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Mütter und Töchter


Mütter und Töchter

Land/Jahr:
USA 2016
Genre:
Drama
Regie:
Paul Duddridge
Nigel Levy
Darsteller:
Selma Blair
Courteney Cox
Christina Ricci
Susan Sarandon
Mira Sorvino
Sharon Stone
FSK:
ab 6 Jahren
Dauer:
92 Minuten
Kaufstart:
18. November 2016
Label:
Ascot Elite



Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist in vielen Familien nicht immer einfach. Menschen machen Fehler, die ihre Mutter-Kind-Beziehung oftmals nachhaltig schädigen können und vor allem im Erwachsenenalter dann schwerwiegende Probleme nach sich ziehen. Das muss momentan auch Beth erfahren, dessen Tochter sich von ihr zu tiefst gekränkt fühlt. Erst vor kurzem bei der Beerdigung der Großmutter hat sie schließlich erfahren, dass sich die eigene leibliche Mutter seit ihrer Geburt als Schwester ausgegeben hat. Ein unverzeihliches Vergehen. Unterdessen hat die Fotografin Rigby ein ganz eigenes Problem mit ihrer Tochter, ist sie schließlich gerade erst schwanger geworden und kann sich einfach nicht so recht entscheiden, ob sie das Kind auch tatsächlich behalten soll. Ein Umstand, der bei Georgina vermutlich nur auf Unverständnis stößt. Immerhin hat sie einst den Fehler begangen, ihre eigene Tochter zur Adoption freizugeben und möchte sich nun zum ersten Mal seit der Geburt mit dem inzwischen erwachsenen Mädchen treffen. Sie würde wohl alles tun, um ihre damalige Entscheidung endgültig rückgängig zu machen. Und längst sind all diese Frauen nicht die einzigen, die momentan schwierige Zeiten durchmachen müssen…

Kritik:
Eigentlich ist es ja eine interessante Idee, die vielen Facetten der typischen Mutter-Tochter-Beziehungen darzustellen und ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Lebensumstände der Menschen zu schaffen. Da scheint ein Episodenfilm immerhin gerade recht. Doch man darf sich darüber streiten, ob dieses Format tatsächlich die beste Idee ist, wenn die darin gezeigten Geschichten kaum in direktem Zusammenhang stehen.

Weniger ist mehr
So kommt „Mütter und Töchter“ nämlich schnell zu dem Problem, sehr viele zusammenhanglose Geschichten über ganz normale Menschen von nebenan zu erzählen, die es nur schwer ermöglichen, sich mit einer der Figuren tatsächlich zu identifizieren. Es dauert da schon eine Weile, bis wir uns wirklich in die einzelnen Stories hineinversetzen können, geht schließlich bereits mehr als ein Drittel der gesamten Laufzeit dafür drauf, die unterschiedlichen Charaktere überhaupt einzuführen. Und dann muss man zugleich zu dem Erkenntnis kommen, dass zwar jede der Handlungen durchaus das Potential für einen ganz eigenen Film hätte, die jeweilige Umsetzung allerdings nicht gleich interessant ausfällt. So fesseln die Dramen um die einst zur Adoption freigegebene Tochter und die Aufdeckung der wahren Familienverhältnisse bei der Familie von Beth doch um einiges mehr, als etwa die Selbstfindungsversuche einer jungen Frau, die sich von ihrer Mutter zu lösen versucht, um als Alleinverdienerin mit ihrem Freund zusammenzuleben.

Weibliche Emanzipation
Als Schlüsselfigur, um die jeweiligen Handlungsstränge zusammenzuführen, soll wiederum die Fotografin Rigby dienen, die ungewollt schwanger wird und nun mit der Frage ringt, ob sie denn ihre zukünftige Tochter auch tatsächlich behalten will. Schauspielerisch bietet Selma Blair damit wahrscheinlich die einzige Glanzrolle in diesem Streifen, verkörpert sie nämlich eine reife und erwachsene Frau, die nicht aus pubertärer Unsicherheit über eine Abtreibung nachdenkt, sondern aus einer erwachsenen Entscheidung heraus, bei der es um Kind oder Karriere geht, statt um eine Flucht vor der Wirklichkeit. Damit wird ihre Rolle interessanter, als die mitunter doch etwas konstruierten Lebensgeschichten der anderen Mütter. Und dennoch täuscht auch sie nicht darüber hinweg, dass wir uns doch lieber auf nur ein oder zwei Dramen konzentriert hätten, statt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Handlungen überladen zu werden. Zumal die Andeutung zum Schluss, dass sie all diese Geschichten mit ihrer Kamera eingefangen hätte, doch etwas an den Haaren herbeigezogen scheint, wenn man den gesamten Film über – von einer Ausnahme vielleicht abgesehen – keinerlei Berührungspunkte zwischen ihr und all den anderen Müttern zu sehen bekam.

Der Mann als Nebenrolle
Umso mehr schade ist es dann, dass man trotz der immerhin teilweise glaubwürdigen Erzählungen der Familiendrama allerdings doch gerne vergisst, dass die Familien eben aus mehr bestehen, als nur Mutter und Tochter. Die Väter und Brüder, so es sie denn gibt, werden bei „Mütter und Töchter“ leider doch allzu schnell in die Ecke gedrängt und dienen nur noch als dekorative Nebencharaktere. Sie sind eben irgendwie da, aber gleichzeitig größtenteils auch vollkommen austauschbar und überflüssig. Das ist schade, wird es doch dem auf den ersten Blick anspruchsvollen Inhalt des Streifens nicht so ganz gerecht. Auch wenn man das sicherlich mal verschmerzen kann, angesichts dessen, dass Männer in einem Großteil aller Filme doch meist die dominante Hauptrolle übernehmen. Da kann man eine solche Ausnahme wohl problemlos mal verschmerzen. Ob sich männliche Zuschauer damit allerdings vollends anfreunden können, sei dahin gestellt. Spätestens, wenn aber zum Ende des Dramas die emotionalen Momente dann doch überwiegen, ist das auch wieder schnell vergessen.

Unterhaltung mit Schleichwerbung
Bis es allerdings soweit ist, plätschert „Mütter und Töchter“ zu Beginn doch etwas vor sich hin. Das hat der Film leider aber auch der Tatsache zu verdanken, dass moderne Kommunikationsmittel wie Notebooks und Smartphones ein klein wenig zu viel eingebunden werden. So realistisch das auch sein mag, dass ausgezogene Töchter mit ihren Müttern via Facetime kommunizieren und sich kurze Textnachrichten schicken, so wenig funktioniert das oftmals allerdings in Filmen. Der Dialog mit Augenkontakt ist für die Darstellung in einem Filmdrama doch immer noch vorzuziehen, statt die gefühlte Hälfte des Films den Bildschirm eines Notebooks einzublenden. Noch dazu nicht irgendeines Notebooks: Jeder einzelne der Protagonisten verfügt hier nämlich ausschließlich über Appleprodukte. Egal, ob es sich dabei um ein Macbook, das neueste iPhone oder gar ein iPad handeln mag. Selbst fünf unterschiedliche Familien, die in keinem direkten Zusammenhang zueinander stehen, besitzen allesamt ausschließlich Geräte von Apple. Hier wurde das offensichtliche Product Placement also derart inflationär verwendet, dass es schon einen deutlich störenden Faktor einnimmt. Auch damit reduziert der im späteren Verlauf emotionale Streifen seine Qualität bestenfalls auf ein Mittelmaß.

Fazit:
Obwohl „Mütter und Töchter“ einige fesselnde und interessante Geschichten zu bieten hat, die im späteren Verlauf ihre ganze Emotionalität entfalten können, stellt sich das Episodenformat nicht zwangsläufig als die beste Wahl heraus. Eine Reduzierung der einzelnen Handlungsstränge hätte dem Drama also ebenso gut getan, wie ein Verzicht aufs zu aufdringliches Product Placement.

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