Nur ein kleiner Gefallen - Kritik – Virtual DVD Magazine
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    Nur ein kleiner Gefallen

    Nur ein kleiner Gefallen


    Land/Jahr:
    USA / CDN 2018
    Genre:
    Thriller
    Regie:
    Paul Feig
    Darsteller:
    Anna Kendrick
    Blake Lively
    Henry Golding
    Andrew Rannells
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Dauer:
    117 Minuten
    Kaufstart:
    4. April 2019
    Label:
    Studiocanal

    Die alleinerziehende Mutter Stephanie gehört zu jenen Müttern, die von anderen Eltern oft nur belächelt und selten ernst genommen werden. Mit ihrer Überfürsorglichkeit gilt sie in der Schule ihres Sohnes als Helikoptermutter und geht mir ihrem Engagement so ziemlich jedem auf die Nerven. Vor allem ist ihre Art aber auch eine regelrechte Einladung, auf die heftigste Weise ausgenutzt zu werden. Und genau das könnte ihr passieren, als sie von ihrer neuen „besten Freundin“ um den kleinen Gefallen gebeten wird, eine Weile auf ihren Sohn aufzupassen. Jene beste Freundin Emily taucht fortan nämlich einfach gar nicht mehr auf und ihr vermeintlicher Bilderbuch-Ehemann Sean, der sich kurzerhand an Stephanie heran macht, scheint ein dunkles Geheimnis zu umgeben. Für Stephanie steht fest: Sie muss unter allen Umständen herausfinden, was bei der mysteriösen Familie faul ist. Doch damit bringt sie sich womöglich selbst in Gefahr…

    Kritik:
    Ein bisschen Bonnie & Clyde und ein Hauch von diesen Thrillern, bei denen hübsche schüchterne Mauerblümchen einem Geheimnis um reiche Ehemänner auf die Schliche kommen. Zugegeben: „Nur ein kleiner Gefallen“ lässt sich großzügig bei anderen Streifen inspirieren. Vielleicht aber sorgt gerade das dafür, dass das Publikum hier am Ball bleibt.

    Klischees einer Mutterschaft
    Die erste halbe Stunde des Streifens könnte aber mitunter noch dafür sorgen, dass so mancher Zuschauer mit ein wenig Distanz an die Geschichte heran geht. Das liegt an der süßen Anna Kendrick, die ihre Rolle als Helikoptermutter extrem überzeugend spielt, dabei aber auch unglaublich nervig sein kann. Der Zuschauer entwickelt prompt Antipathien gegenüber der Hauptfigur, der man im echten Leben vermutlich nur weiträumig aus dem Weg gehen möchte. Das ist gewollt, aber auch klischeehaft, denn „Nur ein kleiner Gefallen“ kennt praktisch nur zweierlei Stereotypen: Die nervtötenden Helikoptermütter auf der einen Seite und die lediglich an ihrer Karriere interessierten Rabenmütter, für die das eigene Kind in jeder Hinsicht lediglich eine Last ist. Das ist auf den ersten Blick nicht allzu vielschichtig und durchaus kritisierenswert.

    Die geheime Persönlichkeit
    Genau da aber wird Anna Kendrick im späteren Verlauf interessant, wenn sie auf Grund ihrer herausragenden darstellerischen Leistungen eine subtile, fortschreitende Kehrtwende hinlegt. Wenn die dunklen Seiten der Helikoptermutter zunehmend zum Vorschein kommen und sich eine selbstbewusste, gefährliche Frau unter der so weichen Fassade entpuppt. Hier kommen auch die wahren Stärken dieses Thrillers zum Tragen: Kendrick nämlich macht vor allem dann Spaß, wenn sie ihre bitterernste, strenge Darstellung mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humor und Sarkasmus aufpeppt. Zunehmend beginnt die Hauptfigur in „Nur ein kleiner Gefallen“ die Machenschaften ihrer Widersacher aufzudecken und auf geschickte Weise den Spieß umzudrehen – oder es zumindest zu versuchen. Aus dem ursprünglichen leichten Drama wird ein immer spannenderer Thriller, der das Publikum zu fesseln weiß.

    Bonnie & Clyde der Moderne
    Und obwohl „Nur ein kleiner Gefallen“ sich inhaltlich ziemlich stark an einer modernen Version von „Bonnie & Clyde“ orientiert, ja das sogar durch eine Soundtrack-Einlage noch zusätzlich bestätigt, bleibt der Streifen bis zum Ende hin unvorhersehbar und rätselhaft. Regelmäßige Wendungen sorgen dafür, dass selbst erfahrene Filmfans noch überrascht werden und das gelingt Regisseur Paul Feig vor allem deshalb, weil er mit den Klischees geradezu offensiv spielt. Wenn Stephanie zu Sean in eines dieser riesigen Luxus-Klischeehäuser aus den Geiselnahme-Thrillern zieht, dann muss es doch ein Geheimnis um den Mann geben? Ist er womöglich selbst der Mörder und macht sich nun an sein neues Opfer heran? Vielleicht ist es aber auch ganz anders, denn: „Nur ein kleiner Gefallen“ führt das Publikum geschickt an der Nase herum – und wird gerade deshalb so fesselnd und spannend. Und wenn auch so manche Wendung leicht konstruiert erscheinen mag: Dieser „Krimi“ macht Spaß.

    Fazit:
    Die moderne Version von Bonnie & Clyde führt sein Publikum mit zahlreichen Wendungen geschickt an der Nase herum und peppt die Handlung obendrein mit schwarzem Humor und Sarkasmus ordentlich auf. Das wirkt trotz seiner Klischees einzigartig und entfaltet einen hohen Unterhaltungswert.

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