Schneeflöckchen - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Schneeflöckchen

    Schneeflöckchen


    Land/Jahr:
    D 2017
    Genre:
    Action
    Regie:
    Adolfo J. Kolmerer
    William James
    Darsteller:
    Reza Bojerdi
    Erkan Acar
    Adrian Topol
    Xenia G. Assenza
    Judith Hoersch
    Alexander Schubert
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    121 Minuten
    Kaufstart:
    23. November 2018
    Label:
    Capelight

    Seitdem die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft komplett zusammengebrochen ist, herrschen Chaos und Anarchie auf den Straßen von Berlin. Brutale Gewalt gehört mittlerweile zum völlig normalen Alltag, in dem der Tod selbst in der nächsten Dönerbude lauern könnte. Die beiden Freunde Tan und Javid sind unterdessen leider längst Opfer dieser Umstände, als sie beim Streit mit ihrem Dönermann kurzerhand die Eltern einer jungen Frau erschießen. Dumm nur, dass die es nicht dabei belassen will und kurzerhand blutige Rache an den beiden Mördern schwört und dafür diverse Auftragskiller anheuert. Bevor Tan und Javid allerdings auch nur einem davon begegnen, finden sie auf der Rückbank eines gestohlenen Fahrzeuges plötzlich ein mysteriöses Drehbuch, in dem alles bereits geschrieben steht, was die beiden tun werden – und das tritt dann auch exakt genauso ein…

    Kritik:
    Ein Genrefilm aus Deutschland und dann auch noch eine richtige Actionkomödie? Da darf man schonmal drei Kreuze im Kalender machen, ist das doch schließlich hierzulande eine echte Seltenheit. Bei einem durch Crowdfunding realisierten Indie-Film ist aber offenbar doch alles möglich und einmal mehr könnte sich herausstellen: Mit einem größtenteils unbekannten Cast kann selbst deutsches Kino plötzlich doch erstaunlich unterhaltsam sein.

    Deutsches Kino mit Mindfuck-Momenten
    Und so entsteht dann plötzlich ein Streifen, der deutsch-türkische Kultur selbstironisch auf den Arm nimmt und noch dazu eine ziemlich irrwitzige Handlung zu bieten hat. „Schneeflöckchen“ handelt schließlich von zwei Türken, die von den Leichen in ihrer direkten Umgebung unterhaltsamerweise völllig unbeeindruckt, plötzlich ein Drehbuch mit ihrem eigenen zukünftigen Leben entdecken. Eigentlich schon verrückt genug, dass praktisch alles exakt so eintritt, wie es dort schicksalsartig geschrieben steht. Noch verrückter, dass sie dann auch noch lesen, dass sie ihr Drehbuch lesen und dabei Dialoge lesen, die sie währenddessen tatsächlich erwähnen. Machen sie sich dann auch noch (wie es im Drehbuch steht) auf die Suche nach dem Drehbuchautor, um ihn (wie es im Drehbuch steht) zum Umschreiben des Drehbuchs zu zwingen, dürften die ersten Mindfuck-Momente auftauchen und so mancher Zuschauer einen kleinen Knoten im Kopf haben. Aber seien wir ehrlich: So etwas Durchgeknalltes erwartet vom deutschen Kino wohl niemand und das lässt die Begeisterung für dieses verrückte Werk gleich ein bisschen mehr steigen.

    Trash mit Trash parodiert
    Und man mag es kaum glauben: Wenn es um die Verrücktheit dieser Inszenierung geht, gelingt es den Regisseuren Adolfo J. Kolmerer und William James tatsächlich auch noch, einen drauf zu setzen. Denn die Idee ist klar: Wenn der Tag zweier Hauptfiguren exakt so abläuft, wie in einem Drehbuch, das sie erst vor kurzem gefunden haben, dann können da ziemlich viele absurde Dinge geschehen und man könnte eigentlich alles hinein schreiben, was einem in den Sinn kommt – ganz egal, ob der Inhalt immer schlüssig ist. Eine perfekte Einladung also, um praktisch die gesamte Filmlandschaft mitsamt seines Trashs gewaltig auf die Schippe zu nehmen, wenn auf einmal Nazis, Kannibalen, Androiden, Superhelden und andere skurrile Figuren zu den Widersachern der beiden Türken gehören, die selbst das Genre des Buddy-Movies in gewisser Weise noch auf den Arm nehmen. Im Prinzip ist „Schneeflöckchen“ damit ein echter Kracher, der vor allem die Dauer-Filmkonsumenten damit begeistern kann, dass sie praktisch jede eingebaute Anspielung verstehen werden. Man muss aber an dieser Stelle auch sagen: Vor allem in der Mitte der Laufzeit verrennt sich der Streifen dann doch etwas in seinem Trash, sodass eine Kürzung der Gesamtlänge sicherlich auch nicht geschadet hätte. Der große Überraschungsmoment so mancher genialen Idee verpufft schließlich doch nach einer Weile.

    Der Hauch des Amateurkinos
    Trotzdem scheint es beim Blick auf die Darsteller hin und wieder sogar zu erstaunen, dass „Schneeflöckchen“ seine Qualitäten doch über gute zwei Stunden hinweg halten kann. Der Ursprung im Crowdfunding kommt immerhin gelegentlich zum Vorschein, wenn etwa die Umsetzung so manches Kannibalen oder Nazis dermaßen albern erscheint, dass zwischenzeitlich auch der Eindruck eines Amateurfilms entstehen kann. Vor allem den hervorragenden Hauptdarstellern Reza Brojerdi und Erkan Acar gelingt es dann aber doch, mit einer gewaltigen Portion Selbstironie praktisch den gesamten Film zu tragen. Letztendlich stellen sich die vergleichsweise unbekannten Gesichter sogar als erfrischend innovativ heraus, bleibt das interessierte Publikum nämlich endlich vom typischen Mief des deutschen Kinos verschont, bei dem die immer gleichen, oftmals als talentfrei empfundenen Mainstream-Darsteller dank Filmförderung von einer Produktion in die nächste geschoben werden. Und so zeigt sich dann auch anhand von „Schneeflöckchen“ einmal mehr: Wo keine Fördergelder fließen, da kann sich Kreativität endlich entfalten und deutsches Kino zeigen, dass es keineswegs in einer Krise steckt. In diesem Sinne: So abgeneigt man von deutschen Filmen vielleicht auch sein mag, sollte man für diesen Streifen unbedingt eine Ausnahme machen und diesem überraschend ungewöhnlichen Film eine Chance geben.

    Fazit:
    Komplett durchgeknallt, völlig verrückt und mit so manchem Mindfuck-Moment: „Schneeflöckchen“ ist womöglich der abgefahrenste Genrefilm, den wir in den letzten Jahren (oder vielleicht sogar überhaupt jemals) aus Deutschland gesehen haben. Eine Actionkomödie, die sich in jeder Hinsicht vom üblichen deutschen Kino abhebt.

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