.

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