Rosa Luxemburg - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Rosa Luxemburg

    Rosa Luxemburg


    Land/Jahr:
    D 1986
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Margarethe von Trotta
    Darsteller:
    Barbara Sukowa
    Otto Sander
    Daniel Olbrychski
    Doris Schade
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    122 Minuten
    Kaufstart:
    14. Februar 2019
    Label:
    Studiocanal

    Eigentlich hätte Rosa Luxemburg ein einfaches normales Leben bevorzugt, doch die politischen Umstände rund um das Jahr 1900 weckten schnell ihren Gerechtigkeitssinn. Als Pazifistin setzt sie sich gegen den Militarismus ein, der eines Tages im Ersten Weltkrieg münden wird und träumt von einem Europa, in dem die Länder friedlich nebeneinander existieren können. Vor allem den Kapitalismus hält sie dabei für den Grundpfeiler allen Übels, der mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Der SPD sind ihre kompromisslosen Ansichten daher ein Dorn im Auge, denn bei ihrem stetigen Einsatz für ihre politischen Visionen gerät sie zunehmend mit August Bebel, einem der Parteivorsitzenden in Konflikt. Ihre zunehmende Abspaltung mitsamt ihres linksextremistischen Flügels mündete auf kurz oder lang in der Gründung der Kommunistischen Partei. Und von da an sollten Prozesse, Gefängnisaufenthalte und sogar Bedrohungen ihres Lebens ihren Alltag bestimmen…

    Der Weg einer Märtyrerin
    Neben Karl Marx gehört die Friedenskämpferin und Revolutionärin Rosa Luxemburg wohl zu den wichtigsten Persönlichkeiten für die heutige Linke. Fast wie eine Heilige wird sie für ihren Einsatz gegen das Kapital, gegen Nationalismus und Militarismus verehrt. Einem visionären Kampf gegen den Militarismus, der in der damaligen Zeit vielleicht sogar den Ersten Weltkrieg hätte verhindern können und vermeintlich zu diesem Zeitpunkt die bestmögliche Option gewesen wäre. Rosa Luxemburg vertrat aber auch eine Ideologie, die auf einem fanatischen Hass auf das Kapital beruhte und die in ihren Mitteln absolut kompromisslos war. So kompromisslos, dass sie langfristig keine Zukunft in der wesentlich gemäßigteren SPD haben konnte und am Ende sogar heimtückisch ermordet wurde. Ein Ereignis, das sie geradezu zu einer Märtyrerin machte, deren Ideologie noch heute in den Köpfen der gesamten antikapitalistischen, linken Bewegung vorherrscht. Vielleicht könnte „Rosa Luxemburg“ deshalb sogar ein in gewisser Weise bildender Film sein, zumindest sollte sich wohl jeder einmal über diese Person informiert haben. Unterhalten möchte der Streifen jedenfalls in erster Linie wohl nicht. An der Bildung könnte es dann aber leider auch hapern.

    Politik am Fließband
    Problematisch wird das Drama nämlich dann, wenn es auf Erklärungen der politischen und geschichtlichen Hintergründe gänzlich verzichtet. „Rosa Luxemburg“ setzt einen gewissen Bildungsstand über die titelgebende Person, die Geschichte der SPD und der Gründung der Kommunistischen Partei schon von vornherein voraus. Fehlt dem Publikum dieses Hintergrundwissen oder ist es nicht bereit, sich zumindest im Vorfeld ein wenig einzulesen, kann das Drama zu einem unglaublich komplizierten und schweren Stoff werden. Konkrete Einblicke in die damalige Gesellschaft, etwa durch den normalen Blick auf das einfache Volk, scheint „Rosa Luxemburg“ nämlich eher weniger zeigen zu wollen. Stattdessen stürzt sich der Film praktisch von der ersten Minute an auf politische Reden, Streitgespräche und extrem sozialistische Philosophien. Den politisch ungebildeten Zuschauer bildet er dabei nicht etwa, sondern überfordert ihn auf ganzer Linie. Und selbst für jenes Publikum, das mit Rosa Luxemburgs Geschichte durchaus vertraut ist und über politisches Wissen verfügt, kann diese Art der Inszenierung durchaus anstrengend und ziemlich zäh sein. Unterhaltung scheint der Streifen nämlich zu meiden, wie der Teufel das Weihwasser.

    Eine sozialistische Überzeugungstäterin
    Dass „Rosa Luxemburg“ trotzdem in gewisser Weise funktioniert, liegt vor allem an der herausragenden Hauptdarstellerin Barbara Sukowa, die sich unglaublich energisch und intensiv in die Überzeugungen und Dialoge ihrer Figur hineinstürzt. Zu jedem Zeitpunkt können wir ihr die linksextreme Freiheitskämpferin und Antikapitalistin abkaufen. Ganz besonders dann, wenn sie voller Energie auf den Parteitagen ihre politischen Reden ins Publikum brüllt, als handele es sich bei ihr um eine professionelle Politikerin, die seit Jahrzehnten im Geschäft ist. Gleichzeitig gelingt ihr aber auch der gekonnte Mix aus Menschlichkeit, Intelligenz und Strenge, die am ehesten vergleichbar mit einer heutigen Sarah Wagenknecht wäre, die ebenfalls mit einem solchen Auftreten in der Öffentlichkeit auffällt. Damit fällt es dem Zuschauer leicht, in Sukowa eine waschechte linke Politikerin zu sehen, auf die die Rolle oftmals wie angegossen wirkt. Und wenn auch der gewöhnungsbedürftige Inszenierungsstil wohl manchem Zuschauer tatsächlich Probleme bereiten kann, so ist zumindest ihre Darstellung mehr als nur einen Blick wert.

    Fazit:
    Nichts für bildungsfernes Publikum: „Rosa Luxemburg“ setzt ein Mindestmaß an politischer und geschichtlicher Bildung voraus, sonst dürfte das Drama voller politischer Reden und Streitgespräche schnell überfordern. Das ist zugleich aber oftmals auch anstrengend und zäh. Lediglich die grandiose Hauptdarstellerin Barbara Sukowa hilft mit ihrer energischen Darstellung etwas darüber hinweg.

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