Parasite - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Parasite

    Parasite


    Land/Jahr:
    Südkorea 2018
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Bong Joon Ho
    Darsteller:
    Song Kang-ho
    Jo Yeo-jeong
    Choi Woo-sik
    Park So-dam
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    127 Minuten
    Kaufstart:
    5. März 2020
    Label:
    Koch Films / Capelight

    Familie Kim ist ganz unten in der Gesellschaft angekommen. Gemeinsam hausen sie im schlimmsten Viertel der Stadt in einer heruntergekommenen Kellerwohnung, kriechen für kostenloses WLAN der Nachbarn in die hintersten Ecken ihrer Räumlichkeiten und müssen jeden Abend die Betrunkenen verscheuchen, die rücksichtslos direkt gegen ihr Fenster pinkeln. Kein Wunder, dass die Familie sich deshalb für keinen Aushilfsjob zu schade ist, um doch irgendwie das nötige Kleingeld zusammen zu bekommen. Nur der Sohn ist gesellschaftlich einigermaßen integriert und pflegt deshalb sogar die Freundschaft zu einem Studenten. Als der ihn wegen eines Auslandssemesters bittet, ein Jahr lang als Nachhilfslehrer für die reiche Familie Park zu arbeiten, sieht er die Chance gekommen, mit der ganzen Familie aus der Unterschicht herauszukommen: Mit geschickten Lügen und Intrigen gelingt es ihm, alle bisherigen Angestellten der Familie Park loszuwerden und so die eigene Verwandtschaft im Haushalt der Parks unterzubringen. Dumm nur, dass das Lügenkonstrukt nicht nur aufzufliegen droht, sondern auch ein unerwarteter Zwischenfall die Lage komplett außer Kontrolle bringt…

    Kritik:
    Am 10. Februar 2020 gelang dem Drama vom koreanischen Regisseur Bong Joon-ho etwas, womit „Parasite“ ein wenig unerwartet Geschichte schreiben konnte: Zum ersten Mal gewann ein asiatischer Film den Oscar für den „besten Film“, nachdem er noch drei weitere Auszeichnungen bei der Oscarverleihung absahnen konnte. Selbst kommerzielle Hollywood-Hits wie „Joker“ konnte er damit übertreffen.

    Klassenkampf in Südkorea
    Dabei ist „Parasite“ auf den ersten Blick kein reiner Unterhaltungsfilm, sondern möchte inhaltlich ein recht ernsthaftes und manchmal auch erdrückendes Thema ansprechen. Man könnte das Drama von Bong Joon-ho nämlich auch als eine Art Sozialstudie über die Klassenunterschiede in Südkorea bezeichnen. Jenem Land, das von der Welt als fortgeschrittene Hochtechnologienation gefeiert wird, aber in dem dennoch so manche Familien leben, die kaum ihre Kinder ernähren können. In gewisser Weise greift „Parasite“ damit einen gesellschaftskritischen Zeitgeist auf, in dem er vor allem jungen Zuschauern jenen Stoff liefert, der sie am meisten beschäftigt: Der durch Konsum und westliche Dekadenz verursachte Klassenkampf, bei dem die untersten Schichten fremder Länder, in denen das Sozialsystem die Folgen der Armut nicht abfangen kann, unter der Ausbeutung der Reichen zugrunde gehen.

    Inszenatorische Kontraste
    Man hätte die Unterschiede dabei kaum deutlicher und perfekter in Szene setzen können. Das fängt schon bei den Farb- und Lichtunterschieden der beiden einzigen Schauplätze an, die wir in „Parasite“ zu sehen bekommen. Einerseits die heruntergekommene, grünlich-schimmernde Kellerwohnung der Familie Kim, dessen Nachname sicherlich nicht grundlos gewählt wurde und andererseits die in hellem sonnenschein erstrahlende Villa der Familie Park, die in ihrer Sauberkeit geradezu eine einladende Wohlfühlatmosphäre ausstrahlt. Mit seiner regelmäßigen Zuspitzung und fast schon satirischen Dramatisierung schafft es Bong Joon-ho dabei, den Zuschauer nicht nur bereits innerhalb der ersten Minuten zu packen, sondern ihn auch am Ball zu halten. Ihm gelingt es, die Dramatik langsam schleichend immer weiter zu steigern, dass er über die gesamte Laufzeit hinweg den Spannungsbogen ohne Ausnahme stetig weiter erhöht.

    Feinheiten der Alltagsdiskriminierung
    Da waren die Lebensumstände der Kims schon zu Beginn an so interessant, dass wir unmittelbar zu Beginn des Films mehr über die Charaktere erfahren wollen, da bringt Bong Joon-Ho in regelmäßigen Abständen neue Details und Wendungen ein, mit denen er die Charaktere allesamt noch detaillierter ausarbeiten kann. Faszinierend ist dabei, wie subtil die Macher von „Parasite“ praktisch zu jedem Zeitpunkt vorgehen. Das Drama schafft es damit, die Ausgrenzung der Unterschicht mit einer geschickten Alltagsabscheu darzustellen, ohne tatsächlich jemals richtig in die Offensive zu gehen. Einerseits reicht es aus, ein paar Unterlagen zu fälschen, damit die Ärmsten der Gesellschaft so integriert werden, dass der Unterschied nicht einmal auffällt und doch sind es Kleinigkeiten wie der unvermeidliche Geruch der Armut, der in minimalistisch eingebrachten Dialogen als subtile Alltagsdiskriminierung zum Vorschein kommt. Die Genialität Bong Joon-Hos liegt eindeutig darin, derartige Feinheiten so präzise darzustellen, dass einfach jeder Schnitt und jeder Satz absolut perfekt sitzt.

    Subtilität in Perfektion
    Hinzu kommt aber auch in anderen Bereichen eine überraschend starke Subtilität, die die Oscar-Jury mit hoher Wahrscheinlichkeit – und völlig zurecht – zur Entscheidung geführt, „Parasite“ als besten Film des Jahres auszuzeichen. Trotz seiner erdrückend-ernsthaften Thematik gelingt es dem Streifen nämlich trotzdem, das Mainstream-Publikum zu jedem Zeitpunkt zu unterhalten. Dafür sorgt etwa der extrem subtile, aber intelligent und mit Präzision eingebrachte Humor, der geradezu unterschwellig die albernen Eigenheiten der gesellschaftlichen Oberschicht Südkoreas einbringt. „Parasite“ braucht dabei kein offensives Gagfeuerwerk, um dem Publikum manchen Schmunzler zu entlocken, wenn Familie Park die Absurdität der Wohlstandsprobleme und Helikoptereltern zum Vorschein bringt, während die Kinder ärmerer Familien im wahrsten Sinne im Dreck übernachten müssen.

    Politischer Interpretationsspielraum
    Zugleich schafft es „Parasite“ allerdings auch, den regelmäßigen Bogen zu vor allem in Südkorea gesellschaftlich relevanten Themen zu spannen. Selbst die allgegenwärtige Angst vor einer Eskalation mit dem diktatorisch regierten Norden spielt eine wichtige Rolle, wenn Bong Joon-Hos Drama mit Metaphern die gesellschaftliche Ungleichheit Koreas anspricht. Man könnte beinahe meinen, Familie Kim aus der Unterschicht sei ein Sinnbild für die Situation Nordkoreas, die unter der Dekadenz des Südens zu leiden hat – ganz so, als wollte der Regisseur seinem eigenen Land eine Mitverantwortung für die Spaltung Koreas andichten. Eines ist dabei jedenfalls klar: „Parasite“ bietet reichlich Raum für Diskussionen und Interpretationen – verpackt in einem spannenden Thriller, der vielleicht ein ganz kleines bisschen an die von der Kritik ebenso gefeierten Filme „Ich seh, ich seh“ oder „Borgman“ erinnert, dabei aber mit ein paar noch spannenderen Wendungen aufwarten kann und inszenatorisch nochmal in einer ganz eigenen Liga spielt.

    Fazit:
    In einer spannenden Sozialstudie über die Klassenunterschiede Südkoreas beweist Regisseur Bong Joon-ho, wieso sein Film den Oscar als bester Film des Jahres eindeutig verdient hat: Geschickt mit einem subtil-satirischen Humor inszeniert, sitzt bei diesem Drama jeder Schnitt und jeder Dialog absolut perfekt, während „Parasite“ inhaltlich außerdem enorm viel Interpretationsspielraum offen lässt und die Charakterdarstellung mit perfekt getimter Überspitzung den Spannungsbogen stetig voranschreiten lässt. Damit ist „Parasite“ vielleicht jetzt schon das Highlight des Jahres.

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