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Sweet Virginia


Sweet Virginia

Land/Jahr:
USA / CDN 2017
Genre:
Thriller
Regie:
Jamie M. Dagg
Darsteller:
Jon Bernthal
Christopher Abbott
Imogen Poots
Rosemarie DeWitt
Odessa Young
FSK:
ab 16 Jahren
Dauer:
93 Minuten
Kaufstart:
25. Januar 2018
Label:
Eurovideo



Nachdem Sam seine eher glücklose Vergangenheit zurückgelassen hat, ist er mittlerweile Besitzer eines Motels in einer amerikanischen Kleinstadt. Bis auf ein paar Beschwerden über Lärmbelästigung, bleibt es dort für gewöhnlich auch ziemlich ruhig. Das könnte sich allerdings schon bald ändern, als plötzlich Elwood in dem Motel eincheckt und für einige Tage bleiben möchte. Elwood hat nämlich vor kurzem drei Männer ermordet, mit denen Sam schon seit vielen Jahren in Verbindung steht. Immerhin hat Sam eine Affäre mit der Frau von einem der getöteten Männer. Und ausgerechnet die Frau eines weiteren Opfers scheint den Mörder offenbar beauftragt zu haben – und kann nun scheinbar die Rechnung nicht bezahlen. Und damit steht schnell fest, dass Sam schon bald genau zwischen die Fronten geraten wird…

Kritik:
Bei Serienfans ist Jon Bernthal längst ein beliebter und bekannter Name. Immerhin sorgte er nach seiner Rolle in „The Walking Dead“ vor allem als „The Punisher“ für Begeisterung bei den Comic-Fans. Mit „Sweet Virginia“ möchte er nun zeigen, dass er gute Filme ebenso meistern kann.

Ein verletzlicher Punisher
Wer allerdings nun gedacht hat, dass Jon „Punisher“ Bernthal einmal mehr kurzen Prozess mit seinen Gegnern macht und als scheinbar unbesiegbarer Actionheld in Erscheinung tritt, könnte von „Sweet Virginia“ schnell enttäuscht sein. Dieses Mal liefert der Serienheld schließlich eine ganz andere Rolle ab und versucht es eher einmal mit einer etwas schwierigeren Charakterdarstellung. Dazu gehört natürlich auch, dass er keineswegs die Schläge austeilt, sondern eigentlich viel mehr einsteckt. Im langen und etwas ungepflegt erscheinenden Vollbart haben wir ihn immerhin schon einmal gesehen, doch als Protagonisten mit einer Nervenkrankheit dürfte Bernthal ein eher ungewohntes Bild abgeben. Da darf er auch gerne einmal humpeln, zittern und im Kampf mit seinen Gegnern ein wenig Schwäche zeigen. Denn dieser Bernthal ist ein sehr verletzlicher und gebrechlicher Actionheld.

Der Mörder von Nebenan
Generell überrascht „Sweet Virginia“ mit seiner ungewohnt ruhigen Inszenierung, die man angesichts des Hauptdarstellers womöglich nicht erwartet. Insgesamt wurde der Thriller schließlich eher dialoglastig inszeniert und konzentriert sich voll und ganz auf die Charaktere. Blutige Actionszenen sehen wir insgesamt nur recht wenig und bis auf den anfänglichen Mord dann doch eher zum Showdown am Ende. Bis dahin punktet der Streifen vor allem mit einem beklemmenden Bedrohungsszenario, das dadurch gut funktioniert, dass der Feind völlig unerkannt ständig um die Protagonisten herum schleicht. Das Eindringen in die Privatsphäre der potentiellen Opfer und das Gewinnen von Vertrauen sorgt in den zahlreichen, intelligent inszenierten Gesprächen für die eigentliche Spannung. Denn, dass es sich beim Gegenüber um einen Mörder handelt, weiß schließlich nur eine Person: Der Zuschauer. Und da kann der grandiose Christopher Abbott als Elwood schon durch seine bloße Anwesenheit für Dramaturgie sorgen.

Die ständige Dunkelheit
Damit „Sweet Virginia“ aber auch atmosphärisch funktioniert, hat man sich offenbar das ein oder andere Stilmittel bei den klassischen 80iger und 90iger Jahre Filmen abgeschaut. Vor allem dann, wenn es darum geht, den Thriller eher düster und dreckig erscheinen zu lassen. Gefühlt spielen mindestens zwei Drittel des Films in der Nacht, gerne auch einmal bei strömendem Regen. Dadurch kombiniert der Streifen die Herangehensweise des Täters gekonnt mit einer beklemmenden Atmosphäre, die genau im richtigen Moment mit den Lichteffekten spielt und die Ereignisse in der trostlosen Nacht noch ein wenig bedrückender erscheinen lässt. Das macht „Sweet Virginia“ angesichts seiner vergleichsweise simplen Handlung zwar sicherlich noch nicht zum Meisterwerk, als solider Genrefilm funktioniert der Streifen allerdings hervorragend. Vorausgesetzt man erwartet eben keine knallharte Daueraction, nur weil Jon Bernthal auf dem Cover steht.

Fazit:
Jon „The Punisher“ Bernthal kommt erstaunlich ruhig und gebrechlich daher, inszeniert jedoch einen beklemmenden und düsteren Thriller, der mit Dialogen und einem Eindringen in die Privatsphäre der Opfer punktet.

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