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The Circle


The Circle

Land/Jahr:
USA 2017
Genre:
Thriller
Regie:
James Ponsoldt
Darsteller:
Emma Watson
Tom Hanks
Patton Oswalt
John Boyega
Karen Gillan
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
110 Minuten
Kaufstart:
26. Januar 2018
Label:
Universum Film



Die 24-jährige Mae hat gerade ihren Universitätsabschluss hinter sich gebracht und möchte nun beruflich endlich durchstarten. Dank ihrer Freundin Annie fällt ihr das auch ziemlich leicht, denn der Traumjob lässt nicht lange auf sich warten. Voller Begeisterung stürzt sie sich in den neuen Job bei einem Technologieunternehmen, das die ganze Welt miteinander vernetzen soll. Online-Dienste, die bisher von zahlreichen verschiedenen Firmen angeboten wurden, sollen dort von nun an aus einer Hand geliefert werden. Und da am besten gleich verpflichtend für jeden wahlberechtigten Bürger, der über jene Plattform auch gleichzeitig seine Stimme abgeben darf. Dumm nur, dass genau dieses Vorhaben auch mit einer Abschaffung jeglicher Privatsphäre verbunden ist – und Mae noch gar nicht ahnt, worauf sie sich hierbei eingelassen hat…

Kritik:
In der Welt der sozialen Medien wird die freiwillige Weitergabe von Daten und Informationen häufig als nützlich betrachtet. Doch die Gefahren hinter der massenhaften Ansammlung von persönlichen Daten sind den meisten keineswegs bewusst. „The Circle“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Orwells Idee einer totalen Überwachung filmisch umzusetzen und dabei den Staat durch Technologieunternehmen zu ersetzen.

Die totale Überwachung
Der durchschnittliche Internetnutzer verfügt über zahlreiche verschiedene Accounts. Google, Facebook und Apple auf der einen Seite oder aber auch Steam, Uplay und Origin auf der anderen Seite. Die meisten stören sich nicht selten daran, sich unzählige Passwörter merken zu müssen und haufenweise Accounts gleichzeitig zu verwalten. Wie unglaublich praktisch es doch da wäre, wenn einfach alles aus einer Hand käme – ganz egal, ob soziale Medien, Spiele, Online-Shopping, Gesundheitsvorsorge oder selbst das Wählen bei der nächsten Präsidentschaftswahl. Jeder wäre mit jedem verbunden und mit der richtigen Technologie könnten Defizite in allen Bereichen des Lebens beiseite geschafft werden. Eine Traumvorstellung – oder doch eher der wahre Horror? Da läuft einem jedenfalls schon ein richtiger Schauer über den Rücken, wenn wir in „The Circle“ ein solches durchaus nicht unrealistisches Szenario bewundern dürfen, das sich relativ frei bei Orwell bedient, aber sich dabei an gegenwärtigen Technologien orientiert.

Orwell mal anders
In „The Circle“ nämlich ist nicht der Staat der große Feind, der jeden Bürger überwachen möchte. Es sind die Technologieunternehmen, die persönliche Daten zu Geld machen wollen und jeden Menschen auf der Welt an seinen Dienst binden wollen – notfalls auch erzwungen. Der eigentliche Bösewicht in diesem Streifen sind Unternehmen wie Facebook oder Google, die hier unter dem Namen „The Circle“ zu einem übermächtigen Riesenkonzern mit Monopol heranwachsen. Und dabei ist es erschreckend, wie glaubwürdig der Streifen ein solches Unternehmen darstellen kann: Der Beginn des Films wirkt daher nicht zufällig wie ein Werbevideo von Facebook oder Apple. Und auch Tom Hanks passt als smarter bärtiger Visionär perfekt in die Rolle des Firmenbosses, der genauso gut in die Fußstapfen von Steve Jobs hätte treten können. Zumindest er scheint in seiner Rolle optimal besetzt zu sein.

Arbeit ist Leben
Noch erschreckender erscheint, wie realistisch „The Circle“ auch das Arbeitsleben in solch einem Technologieunternehmen darstellen kann. Es scheint fast, als hätte man die Idee eines innovativen Arbeitskonzeptes, wie man es heutzutage aus diversen kleinen Start Ups kennt, auf einen Großkonzern übertragen. Ein Unternehmen, das nicht einfach nur als Arbeitsplatz dienen soll, sondern zugleich auch als Lebensraum für seine Mitarbeiter. Ein Ort, an dem sie ihre Freizeit verbringen, Freunde haben und neben der Arbeit auch ihre Profile in sozialen Medien pflegen oder dem ein oder anderen Spielespaß nachgehen können. Als hätte man die Idee kleiner realer Startup-Büros mit ihren Kickertischen und Aufenthaltsräumen im Großformat umgesetzt. Wenn einem nicht bei der Abschaffung der Privatsphäre ein Schauer über den Rücken gelaufen ist, dann spätestens an dieser Stelle, wenn man sich an so manches IT-Unternehmen erinnert, bei dem man womöglich schon einmal vorstellig wurde.

Druck der Gesellschaft
Ebenso beängstigend ist dabei die realistische Darstellung des gesellschaftlichen und sozialen Drucks und seinen Auswirkungen, wie man sie durchaus auch in der Realität kennt. „Freiwillig“ und völlig ohne jegliche Zwänge soll die Preisgabe der Privatsphäre und die Teilhabe an Freizeitaktivitäten sein. Aber nur auf den ersten Blick: Denn wer sich nicht dem sozialen Netzwerk anschließt, bei dem auch alle anderen Mitglied sind, wird schnell bedrängt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Nimmt das erst einmal derartig überhand, dass selbst medizinische Informationen für jeden „Freund“ online abrufbar sind und jeder Moment der Traurigkeit öffentlich sichtbar wird, kann sozialer Druck und Bedrängnis von außen ungeahnte Ausmaße annehmen. „The Circle“ denkt das Facebook-Szenario also ein wenig weiter und beleuchtet glaubwürdig die Auswirkungen einer kompletten Aufgabe jeglicher Privatsphäre zugunsten sozialer Medien. Faszinierend und beängstigend zugleich, wenn die Auswirkungen mangelnder Rückzugsmöglichkeiten auf die Psyche beleuchtet werden.

Die naive Digital Native
Da ist es an der Stelle schon fast ein bisschen schade, dass Emma Watson in der Hauptrolle nicht gänzlich überzeugen kann, obwohl sie zu Beginn durchaus noch den Eindruck hinterlässt. Dass sie als 24-jährige Neueinsteigerin in ihrem Beruf ein wenig naiv und von den vielen Eindrücken zunächst überwältigt rüber kommt, das jedenfalls mögen wir ihr noch abkaufen. Kommen im späteren Verlauf des Films aber ständige Winks mit dem Zaunpfahl vor, die sie geradezu auf die Problematik der totalen Überwachung und die Machenschaften des Unternehmens hinweisen, macht die Naivität der im realen Leben als Frauenrechtlerin aktiven Emma Watson zunehmend einen unglaubwürdigeren Eindruck. Spätestens, wenn sie dann auch noch persönlich von den Eingriffen in ihre Privatsphäre betroffen ist, fällt es definitiv schwer, ihr die Überzeugung von der Technologie weiterhin abzukaufen. Da macht „The Circle“ die vermeintlichen Orwell-Qualitäten leider zugleich auch mit einem zum Ende hin absurd erscheinenden Drehbuch immer weiter kaputt – und hinterlässt trotz der anfänglich erschreckend glaubwürdigen Darstellung hinterher einen gemischten Eindruck.

Fazit:
Erschreckend realistisch denkt „The Circle“ die Auswirkungen von sozialen Medien und der Abschaffung jeglicher Privatsphäre auf das gesellschaftliche Leben weiter und inszeniert dabei ein Orwell-Szenario, das mit der Nutzung gegenwärtiger Technologien besonders beängstigend wirkt. Schade ist da lediglich, dass Emma Watson als naive Mitarbeiterin auf Grund eines im späteren Verlauf in Bezug auf ihre Person zunehmend absurder erscheinenden Drehbuchs nicht gänzlich überzeugen kann.

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