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Snowden


Snowden

Land/Jahr:
USA 2016
Genre:
Thriller
Regie:
Oliver Stone
Darsteller:
Joseph Gordon-Levitt
Shailene Woodley
Rhys Ifans
Nicolas Cage
Scott Eastwood
Melissa Leo
Zachary Quinto
Timothy Olyphant
FSK:
ab 12 Jahren
Dauer:
135 Minuten
Kaufstart:
7. April 2017
Label:
Universum Film



Für den Staat wollte Edward Snowden eigentlich schon immer arbeiten, doch bei seiner bisherigen Laufbahn stellte sich schnell heraus, dass der Militärdienst wahrlich nicht für ihn geeignet ist. Kaum die Dienstunfähigkeit bescheinigt, sucht er prompt nach anderen Möglichkeiten, um seinem Land ehrenvoll zu dienen. Und da kommt auch gleich der Geheimdienst ins Spiel: Mit seinen Fähigkeiten als Nerd und Informatiker kann er bei der CIA schnell Fuß fassen und in seinem jungen Alter bereits nach kurzer Zeit auf hohe Posten aufsteigen. Schon bald zählt er zu den angesehensten Entwicklern des Geheimdienstes, die in einer geheimen Basis auf Hawaii damit beschäftigt sind, umfassende Spionagesoftware zu entwickeln. Denn nachdem er mit der Überwachungssoftware Xkeystore vertraut gemacht wurde, soll er sich mit Project Heartbeat befassen, um die Überwachung internationaler Metadaten jeglicher Bürger des Planeten noch effizienter zu machen. Dumm nur, dass es Snowden schon bald mit dem schlechten Gewissen zu tun bekommt – und die Daten kurzerhand an die Presse weitergibt…

Kritik:
Der von Edward Snowden aufgedeckte Überwachungsskandal der amerikanischen Geheimdienste CIA und NSA ist mittlerweile bereits ganze vier Jahre her und war einer der größten Skandale der Menschheitsgeschichte. Geändert hat dieser aber bisher praktisch nichts. Der gleichnamige Film erzählt nun die Geschichte des Mannes, der sein gesamtes Privatleben und seine Sicherheit geopfert hat, um der Menschheit einen Dienst zu erweisen.

Der private Snowden
Mit einer beinahe autobiografischen Inszenierung einer der berühmtesten Männer der Welt begibt sich „Snowden“ auf eine sehr persönliche und auch private Ebene. Mit hoher Gründlichkeit sehen wir nicht nur den eigentlichen Überwachungsskandal, sondern erhalten auch einen recht frühen Einblick in sein Leben. Der Streifen beginnt dabei bereits beim Beginn seiner Karriere, als Edward Snowden wegen eines Unfalls den Militärdienst verlassen musste und anfänglich begann, beim Geheimdienst mit seinen umfangreichen IT- und Sprachkenntnissen Fuß zu fassen. Und das hat es dramaturgisch ziemlich in sich, denn im Detail schildert das Drama sehr eindringlich die schwierige familiäre Situation mit seiner Freundin Lindsay Mills, die auf Grund der Verschwiegenheitsverpflichtung und der ständigen Umzüge und Reisen in fremde Länder stets drohte, endgültig zu zerbrechen. Damit macht der Film also auch darauf aufmerksam, wie viel der von vielen als Held verehrte Whistleblower letztendlich geopfert hat, um die Menschheit über die Machenschaften der Regierungen aufmerksam zu machen.

Ein politisches Statement
Gleichzeitig macht „Snowden“ nicht nur auf persönlicher Ebene ziemlich viel richtig, sondern auch hinsichtlich seiner durchaus mutigen Haltung. In Zeiten des regelmäßigen Trump-Bashings erscheint es nämlich geradezu ungewöhnlich und erfrischend, dass vor allem der mittlerweile ausgeschiedene Präsident Obama im Kern der Kritik steht. Eines der wohl wichtigsten Zitate des Films, in denen Snowden schildert, die Hoffnung auf eine Wende zum Besseren unter der Führung Obamas gehabt zu haben, kann man sicherlich als klare Ansage betrachten, durch welche der Streifen den Mut beweist, politische Kritik gegen überwiegend umjubelte Staatsoberhäupter anzubringen. Das Publikum muss hier nicht erst selbst recherchieren, um politische Zusammenhänge zu begreifen, sondern bekommt sie geradezu knallhart serviert. Ein großer Pluspunkt für den Film. Zumal, sich „Snowden“ größte Mühe gibt, auch technisch möglichst nah an der Realität zu bleiben und die Umsetzung der Überwachungsmaßnahmen einerseits zwar auch für den Laien verständlich, andererseits aber auch glaubwürdig darzustellen. Kurz gesagt: Auch Zuschauer mit guten Informatikkenntnissen werden an „Snowden“ ihren Spaß haben.

Zu bekannte Gesichter
Man darf sich unterdessen allerdings zurecht die Frage stellen, ob es sich bei der Besetzung des Films tatsächlich um die beste Wahl handelt. Eines ist dabei klar: Joseph Gordon-Levitt gelingt es dabei bestens, sein Vorbild vor allem optisch zu treffen und auch die Figur des liebenswerten Nerds gekonnt darzustellen. Da wären aber andererseits auch etwas zu bekannte Gesichter, die nicht immer perfekt gewählt zu sein scheinen. Insbesondere Nicolas Cage stellt derweil immerhin einen zu speziellen Charakter, um als Mitarbeiter der CIA tatsächlich glaubwürdig rüberzukommen. Und auch Zachary Quinto hat mittlerweile doch etwas zu sehr den Ruf des jungen Spocks, als dass man ihm hier die Rolle des erfahrenen Guardian-Reporters abkaufen könnte. Ganz zu schweigen von der doch etwas zu „gewohnten“ deutschen Synchronisation, die die Figuren zu sehr wie Actionrollen klingen lässt, als wie hochintelligente Nerds mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Trotz der ansonsten durchweg gelungenen und unterhaltsamen Inszenierung, bleibt somit auch „Snowden“ nicht ohne Schwächen.

Fazit:
Mit wichtigen politischen Statements gegen die ehemalige amerikanische Regierung und einer gekonnten Inszenierung der Hauptfigur kann „Snowden“ nicht nur unterhalten, sondern regt das Publikum mittlerweile vier Jahre nach den Enthüllungen sehr zum Nachdenken an. Lediglich die Wahl der Darsteller fiel nicht immer optimal aus.

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