Once upon a time in… Hollywood - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Once upon a time in… Hollywood

    Once upon a time in… Hollywood


    Land/Jahr:
    USA 2019
    Genre:
    Drama
    Regie:
    Quentin Tarantino
    Darsteller:
    Leonardo Di Caprio
    Brad Pitt
    Margot Robbie
    Emile Hirsch
    Margaret Qualley
    Timothy Olyphant
    Julia Butters
    Austin Butler
    Dakota Fanning
    Al Pacino
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Dauer:
    161 Minuten
    Kaufstart:
    19. Dezember 2019
    Label:
    Sony Pictures

    Rick Dalton, Star der Westernserie „Bounty Law“ ist unzufrieden mit seiner Karriere. Trotz der aus seiner Sicht hervorragenden schauspielerischen Leistungen gelingt es ihm einfach nicht, die großen Rollen zu ergattern und endlich den Ruhm zu erlangen, den er sich seit vielen Jahren wünscht. Sein einziges Angebot: Die Rolle in einem Italo-Western, einem Genre das seinerzeit nicht gerade dafür bekannt ist, kommerziell besonders erfolgreich zu sein. Widerwillig den Job angenommen, sieht er jedoch seine einzige Chance auf Erfolg darin, sich mit den Nachbarn Roman Polanski und Sharon Tate anzufreunden. Dumm nur, dass ausgerechnet im Jahre 1969 auch der Mörder Charles Manson sein Unwesen treibt…

    Kritik:
    Man stelle sich vor, Meisterregisseur Quentin Tarantino könnte seine Kreativität an jedem Genre austesten, das in der Vergangenheit einmal beliebt war. Sein neuestes Werk „Once upon a time in… Hollywood“ ist dafür im Grunde regelrecht eine Einladung: Mit einer Art von fiktiven Biografie über einen erfolglosen Schauspieler kann er sich nach Lust und Laune am Kino und Fernsehen der 60iger Jahre abarbeiten.

    Tarantinos bunter Genremix
    Zumindest ansatzweise macht er genau das dann auch und man kann wohl nur erahnen, welchen Spaß Tarantino vermutlich beim Dreh seines Films gehabt haben muss – angesichts der Tatsache, dass er die Hauptrollen mit niemand geringeres als Leonardo Di Caprio und Brad Pitt besetzen durfte. Vom Western über klassischen TV-Actiontrash bis hin zu Kriegsfilmen über den Zweiten Weltkrieg ist da jedes Genres vertreten, für die er kurze Ausschnitte mit Leonardo Di Caprio drehen konnte, um die schauspielerische Karriere seiner Filmfigur darzustellen. Dabei kommt das Flair des Jahres 1969 natürlich schnell auf: Der typische Sound der damaligen Synchronisation, knallbunte Klamotten der 60iger Jahre Hippie-Bewegung und natürlich protzige, schicke Cadillacs dürfen da nicht fehlen. Handwerklich macht „Once upon a time in… Hollywood“ alles richtig und es ist manches Mal sogar erstaunlich, wie es Tarantino gelingt, auch aus dem vermeintlich belanglosesten Stoff beinahe ein Meisterwerk zu schaffen.

    Film im Film
    Der Streifen, der zugleich nach früherer Aussage Tarantinos wohl der vorletzte seiner Kinofilme werden soll, ist unterdessen allerdings auch eine Hommage an seine eigene Karriere: Keiner seiner Produktionen der letzten Jahre kommt auch nur annähernd so nah an seine einstigen Kult-Werke wie „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“ heran. Und doch vermischt er diesen typischen Actionstil samt Buddy-Movie-Elementen eines „Pulp Fiction“ mit seiner moderneren Ästhetik eines „The Hateful Eight“. Vor allem dann, wenn sich Tarantino an den Einblicken in Rick Daltons fiktive Westernkarriere abarbeitet und selbst in diesen „Film im Film“-Ausschnitten, die generell eigentlich wenig zum Fortschreiten der Haupthandlung beitragen, einen hohen Spannungsbogen aufbaut. Das klassische Krimi-Actionmovie und Tarantinos moderner Western ist also gleichermaßen und zu ähnlich großen Anteilen vertreten. Und irgendwie macht das ja durchaus Spaß.

    Hollywood-Satire oder Mord-Krimi?
    Schade ist nur, dass Quentin Tarantino sein Publikum zumindest anfangs etwas in die Irre führt und nicht gleich ganz klar macht, in welche Richtung sich „Once upon a time in… Hollywood“ entwickeln soll. Die umfangreiche Hollywood-Satire mit einem überaus kritischen Blick auf die eigene Branche, die der Streifen anfangs anzupeilen scheint, soll es dann schließlich nicht werden. Das ist insofern schade, als dass der kritische Blick auf die Filmindustrie insgesamt doch etwas zu kurz kommt. Eine Industrie, in der so mancher Schauspieler bereits nach fünfzehn Jahren auf die Ersatzbank gesetzt wird und nur noch Nebenrollen ergattern kann. Eine Industrie, die aber ebenso auch den kleineren Mitarbeitern, wie den Stunt-Doubles, ohne die ein Film kaum realisierbar wäre, weder ausreichend Anerkennung, noch vernünftige Bezahlung zu Gute kommen lässt. Die Kritik an Hollywood bleibt über die gesamte recht lange Laufzeit eher unterschwellig und oberflächlich, jedoch für mitdenkende Zuschauer trotzdem ausreichend. Zumal der subtile Anti-Hollywood-Touch vor allem dem Zusammenspiel zwischen Di Caprio und Brad Pitt, der hier die Rolle des Stunt-Doubles eingenommen hat, eine angenehme Dynamik verleiht. An Härte fehlt es dem kritischen Blick auf die Filmindustrie dann aber dennoch.

    Bruch mit Konventionen
    Dass der Film aber insgesamt dann doch weniger von Hollywood, als von der Manson-Familie handelt, der damals diverse Schauspieler bei Morden zum Opfer gefallen sind, macht „Once upon a time in… Hollywood“ aber ebenso erst im letzten Drittel so richtig deutlich. Obwohl man an dieser Stelle ankreiden könnte, dass der Streifen deshalb viel zu langsam zum Punkt kommt, gelingen Tarantino die fließenden Übergänge so hervorragend, dass bei der Abhandlung der jeweiligen Zwischenereignisse, bei der Tarantino das eigentliche Ziel seiner Handlung auch einfach mal ignoriert, zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Es ist viel mehr faszinierend, wie es Tarantino immer wieder gelingt, praktisch in sich geschlossen scheinende Handlungsabläufe in seine Geschichte zu integrieren und jeden einzelnen davon so aufregend zu inszenieren, dass das Publikum die mangelnde Sinnhaftigkeit glatt vergessen könnte. Hinsichtlich seines Herumirrens in Nebengeschichten hat „Once upon a time in… Hollywood“ dann sogar durchaus eine Gemeinsamkeit mit „The Irishman“, mit dem er aktuell desöfteren verglichen wird. Mit einem Unterschied: Tarantinos Werk ist für den Mainstream deutlich leichter zugänglich und weniger sperrig, was den Film zugleich auch deutlich weniger langatmig erscheinen lässt, als das Gangster-Drama.

    Fazit:
    Quentin Tarantinos neuestes Werk kann sich zunächst nicht so recht entscheiden, ob es eine bittersüße Hollywood-Satire oder spannender Mord-Krimi sein möchte. Das ist jedoch auch gut so, denn mit der außergewöhnlichen Fähigkeit, selbst zusammenhanglos wirkende Nebengeschichten hochunterhaltsam zu inszenieren, wird „Once upon a time in… Hollywood“ überhaupt erst zu dem Beinahe-Meisterwerk, zu dem der Streifen geworden ist und noch dazu die erste richtige Gelegenheit für Tarantino, mit vielen Genres zugleich zu experimentieren.

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